Stellvertreter will OB in Neumarkt werden: Ochsenkühn erklärt, was er anders machen will als Thumann

Für Markus Ochsenkühn (CSU) ist der OB-Wahlkampf ein Balanceakt. „Ich sage nie ,Die’, sondern ,Wir’“, erklärt der 47-Jährige. In das Wir nimmt sich der Stadtrat und Bürgermeister mit rein, wenn es um die gute Entwicklung Neumarkts geht – aber auch bei Versäumnissen. Überzeugt man so den Wähler?
Der 47-Jährige ist davon überzeugt. „Nach 18 Jahren sehe ich die Möglichkeit für einen Wechsel. Aber es wird nicht einfach.“ Den Namen seines Hauptkonkurrenten und amtierenden OB Thomas Thumann (UPW) nennt er nicht. Ganz ohne, zumindest indirekte Kritik am Rathauschef kann es dennoch nicht gehen, wenn man erklären will, was man besser machen möchte.
„Uns geht es in Neumarkt gut, aber es ist nicht alles super“, sagt Ochsenkühn. Zwei Bereiche schälen sich heraus, die er vor allem verbessern will: Zum einen die Kommunikation mit Stadtrat und Bürgern. Zum anderen soll die Stadt seiner Ansicht nach stärker finanzielle und personelle Ressourcen auf die Aufgaben der Daseinsfürsorge konzentrieren.
„Wir haben in den vergangenen Jahren große Projekte gestemmt, die die Stadt attraktiv gemacht haben“, sagt Ochsenkühn und nennt als Beispiel das Schlossbad. „Jetzt müssen wir aber wieder unsere Hausaufgaben machen.“
Kritik an der abgeschalteten Straßenbeleuchtung in Neumarkt
Diese Hausaufgaben seien zuletzt angesichts der Großprojekte teils gar nicht oder nicht zügig genug angegangen worden, sagt Ochsenkühn. Als Beispiel führt er die aus Energiespargründen zeitweise abgeschaltete Straßenbeleuchtung an. Wären die Laternen der Stadt auf energiesparende LED-Technik umgestellt gewesen, wäre diese von der CSU kritisierte Entscheidung nicht nötig gewesen, sagt Ochsenkühn. Die Beleuchtung sei aber nur teilweise umgerüstet. Die laufende Umstellung geht dem CSU-Mann zu langsam.
Dass grundlegende Projekte wie dieses seiner Meinung nach zu sehr von Fördergeldern und deren Fristen abhängig gemacht werden, kritisiert Ochsenkühn. Im Zweifel müsse man grundlegende Infrastruktur auch ohne Förderung umstellen. „Das kostet Geld, aber das muss sein“, ist sich Ochsenkühn bewusst, dass das für die Stadt teuer werden kann.
Als andere Beispiele, bei denen die Infrastruktur der Stadt vernachlässigt worden sei, nennt Ochsenkühn die Feuerwehren in den Stadtteilen. Der Bedarfsplan habe vorgesehen, dass man sich alle zwei Jahre eine der Wehren und deren Ausstattung sowie Häuser vornehme. „Das haben wir nicht geschafft. Da muss die Priorität stärker drauf sein.“
Das gelte auch für die Sanierung von Schulen oder die Toilette für die Innenstadt. In beiden Bereichen hätte sich Ochsenkühn mehr Tempo gewünscht. „Es ist die Aufgabe des OB, die Priorisierung vorzuleben und zu sagen: ,Das ist wichtig. Jetzt müssen wir Gas geben.’“, sagt er. „Projekte der Daseinsfürsorge sind nicht sexy, aber das A und O.“
Ochsenkühn will andere Kommunikation mit Neumarkter Bürgern
Diese indirekte Kritik an Thumann ergänzt Ochsenkühn um sein Unverständnis, dass trotz einer aufgrund der Großprojekte überlasteten Verwaltung Zeit für die Suche und Planung von Wohnmobilstellplätzen gewesen sei. Für ihn ist dies ein Beweis, dass die Priorisierung neu ausgerichtet werden muss.
Priorität hätte für Ochsenkühn nach eigener Aussage auch eine veränderte Kommunikation. Allen voran mit den Bürgern. Der 47-Jährige will Formate, in denen es zu mehr Austausch mit den Neumarktern kommt. Dazu gehören häufigere Bürgerversammlungen, auch wenn es keine großen Themen geben sollte. Es sei wichtig, sich zu zeigen. Eine andere Idee: Bürgermeistersprechstunden.
Das ist der Kandidat
Privat: Markus Ochsenkühn ist 47 Jahre alt. Er lebt mit Frau Carola und drei Kindern in Pölling. In seiner Freizeit trainiert er die Muskeln beim Cross Fit.
Beruf: Der Elektromeister leitet bislang den Familienbetrieb für Miele-Haushaltsgeräte. Sollte er gewählt werden, werde die Geschäftsführung auf andere übergehen, sagt Ochsenkühn.
Politik: Zur CSU und damit in die Politik kam Ochsenkühn über die Junge Union. Seit 2010 sitzt er im Stadtrat, war ab 2014 Fraktionschef der CSU im Gremium und ist inzwischen seit 2020 Bürgermeister.
Am Beispiel des von Anwohnern heftig kritisierten Solarparks in Rittershof erklärt Ochsenkühn, dass er mit betroffenen Bürgern früher sprechen wolle. So könne man schwierige Themen besser darstellen. „Man kann dadurch Druck rausnehmen“, ist er überzeugt.
Wohlklingende Worte. Aber was ist, wenn lautstark vertretene Einzelinteressen nicht zum Allgemeinwohl passen? „Es geht nicht darum, den Bürgern nach dem Mund zu reden“, sagt Ochsenkühn. Politik bedeute für ihn auch, Entscheidungen zu treffen und zu diesen zu stehen.
Verkehrswende: Ochsenkühn sieht Auto weiter als sehr wichtig in Neumarkt an
Auf dem Weg zu diesen Entscheidungen will Ochsenkühn stärker, als es seiner Ansicht nach aktuell geschieht, auf die Kompetenzen im Stadtrat setzen. „Wir könnten trotz unterschiedlicher Meinungen noch besser zusammenarbeiten, wenn die Kommunikation stimmt und Informationen fließen“, sagt der 47-Jährige. „Es wäre ein Gewinn für mich als OB, die Meinung der Fraktionen früher einzuholen.“
Als Beispiel nennt Ochsenkühn den Verkehrsausschuss, der seiner Meinung nach zu wenig tage. Dabei hätten dessen Mitglieder viele gute Ideen. Die will er als möglicher OB im Zuge der Verkehrswende anzapfen. Sein Grundsatz, den er dabei verfolgt: Das Auto werde in einer ländlichen Gegend wie Neumarkt auch künftig eine große Rolle spielen, „aber wir müssen in anderen Bereichen dennoch besser werden“.
Das gelte für den Radverkehr ebenso wie für den ÖPNV. Bei Letzterem schwebt Ochsenkühn vor, Dinge auszuprobieren. Warum nicht eine Art Pendelbus testen, der die Innenstadt mit dem Ärztehaus, den Einkaufsmöglichkeiten in der Nürnberger Straße und dem Volksfestplatz, der Parkplatz sein könnte, verbindet?
Ochsenkühn ist für den Ausbau der B299 bei Neumarkt
„Ich mag nicht, wenn man die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausspielt“, sagt Ochsenkühn. Er glaubt daran, dass es machbar ist, alle Verkehrsteilnehmer gleich zu behandeln. „Jeder hat seine individuelle Mobilität. Wir können als Stadt nur andere Mobilitätsarten fördern, indem wir bessere Infrastruktur anbieten. Wir können niemanden zwingen.“
Stichwort Verkehr: Bei der B299 steht Ochsenkühn zur Entscheidung des Stadtrats pro Ausbau. Zum einen, weil das Sicherheitsproblem an der Rittershofer Kreuzung dringend behoben werden müsse. Zum anderen, weil die Bundesstraße für die Wirtschaft von Bedeutung sei – und an der hänge Neumarkts Wohlstand.
Bei einer anderen Wende, jener im Energiebereich, ist Ochsenkühn überzeugt, dass die Stadt weiterhin ihren Teil dazu beitragen müsse. In Form von neuen Windrädern und Solarparks. Bei Letzteren will er aber wie andere Gemeinden einen Kriterienkatalog aufstellen. Er soll regeln, wo und wie solche Anlagen entstehen dürfen.
Wohnen in Neumarkt: Externe sollen auf städtischen Flächen bauen, ist Ochsenkühns Ansatz
„Das Thema Wohnen wird uns wahnsinnig beschäftigen“, spricht Ochsenkühn einen weiteren neuralgischen Punkt der Stadtpolitik an. Sein Lösungsansatz: Die Stadt besitze eigene Flächen, auf denen bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden könne. Allerdings von Externen. Die städtische Wohnbaugesellschaft könne das nicht leisten.
Dass er der Richtige ist, um die Herausforderungen anzugehen, davon ist Ochsenkühn überzeugt. „Weil ich die kommunalpolitische Erfahrung habe.“ Gleichzeitig bringe er als Unternehmer sein Wissen aus der Wirtschaft mit. Beides zusammen soll die Wähler am 8.Oktober überzeugen. Und darüber hinaus: „Ich bewerbe mich nicht nur für sechs Jahre, sondern möchte langfristig wirken“, sagt Ochsenkühn selbstbewusst.