Erste Ideen für neue Musikschule: Stadträte diskutieren über Hitzhaus

Von Eva Gaupp · 26. Mai 2023 um 10:41

Das Hitzhaus gleicht derzeit eher einer Ruine als einem Schmuckstück. Doch der Berchinger Architekt Michael Kühnlein präsentierte den Stadträten, wie sich das rund 300 Jahre alte Gebäude in die städtische Sing- und Musikschule verwandeln könnte.

Zunächst ist es nur eine Machbarkeitsstudie, denn die Stadt muss den Planungsauftrag an ein Architekturbüro erst noch offiziell ausschreiben. Doch die Berchinger sind Experten auf dem Gebiet der Sanierung historischer Gebäude. Beispielsweise haben sie das gotische Schreiberhaus in der Bräugasse saniert.

Und so gerieten die Stadträte am Donnerstagabend schon ins Schwärmen, als Michael Kühnlein seine Ideen für die drei Gebäude an der Glasergasse vorstellte. An das Hitzhaus soll ein Neubau angeschlossen werden, der einen barrierefreien Zugang zur künftigen Sing- und Musikschule ermöglicht. Er könnte ebenso wie das dritte Gebäude an der Abtsdorfer Gasse mit einem transparenten Gang verbunden werden, so dass die Fassaden sichtbar bleiben. Während im Erdgeschoss im Altbau Verwaltungsräume möglich seien, könnten im Neubau sowie in den oberen Stockwerken die Übungsräume angesiedelt werden. Denkbar wäre, das WC im Neubau von außen als öffentliche Toilette zugänglich zu machen.

Auch wenn das Hitzhaus seit Jahrzehnten leer steht, befinde sich vor allem der Dachstuhl in einem sehr guten Zustand, sagte Kühnlein. Dort könnte ein Saal untergebracht werden.

„Man kann bereits jetzt schon sagen, dass da etwas Tolles entsteht“, sagte OB Thomas Thumann. Und auch Kulturreferent Peter Ehrensberger sowie sein CSU-Kollege Werner Thumann zeigten sich begeistert. Olaf Böttcher (Grüne) fand die Vorstellung eines weiteren öffentlichen WC gut. Und Günter Stagat (SPD) sagte zu der grob veranschlagten Investition von etwa 9,8 Millionen Euro allein für die Gebäude: „Diese Kosten sollten uns nicht schrecken.“

CSU-Stadtrat Werner Thumann gegen „Joker“-Gebäude

Allerdings hatten die beiden CSU-Stadträte Einwände gegen das derzeit als „Joker“ bezeichnete dritte Gebäude an der Abtsdorfer Gasse. Werner Thumann war der Ansicht, man sollte komplett darauf verzichten. Es wäre schade, das historische Gebäude aufwendig zu sanieren, um es dann hinter zwei modernen Häusern zu verstecken.

Ehrensberger stellte wie auch Elfriede Meier infrage, ob es noch ein Bistro in der Altstadt brauche. Und Räume für ein Coworking-Space, also von verschiedenen Personen genutzte Büros, hielt er ebenfalls für einen wenig sinnvollen Platzhalter. Die Musikschule brauche Veranstaltungsräume, damit sie für ihre Vorspiel-Konzerte nicht immer gleich die Residenz buchen müsste.

Die Nutzung sei letztlich eine politische Entscheidung, sagte der OB, der die Frage stellte, wie viele Konzerte die Musikschule denn im Jahr überhaupt gebe. „Wir wollen dort bewusst verschiedene Nutzer und nicht eine abgeschottete Nutzung“, sagte Stadtbaumeister Matthias Seemann: Vertreter der Hochschule, Besucher des Stadtparks, Menschen von der Musikschule. Dadurch werde das Stadtquartier belebt.

Architekt Michael Kühnlein erklärt Städtebaukonzept

Außerdem betonte er wie auch Architekt Kühnlein, dass es das dritte Gebäude aus städtebaulicher Sicht brauche. Sonst entstehe dort nicht der gewünschte Platzcharakter. Allerdings müsse es an dieser exponierten Stelle durchaus ein architektonisch ansprechendes Gebäude sein, hob Kühnlein hervor. „Wenn es eine triste Kiste wird, dann lieber nicht bauen.“

UPW-Stadtrat Rudi Bayerl freute sich noch aus einem anderen Grund über das bevorstehende Projekt: Denn er erhofft sich aufgrund der integrierten archäologischen Grabungen weitere wichtige Hinweise zur Stadtgeschichte.