Falscher Polizist in Regensburg vor Gericht: Therapie statt Haft für 33-Jährigen?

Der Betrug am Telefon boomt bis heute: In Regensburg ist ein Mann angeklagt, der Seniorinnen um rund 80 000 Euro gebracht haben soll. Er soll Boss eines Callcenters gewesen sein – die Spur des Geldes führte laut Ermittlern zu ihm.
Im Prozess gegen den mutmaßlichen Kopf einer Betrügerbande hat gestern ein in selber Sache bereits verurteilter Mitbeschuldigter ausgesagt. Der Zeuge blieb zu Details der Masche vom falschen Polizisten und der Rolle des Angeklagten vage – ganz anders die psychiatrische Sachverständige: Sie attestierte dem 33-Jährigen auf der Anklagebank dissoziale Persönlichkeitszüge und einen Hang zu Drogen. Der 2018 als Terror-Gefährder in die Türkei abgeschobene Mann könnte so statt in Haft auf Entzug kommen.
Zwei Seniorinnen sollen im August und im November 2020 um rund 80 000 Euro betrogen worden sein. Sie fielen laut Anklage auf falsche Polizeibeamte herein. In einem weiteren Fall vom Februar 2021 durchschaute das Opfer die dreiste Masche. In vierten angeklagten Fall verschwanden fast 10 000 Euro vom Konto einer Frau – sie bekam ihr Geld aber zurück. Anrufer soll laut der Staatsanwaltschaft der 33-Jährige gewesen sein. Das ließ er Strafverteidiger Jörg Meyer weitestgehend einräumen. Er sei gezwungen worden und keinesfalls Chef des Callcenters gewesen.
Im Prozess zeichnete sich ein anderes Bild: Urlaubsfotos mit den mutmaßlichen Komplizen sprachen für die These, dass die Beute direkt in die Türkei geschafft wurde. In einem Fall wurde das Geld über einen Gelddienstleister an den Angeklagten transferiert und abgehoben. So schilderte es der leitende Ermittler der siebten Strafkammer am Landgericht in Regensburg. Eine Stimmgutachterin ordnete die Stimme in abgehörten Telefonate ebenfalls dem Angeklagten zu.
Weitere Hintergründe zu dem Fall finden Sie hier: 33-Jähriger in Haft – Ermittlern gelingt Schlag gegen Callcenter-Betrüger
Gutachterin Leila Badry kam gestern zum Schluss, dass eine Cannabisabhängigkeit bei dem 33-Jährige vorliege. Ob das Gericht eine Drogentherapie anordnet, hängt auch vom möglichen Erfolg bei einer drohenden Abschiebung ab. Dazu soll die Ausländerbehörde noch gehört werden. Spätestens am 21. September könnte das Urteil fallen.
