Regensburgerin (54) fuhr die Drogen aus, ihr Sohn zog im Entzug die Fäden - Urteil gefallen

Von André Baumgarten · 31. August 2023 um 15:00

Mutter und Sohn (23) zogen in Regensburg einen florierenden Marihuana-Handel auf. Nach nur zwei Monaten griffen aber Rauschgiftfahnder zu. Nun müssen die 54-Jährige und ihr Kind vier und viereinhalb Jahren ins Gefängnis.

Mit ihrem Sohn hat eine 54-Jährige einen kleinen Drogenring in Regensburg aufgezogen und am Laufen gehalten. Der 23-Jährige organisierte das Ganze aus dem laufenden Entzug heraus – bis seine Mutter und ein Lieferant am ersten Advent 2022 auf frischer Tat ertappt wurden. Ermittler fanden Beweise für den Handel mit 5,6 Kilo Gras, wofür es vor Gericht die Quittung gab.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft waren die beiden zwei Monate aktiv. Sie setzen dabei Drogen im Straßenwert von etwa 56 000 Euro um. Die 54-Jährige holte sie im Dienstbus eines Behindertfahrdienstes ab, bezahlte den Lieferanten und sorgte für die Verteilung an die Dealer auf der Straße. So gestand es die Frau im Prozess am Landgericht in Regensburg.

Die Fäden bei dem Ganzen hatte aber ihr Sohn in Händen, wie der ebenfalls einräumte. Der 23-Jährige offenbarte in seinem Geständnis zudem tiefe Einblicke in die Rauschgiftszene – der Mann, von dem er kiloweise Marihuana gekauft hatte, dürfte alles andere als ein kleiner Fisch sein. Gegen ihn wird noch immer ermittelt.

Marihuana lagerte im Keller einer argloser Angehörigen

Das Mutter-Sohn-Duo lagerte seine Drogen bei einer Angehörigen, die am 27. November von der Razzia in ihrem Keller völlig überrascht wurde. Dort fand die Kripo rund 1,1 Kilo Gras, das aus einem von den Drogenfahndern überwachten Deal stammten. Denn die Ermittler waren den Angeklagten schon seit Mitte Oktober auf der Spur.

Die Kripo hörten Telefone ab, observierte und dokumentierte wohl mindestens drei Drogengeschäfte. Verraten wurden sie am Ende von einem jungen Mann, der für den 23-Jährigen und seine Mutter arbeitete. Als dieser Kleindealer von der Polizei geschnappt wurde, packte er laut Aussage des leitenden Ermittlers sofort aus. Auch vor Gericht wurde dieser Kronzeuge dazu angehört.

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Die Regensburger Staatsanwaltschaft hatte im Prozess gegen das Mutter-Sohn-Duo bei einem vollen Geständnis mindestens sechseinhalb Jahre für die Taten angesetzt. Die Strafverteidigerinnen Stephanie Bauer und Claudia Schenk dagegen sahen drei bis vier Jahre als angemessen. Zu einer Einigung kam es daher nicht. Die beiden Angeklagten gestanden dennoch alles ein.

Staatskasse zieht Taterträge von Mutter-Sohn-Duo ein

Die fünfte Strafkammer des Landgerichts blieb, wie im Rechtsgespräch in Aussicht gestellt, letztlich näher an den Vorstellungen der Verteidigung: Die 54-Jährige bekam vier Jahre, ihr Sohn wurde zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Zudem zieht die Staatskasse aus den erzielten Verkaufserlösen der Drogen rund 25 000 Euro ein.

Erneute Entzugstherapien im Maßregelvollzug ordnete das Regensburger Landgericht für die beiden Angeklagten, die seit Jahren abhängig sind, nicht an. Die Mutter wollte das nicht und bei ihrem Sohn gab es keinen unmittelbaren Tatzusammenhang – er organisiert die Deals aus dem Entzug im Bezirksklinikum und nahm folglich keine Drogen.