Dealte Mutter-Sohn-Duo in Regensburg, um Schulden zu zahlen?

Ein 23-Jähriger gesteht, mit seiner Mutter Drogen gehandelt zu haben. Im Geständnis gab er tiefe Einblicke in die Regensburger Drogenszene. Angeklagt sind die beiden wegen um 5,6 Kilo Gras.
Ein kleiner Marihuana-Ring, den ein junger Regensburger aus dem Entzug heraus organisierte, funktionierte so: Seine Mutter holt die Drogen ab, zahlt den Lieferanten aus und kümmert sich um die Verteilung an die Dealer auf der Straße. So gestand es das Mutter-Sohn-Duo im Prozess am Landgericht in Regensburg. So hätten sie Schulden beim Lieferanten zurückzahlen wollen. In seinem Geständnis nannte der 23-Jährige Ross und Reiter und gewährte tiefe Einblicke in die Szene.
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Vor Gericht stehen die 54-Jährige und ihr Sohn, weil sie von Ende September bis zum Zugriff der Ermittler am 27. November mit rund 5,6 Kilo Marihuana gehandelt haben sollen. Das ist Rauschgift im Straßenwert von rund 56.000 Euro. Was das Duo nicht ahnte: Schon seit 12. Oktober war die Kripo ihnen auf den Fersen.
Die Ermittler hörten Telefone ab und observierte die Mutter bei ihren Touren im Bus eines Behindertenfahrdienstes. Den Tipp gab ein junger Dealer, der für die Angeklagten arbeitete. Das sagte der leitende Ermittler am Freitag vor Gericht aus. Letztlich sei so auch der Lieferant geschnappt worden – wohl alles andere als ein kleiner Fisch.
Marihuana-Ring aus dem Entzug heraus organisiert
Denn er soll seine Leute sogar im Maßregelvollzug gehabt haben, wo der 23-Jährige eine Therapie machte. So konnte der Angeklagte wegen seiner Schulden massiv unter Druck gesetzt werden. Er habe deshalb dem Falschen vertraut, wie er im Geständnis erklärte. Denn er habe die Geschäfte an einen Bekannten übergaben, der ihn betrogen habe. So hätten sich die Schulden dann auf rund 25.000 Euro angehäuft. „Da musste ich schauen, dass das organisiert wird, dass ich das Geld zurückzahlen kann“, so der 23-Jährige.
Das Gras will der Angeklagte für 5,50 Euro „oder manchmal auch 5,30 Euro“ je Kilo eingekauft haben. Je nach Abnahmemenge habe er es für 7,50 Euro bis neun Euro pro Gramm weiter verkauft. Bis alles aufflog, hatte er so fast das ganze Geld zurückgezahlt, wie der 23-Jährige vor Gericht sagte.
Auch der Mann, an den er abgezahlt haben will, war Ende November verhaftet worden. Er kam wenig später aber wieder frei, ehe er kurz vor Prozessbeginn erneut in U-Haft musste – Chats auf einem Handy, das bei dem mutmaßlichen Lieferanten gefunden worden war, belasteten ihn offenbar sehr. Die Kripo fand bei ihm zudem rund 30.000 Euro in bar.
Drogen lagerten im Kellerabteil einer Seniorin
Das Mutter-Sohn-Duo lagerte seine Drogen wohl bei einer völlig ahnungslosen Angehörigen. Das ging laut dem Sachbearbeiter des Falls aus den abgehörten Telefonaten hervor. Im Keller der Seniorin fanden die Ermittler mehr als 1,1 Kilo Marihuana – vermutlich aus einem Deal, der von den Ermittlern observiert wurde.
Das Urteil gegen die 54-Jährige und ihren Sohn soll kommende Woche fallen. Das Landgericht hatten ihnen für Geständnisse maximal vier Jahre Haft in Aussicht gestellt.