Wie steht es um Solarparks in Neumarkt? Bürger haben Fragen zu Beteiligung

Von Wolfgang Endlein · 20. Juni 2023 um 11:00

Seit den Protesten in Rittershof sind Solarparks in Neumarkt ein heißes Thema. Es gibt aber nicht nur Kritiker, sondern auch Bürger, die sich fragen, ob und wie sie sich an erneuerbaren Energieprojekten beteiligen können. Zumal auch in Pölling ein Solarpark kommen soll.

Letztere Frage stellte ein Neumarkter unserer Zeitung in Bezug auf die geplante PV-Freiflächenanlage bei Rittershof. Das Projekt der Stadtwerke Neumarkt, für das sie sich mit dem Nürnberger Spezialisten Greenovative zusammengetan haben, bietet die Möglichkeit, sich zu beteiligen. In Pölling, wo Greenovative alleine das Projekt verantwortet, ist dies laut Nürnberger Unternehmen ebenfalls vorgesehen.

Für den Solarpark in Rittershof sprechen die Stadtwerke von einer Verzinsung in Höhe von 3,5 Prozent pro Jahr. Energiekunden der SWN sollen vier Prozent erhalten. Die Beteiligung in Höhe von mindestens 1000 Euro bis maximal 10000 Euro läuft über ein sogenanntes qualifiziertes Nachrangdarlehen. Man kann auch mehrere Anteile zeichnen, die in Summe aber ein je nach Projekt unterschiedlich hohes maximale Volumen nicht übersteigen dürfen. Das Darlehen hat laut SWN eine Laufzeit von zehn Jahren.

Was ein qualifiziertes Nachrangdarlehen ist

Nachrangdarlehen sind bei Projekten der erneuerbaren Energiegewinnung durchaus üblich. Sie sind aber mit Risiken verbunden, denen man sich bewusst sein sollte, wie die Verbraucherzentrale erklärt. Weshalb den über eine digitale Plattform abgeschlossenen Verträgen auch ein vorgeschriebener Warnhinweis beiliegen muss.

Nachrangdarlehen bedeuten, dass man im Fall der Insolvenz oder der Liquidation hinter den Ansprüchen anderer, vorrangiger Gläubiger zurücktritt. Solche können beispielsweise Banken sein, die dem Unternehmen Kredite gewährt haben. Je schlechter die Rangposition unter den Gläubigern, desto unwahrscheinlicher sei es, dass man auch nur teilweise bedient werde, sagt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Der Zusatz „qualifiziert“ bedeutet, dass Forderungen auf Verzinsung und Rückzahlung nicht geltend gemacht werden dürfen, wenn das dazu führen könnte, dass das Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnen müsste.

Stadtwerke Neumarkt gehen von Bau des Rittershofer Solarparks in 2024 aus

Doch bevor es überhaupt dazu kommt, dass sich Bürger beteiligen können, müssten die Solarparks zunächst gebaut werden. Im Fall von Rittershof ist der Bauantrag bei der Stadt gestellt, wie SWN-Geschäftsführer Dominique Kinzkofer sagt. Nun warte man auf die Genehmigung. Je nachdem, wann diese kommt und wie im Anschluss Handwerker und Material verfügbar seien, geht Kinzkofer von einem Bau im kommenden Jahr aus.

Im Fall des Solarparks in Pölling liegt ebenfalls ein Antrag im Rathaus, wie Greenovative sagt. Noch stehe eine Antwort aber aus. Er bezieht sich auf eine Teilfläche, die innerhalb eines 200 Meter Korridors an der Bahnlinie liegt und deshalb baurechtlich privilegiert ist.

Wie bereits berichtet, ist der nötige Einspeisepunkt für die Anlage durch das Bayernwerk bis Ende August reserviert. Wenn das Projekt bis dahin nicht genehmigt ist, bräuchte es ein komplizierteres baurechtliches Verfahren, sagt das Nürnberger Unternehmen. Ein solches wäre so oder so für eine angedachte Erweiterung des Solarparks auf nicht-privilegierten Nachbarflächen nötig.