Drogenduo will gestehen – Mutter und Sohn in Regensburg angeklagt

Er war auf Entzug, plante und organisierte, sie lieferte den Stoff an die Dealer aus – ein Mutter-Sohn-Drogenduo soll kiloweise mit Rauschgift in Regensburg gehandelt haben. Im Prozess räumte die 54-Jährige jetzt alles ein. Ihr Sohn (23) will es ihr gleichtun.
Gemeinsam sollen Mutter und Sohn einen kleinen Drogenring in Regensburg aufgezogen haben. Laut Anklage hatte der 23-Jährige die Fäden in den Händen, während er eine vom Gericht angeordnete Drogentherapie machte. Abgeholt und vor Ort verteilt haben soll die Mutter das Marihuana und Haschisch.
Drogen im Straßenwert von 56.000 Euro verkauft?
Nun steht das umtriebige Mutter-Sohn-Drogenduo vor Gericht: Im Prozess am Landgericht geht es um 5,6 Kilo Marihuana – Straßenwert rund 56.000 Euro. Die 54-Jährige zeigte sich zum Auftakt reuig und räumte selbst alle Vorwürfe ein. Auch zu den Hintergründen äußerte sich sich. Ihr Sohn schwieg vorerst, will aber auch gestehen.
Drogenfahndern der Kripo in Regensburg war das Mutter-Sohn-Duo schon seit längerem bekannt. Bis zum ersten Advent, als sie vergangenes Jahr verhaftet wurden, waren beide mehr als einmal einschlägig in Erscheinung getreten. Bei dem Zugriff ging der Polizei zudem der Lieferant ins Netz – der aber wird sich wohl erst später vor Gericht verantworten müssen.
Darauf deuten nicht nur brandneue, unmittelbar vor Prozessbeginn vorgelegte Chats. Die hatten Ermittler aus der Auswertung eines Mobiltelefons extrahieren können. Laut Staatsanwältin Christina Kupfer ergeben sich darauf Konkretisierungen zu einzelnen Anklagepunkte. Deshalb kam auch der mutmaßliche Lieferant, bei dem das Telefon gefunden wurde, vergangene Woche wieder in U-Haft.
Zum Prozessauftakt schlossen sich Mutter und Sohn zum ersten Mal seit ihrer Verhaftung im November 2022 wieder in die Arme. Auf einem der Zettel mit ihren Notizen, die die 54-Jährige später in ihrem Geständnis der fünften Strafkammer vortrug, prangte in großen Buchstaben der Satz „Was lange wärt, wird endlich gut“.
Staatsanwaltin will annähernd sechseinhalb Jahre Haft
Ob Richterin Agnes Ehbauer, die in Vertretung den Vorsitz führt, diese Erwartung erfüllen wird, bleibt offen. Staatsanwältin Christina Kupfer blieb im Rechtsgespräch bei „nicht wesentlich unter sechseinhalb Jahren“; die Verteidigung sah drei bis vier Jahre. Das Gericht stellte letztlich zwischen vier und fünf Jahre in Aussicht, wenn das Mutter-Sohn-Duo alle Vorwürfe gesteht.
Von Ende September bis zu ihrer Verhaftung sollen die beiden Angeklagten Haschisch sowie Marihuana verkauft haben. Dafür hatten sie mehrere Dealer, die den von der Mutter ausgelieferten Stoff dann unter die Leute brachten. Dafür bekamen sie Provision. Doch einer davon machte bei den Drogenfahnder reinen Tisch – um kam im eigenen Prozess dafür mit einer Bewährungsstrafe davon. Er wird der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft gegen das Mutter-Sohn-Drogenduo.
23-Jähriger musste schon als Säugling auf Entzug
Die 54-Jährige holte in ihrer Einlassung weit aus, skizzierte die jahrzehntelange Abhängigkeit. Nach einem Missbrauch sei sie in die Sucht abgerutscht. Da sie als Schwangere konsumiert, musst ihr Sohn schon als Säugling auf Entzug. Als dessen Vater an einer Überdosis starb, kam sie nach Regensburg – von den Drogen kam sie nie weg.
Die Vorwürfe räumte sie ein, wie Anwältin Claudia Schenk erklärte. Selbiges kündigte Stephanie Bauer, die Strafverteidigerin des 23-Jährigen, für den nächsten Prozesstag an. Das Urteil gegen das angeklagte Drogenduo will die fünfte Strafkammer spätestens am 16. August verkünden.
