Thomas Thumann will ein maßvolles Wachstum für Neumarkt

Von Eva Gaupp · 31. Juli 2023 um 17:00

Thomas Thumann schickt sich an, der langjährigste Oberbürgermeister der Stadt Neumarkt zu werden. „Für mich ist es nach wie vor eine große Ehre“, sagt der 58-Jährige und erklärt im Interview mit unserer Zeitung, was er in einer vierten Amtszeit angehen will.

Er habe Lust darauf, angestoßene Projekte wie die Hochschule oder die Feuerwache weiter zu begleiten und die Stadtentwicklung fortzuführen, sagt Thumann als Motiv für eine weitere Kandidatur. Immerhin sei es ihm trotz vieler Diskussionen im Stadtrat und in der Bevölkerung doch zusammen mit dem Stadtrat gelungen, einiges umzusetzen.

Dabei denkt Thumann nicht nur an die „Leuchtturmprojekte“ wie NeuerMarkt, Turnerheim oder Schlossbad, sondern auch an das zweite Standbein für die Trinkwasserversorgung durch den Anschluss an die Laber-Naab-Gruppe. Leider sei in der Öffentlichkeit mehr über den höheren Härtegrad des Wassers debattiert worden als über die höhere Versorgungssicherheit.

Zukunftsvisionen für einzelne Stadtviertel

Für mögliche weitere sechs Jahre als OB hat Thumann einiges auf der Agenda stehen: So hatte der Stadtrat das Architekturbüro Brückner + Brückner, das in Neumarkt die Christuskirche modernisiert hat, beauftragt, ein Kolumbarium für den städtischen Friedhof zu entwerfen. Doch Thumann sagt nun: „Denkt doch mal größer, wie sieht die Zukunft dieses Areals bis zum Ludwigshain aus?“ Denn Erdbestattungen nähmen immer weiter ab, insofern entwickle sich ein Friedhof hin zu einem Park, einer Begegnungsstätte.

Das neue Wohngebiet Maienbreite in Holzheim mit kleinen Grundstücken und flexiblen Wohnhäusern in Modulbauweise ist für ihn ein weiteres zukunftsorientiertes Vorhaben: Ökologische Bauweisen, neue soziale Wohnformen, kleine und große Wohneinheiten, nachhaltige Energieversorgung und kein herkömmlicher Erschließungsverkehr. Schon jetzt werde er häufig gefragt, wann die angekündigte Öffentlichkeitsbeteiligung starte.

„Am Ende des Tages bin ich schon stolz darauf, dass ich trotz vieler Diskussionen einige Großprojekte gemeinsam mit dem Stadtrat umsetzen konnte.“ Thomas Thumann

Das Baugebiet Maienbreite stellt für ihn eine Art Blaupause für das neue Stadtviertel am Flugfeld dar: „Das soll ein Stadtteil werden, der total begeistert“, sagt Thumann. Das Konzept soll die Grundstückseigentümer überzeugen, zu investieren. Denn eines ist ihm klar: Die Stadt könnte nie die finanziellen Mittel aufbringen, um alle Grundstücke zu kaufen und dann selbst zu entwickeln. Das gehe nur mit den Besitzern zusammen. Aber das machten sie nur, wenn sie einen wirtschaftlichen Vorteil sehen.

Um zu demonstrieren, wie ernst es der Stadt und den Planern der Architekturbüros Vogelsang und Gehl ist, soll der Stadtteil anders erschlossen werden als es bisher üblich war. Wurden sonst als Erstes Straßen gebaut sowie Kanäle und Leitungen verlegt, sollen auf dem Flugfeld als erstes die ellipsenförmigen Grünzonen entstehen. „Als Statement gegenüber der künftigen dortigen Wohnbevölkerung.“

Das innovative Konzept sieht ganz unterschiedliche Wohnformen vor: von einem Einfamilienhaus am See bis zu Hochhäusern. Der Tower und die Rollbahn sollen als Begegnungsstätte für alle Neumarkter erhalten bleiben. Zwischen 3000 und 4000 Menschen könnten hier künftig ein neues Zuhause finden. „Das sind mehr Bürger als in mancher Gemeinde im Landkreis leben“, sagt Thumann.

Und wie lange wird es dauern, bis die ersten Bewohner einziehen können? Das sei zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen, äußert sich der OB vorsichtig. Derzeit würden die jüngsten Anregungen in die Entwürfe eingearbeitet, dann in einem nächsten Schritt im Stadtrat besprochen, bevor die Öffentlichkeit ein weiteres Mal beteiligt werde. So weit legt sich Thumann aber fest: Die ersten Bauabschnitte sollen in den nächsten sechs Jahren in die Umsetzung kommen.

Thumann plant Wohnungen mit sehr günstigen Mieten

Schneller soll es mit einem anderen Wohnprojekt gehen, das vor allem bezahlbaren Wohnraum schaffen soll. Da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien, hält sich Thomas Thumann noch bedeckt. Kein privater Investor, sondern ein staatlicher werde das Vorhaben realisieren.

Die hundert Wohneinheiten in Größen zwischen zwei und vier Zimmern seien auf mehrere Gebäude verteilt, teilweise inklusiv und kosteten gestaffelt ab 5,30 Euro pro Quadratmeter aufwärts.

„Das ist auf dem derzeitigen Wohnungsmarkt derzeit unschlagbar“, sagt Thumann. Der Mietenspiegel vom August 2022 hatte eine Durchschnittsnetto-Miete von 7,78 Euro für Neumarkt errechnet. Für Wohnungen, die nach 2018 gebaut wurden, liegen die Preise sogar zwischen 9,06 und 10,65 Euro pro Quadratmeter. Wenn alles gut gehe, könnte die Planung bis Mitte nächsten Jahres abgeschlossen und mit dem Bau eventuell im Herbst/Winter 2024 begonnen werden, blickt Thumann vorsichtig voraus.

Dass sich gegen dieses Wohnbauprojekt ein ähnlicher Widerstand regt wie gegen das der Kellermann Wohnbau im Altenhof, glaubt der OB nicht. Grundsätzlich habe er in den vergangenen 18 Jahren gelernt, mit öffentlicher Kritik umzugehen – auch wenn nicht jeder Tag gleich sei, wie er zugibt.

Hier erfahren Sie, wer die anderen OB-Kandidaten sind.

Oft handele es sich nur um einige wenige Kritiker, die besonders aktiv in der Öffentlichkeit agierten. Das suggeriere, eine Mehrheit wende sich gegen ein Vorhaben. Gegen die PV-Anlage als Lärmschutz in Pölling sei damals lautstark protestiert worden. Heute höre man nichts mehr. Auch gegen den Solarpark in Rittershof wende sich nur eine Minderheit.

Als Oberbürgermeister sei er inzwischen Ansprechpartner von über 41000 Bürgerinnen und Bürgern „mit allen möglichen Themen, die man nicht alle lösen kann“. Die Wähler wollten ein Stadtoberhaupt, das das große Ganze im Blick behalte und sich nicht von Einzelmeinungen treiben lasse, ist der 58-Jährige überzeugt. „Egal, was man macht, es gibt immer jemanden oder mehrere, die das nicht gut finden. Damit muss man leben.“ Seine letzten Wahlergebnisse verstehe er als Bestätigung dafür.

Thomas Thumann will maßvolles Wachstum für Neumarkt

Mit dieser Einstellung geht er auch an das Thema Gewerbegebiete heran. Ja, es seien einige Firmen in benachbarte Gemeinden abgewandert – zumal dort der Quadratmeterpreis deutlich günstiger sei. Dennoch hätten sich neue Betriebe angesiedelt und die Zahl der qualifizierten Arbeitsplätze sei gestiegen. Wachstum um jeden Preis – das lehnt Thumann ab.

Abgesehen davon, dass jede bayerische Stadt Rechenschaft darüber ablegen müsse, wenn sie zusätzliche Flächen versiegele. Zum einen müsse Neumarkt in der Kessellage auf Frischluftzufuhr und Grünflächen achten. Zum anderen sei Neumarkts großes Plus die Lebensqualität. „Es wäre nicht gut für die Stadt, wenn wir ins Unermessliche wachsen. Unsere Lebensqualität würde irgendwann kippen.“