SPD-Kandidat Matthias Sander: Die Zeit der Leuchtturmprojekte ist vorbei

OB-Kandidat Matthias Sander (SPD) kennt das als Vorsitzender eines Sportvereins: Man ist nicht Favorit auf den Sieg – und trotzdem spielt man mit. Weil es eine Chance gibt. Der 50-Jährige erklärt, wo er diese bei der OB-Wahl in Neumarkt für sich sieht und was seine Taktik ist.
An Zielen mangelt es Sander nicht. Die Geschichte, wie er in die Lokalpolitik kam, unterstreicht das. Er sei damals als Jugendleiter des 1.FC Neumarkt Süd bei einem Jugendturnier neben SPD-Stadtrat Günther Stagat gesessen. „Ich habe ihm gesagt, dass ich gerne in den Stadtrat möchte. Er hat nur gemeint: ,Das ist kein Problem’“, erzählt Sander.
Ganz so meinte das Stagat natürlich nicht. Dass man nicht einfach in den Stadtrat kommt, erfuhr Sander 2020 bei seiner erfolglosen Kandidatur. Trotzdem oder gerade deswegen kandidiert er jetzt für das OB-Amt. Sander denkt langfristig. Er will bekannter werden. Ein Schlüssel in der Politik.
Dennoch sagt er über die Wahl am 8. Oktober: „Ich trete an, weil ich gewinnen will“. Ein Gläschen Sekt würde er sich aber nach eigener Aussage auch schon gönnen, wenn er Platz drei holt. Dafür startete der gebürtige Erfurter als erster aller Kandidaten in den Wahlkampf. Seit Monaten ist er bereits unterwegs und sucht an Haustüren das Gespräch.
Neumarkts wirtschaftliche Lage macht es den Herausforderern von OB Thumann schwer
Am Engagement und am Durchhaltewillen fehlt es also nicht, doch mit welchem Programm will Sander die Wähler überzeugen? Wie alle Herausforderer des ebenfalls wieder kandidierenden Oberbürgermeister Thomas Thumann (UPW) hat Sander eine Schwierigkeit. Er muss den Wählern erklären, warum eine Stadt, der es gemessen an Parametern wie der wirtschaftlichen Lage sehr gut geht, einen neuen Rathauschef braucht.
Sanders Motto dafür lautet: „Wir haben eine super Stadt, die lebenswert ist, aber wir wollen sie noch lebenswerter machen“. Ein zentrales Argument seiner Politik, falls er OB werden sollte, deckt sich mit denen anderer Mitbewerber. Die Zeit der sogenannten „Leuchtturmprojekte“ sei vorbei. Schlossbad und Hochschule seien gute Projekte. „Aber jetzt müssen wir uns auf Dinge konzentrieren, die die Stadt grundlegend braucht“, sagt Sander.
Als solches hat Sander den bezahlbaren Wohnraum ausgemacht. Sein Beispiel, an dem er das Problem in Neumarkt festmacht, sind junge Erwachsene. Wer heutzutage aus dem Elternhaus ausziehen möchte, der finde in Neumarkt kaum eine Wohnung, die er sich beispielsweise mit einem Auszubildenden-Gehalt leisten könne. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, sonst gehen die jungen Menschen woanders hin“, sagt Sander.
SPD-Kandidat Sander will 20 bis 25 neue bezahlbare Wohnungen pro Jahr in Neumarkt bauen
Seine Formel für mehr bezahlbaren Wohnraum in Neumarkt lautet: Die Stadt besitzt Sanders Ansicht nach selbst genügend potenziellen Baugrund. Dort soll entweder die Stadt selbst bauen oder Verträge mit privaten Bauherrn abschließen, die bezahlbare Mieten garantieren.
Doch ist es realistisch, dass private Bauherrn günstigen Wohnraum bauen? Sie wollen verständlicherweise damit Geld verdienen. Sander, der selbst in der Baubranche arbeitet, glaubt daran. Die Zahl der Bauaufträge gehe zurück. Unternehmen suchten daher nach Projekten. Zudem gebe es staatliche Fördertöpfe, die die Stadt für Projekte des bezahlbaren Wohnraums anzapfen könne, sagt der 50-Jährige.
Nichtsdestotrotz würde sein Ziel von 20 bis 25 Wohnungen, die in den kommenden Jahren jährlich zugebaut werden sollen, die Stadt Geld kosten. Dessen ist sich Sander bewusst. Allerdings würden seiner Ansicht nach Gelder frei durch den Verzicht auf weitere „Leuchtturmprojekte“.
So will die Neumarkter SPD die Stromwende schaffen
Geld wird die Stadt auch die Energiewende kosten. Für Sander ist es ein weiterer wichtiger Punkt auf seiner Agenda. Dabei greift er auf das im Sommer 2022 vorgestellte Konzept der SPD zur Stromwende bis 2030 in Neumarkt zurück.
Das Konzept hatte vorgerechnet, wie der Strombedarf gedeckt werden könnte. Zwar war darin unter anderem auch die Rede von zwölf neuen Windrädern, die es bräuchte. Vorrang vor Windrädern und Solarparks haben für Sander aber die Dächer in der Stadt. Er will sich in einem ersten Schritt darauf konzentrieren, dass auf diesen möglichst umfassend PV-Anlagen entstehen.
Die Stadt müsse bei ihren Gebäuden vorangehen. Auch in mit Solarmodulen überdachten Parkplätzen sieht der SPD-Kandidat großes Potenzial. Vor allem aber will ein möglicher OB Sander eine Förderprogramm auflegen, damit die Bürger selbst zu kleinen Energieversorgern werden. Dass der Stadtrat auf Antrag der SPD im Mai die Flächenbeschränkungen für Solaranlagen auf Dächern aufgehoben habe, sei ein erster Schritt dabei gewesen. Fördern will Sander zudem, dass Bürger sich Speichertechnik anschaffen.
Matthias Sander will Fahrradnetz in Neumarkt ausbauen
Wenn das alles nicht reiche, um den rechnerischen Strombedarf der Stadt zu decken, dann müsse man sich mit neuen großen Solarparks und Windräder beschäftigen, skizziert Sander seinen Plan.
Teil der anstehenden Herausforderungen ist auch die Verkehrswende. Sanders Maxime bei der Herangehensweise: Es soll ein Miteinander kein Gegeneinander der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer geben. Ein hehres Ziel. Doch wie umsetzen? Sander will die Menschen zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel als das Auto bewegen, wo das möglich ist. Zwang und Verbote brächten dabei wenig, sagt er. Stattdessen müsse die Infrastruktur überzeugen.
Sander will deswegen das Fahrradnetz ausbauen. Auf den Hauptstraßen bräuchten Radler sichere, von den Autos getrennte Wege. In den Nebenstraßen denkt er daran, Radlern mehr Gewicht zu geben, etwa durch Fahrradstraßen.
Beim ÖPNV spricht der SPD-Mann von Bussen mit engerer Taktung und anderen Routen. Um ein Angebot zu kreieren, das möglichst für viele Neumarkter attraktiv sei, brauche es allerdings zuvor Analysen. „Aber auch wenn wir eine reiche Stadt sind, müssen Kosten und Nutzen passen“, schränkt Sander ein, dass der meist Zuschüsse benötigende ÖPNV nicht flächendeckend die Lösung sein werde.
Dreispurigen B299-Ausbau lehnt OB-Kandidat der SPD ab
Eine Lösung, die es gar nicht braucht, ist für den 50-Jährigen der dreispurige Ausbau der B299 bei Woffenbach und Stauf. Es bestehe dafür keine Notwendigkeit, ist Sander überzeugt. Die Rittershofer Kreuzung müsse hingegen sicherer gemacht werden.
Als dreifachem Vater und Vorsitzenden eines Sportvereins liegen Sander nachvollziehbar Kinder und Jugendliche nahe. „Sie sind unsere Zukunft“, sagt Sander und dass diese bei den späteren Erwachsenen möglichst in Neumarkt liegen soll. Eine gute Infrastruktur bei Schulen, Kindergärten, Spiel- und Sportplätzen sowie ein stark gefördertes Ehrenamt trügen dazu bei.
Ein weiterer Standortfaktor für Neumarkt, dem die SPD zuletzt viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, ist das Freizeitangebot. Am Mountainbike-Projekt Jura Trails waren die Genossen beteiligt. Ihre Pläne für den Alten Kanal scheiterten hingegen größtenteils im Stadtrat. „Das war dem Wahlkampf geschuldet“, sagt Sander, der als OB das Projekt wieder aufgreifen möchte.