Frische Ideen gegen den Hitzekollaps in der Regensburger Altstadt

Von Juliana Ried · 17. August 2023 um 19:00

Im steinernen Welterbe sind Abkühlungsmöglichkeiten gefragt: Die ÖDP im Regensburger Stadtrat fordert ein Pilotprojekt mit kurzfristigen und temporären Maßnahmen.

Auch für die Stadträte ist Urlaubszeit – und manche bringen aus den Ferien Ideen für ihre Heimatstadt mit: So macht es jetzt die ÖDP-Fraktion. Fraktionschefin Astrid Lamby, die gerade in polnischen Städten durch Sprühnebel läuft, und Fraktionschef Benedikt Suttner, der in Wien grüne Oasen fotografierte, fordern in ihrem Antrag „Regensburg gegen den Hitzekollaps“ ein Pilotprojekt mit diversen „Abkühlungsmaßnahmen“.

ÖDP-Antrag kommt für den Sommer 2023 zu spät

Für diesen Sommer kommt er zu spät. 2024 aber sollen Bepflanzungen, Schattenspender, Brunnen, Wasserspiele und mehr Trinkbrunnen kurzfristig und temporär auf einzelnen Straßen und Plätzen Abkühlung bringen. In das Pilotprojekt sollten nach Ansicht der ÖDP Unternehmer, Vereine und Kulturschaffende einbezogen werden. Zur Begründung schreiben die ÖDP-Fraktionschefs, die sehr heißen und trockenen Sommer seien besonders in der steinernen Innenstadt, die sich stark aufheizt und schlecht abkühlt, eine „Herausforderung“ für die Menschen. Projekte wie der Wasserspielbrunnen Play-Fountain, der aktuell am Neupfarrplatz sprudelt, könnten die Umgebungstemperatur um bis zu fünf Grad senken – allerdings fände die ÖDP günstige Alternativen besser, die dafür an mehreren Orten für Erfrischung sorgen.

Ulrich Dombrowsky, Vorsitzender der Händlervereinigung Faszination Altstadt, die den Wasserspielplatz anbietet, will die Kritik daran nicht einfach so stehen lassen, zeigt sich aber aufgeschlossen für Abkühlungs-Ideen. Dombrowsky schreibt der MZ: „Faszination Altstadt hat nie behauptet, mit dem vierwöchigen Spielangebot ,Play-Fountain’ einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung des Klimas in der Innenstadt leisten zu können“, sagt er. Dieses koste zwar 100.000 Euro, das werde aber mit EU-Innenstadtförderung bestritten. Der Verein habe bereits in der Vergangenheit gefordert, mehr Grün und mehr Wasser in die Stadt zu holen – etwa mit durchlässigem Pflaster, in das Regen versickert und so Verdunstungskälte bringt. Er kommentiere zwar grundsätzlich keine Vorschläge politischer Parteien, doch es gelte: „Auch Faszination Altstadt freut sich über Privatinitiativen und unterstützt diese, wo gewünscht.“

Bürger bringen aus dem Urlaub Erfrischungs-Ideen mit

Nicht nur die ÖDP, sondern auch mancher Bürger bringt aus dem Urlaub Ideen für eine kühlere Stadt mit. Anna Alzinger (22), die am Donnerstagnachmittag am Neupfarrplatz einen kalten Bubble Tea genießt, sind in Österreich „Trinkwasserbrunnen an jeder Ecke“ aufgefallen. Dass es auch am nahen St.-Kassians-platz einen gibt, wusste sie bisher nicht. Sabrina Mühldorfer (38), deren Sohn in der Play-Fountain spielt, würde sich Erfrischung auch für Erwachsene wünschen – etwa durch Trinkwasserbrunnen wie in Rom, an denen sich auch gut Füße kühlen lassen.

Bei der größten Koalitionsfraktion blitzt die ÖDP ab. „Das ist schon alter Wein in neuen Schläuchen“, sagt Fraktionschef Jürgen Eberwein. „Wir haben Organisationen, die alles machen können, was sie möchten.“ Dafür gebe es auch Förderung von der Stadt. Trinkwasserbrunnen habe die CSU vor Jahren beantragt und inzwischen gebe es sie auch. Verschattungen seien möglich, etwa in der Gastronomie. Die dürfte auch Sprühnebel nutzen, heißt es dazu aus der städtischen Pressestelle. Außerdem habe die Stadt bereits mehrere historische Brunnen reaktiviert. Den ÖDP-Antrag behandle am 27. September der Umweltausschuss.