Stadt Neumarkt stellt überarbeitete Pläne vor: Solarpark entzweit Rittershof

Von Wolfgang Endlein · 8. März 2023 um 17:00

„Es wird sicher nicht das letzte PV-Feld werden.“ CSU-Stadtrat Markus Ochsenkühn meinte das nicht als Drohung, so mancher Neumarkter dürfte dennoch aufhorchen. Bei einer öffentlichen Vorstellung der überarbeiteten Pläne für den Solarpark in Rittershof wurde deutlich, wie sensibel das Thema für Bürger ist.

Diese konnten am Dienstagabend im Rathaussaal Kritik, Fragen und Anregungen äußern. Wie Ralf-Peter Hoffmann vom Stadtplanungsamt erklärte, werden die Anliegen der Bürger aufgenommen und mit den fortgeplanten Plänen erneut in den Stadtrat gebracht. Ende des ersten Halbjahres sollen die Pläne erneut öffentlich ausliegen und Bürger Stellung nehmen können.

Yvonne Hammes vom planenden Büro Zeit + Raum stellte den gut 20 Bürgern – gekommen waren auch die CSU-Stadträte Ochsenkühn und Richard Graf – die Vorplanung vor. Das Ziel ist es, den Flächennutzungsplan zu ändern. Wie Hammes betonte, sei beim aktuellen Stand des Verfahrens noch vieles nicht festgelegt.

Geltungsbereich für Rittershofer Solarpark beträgt 7,5 Hektar

Der Geltungsbereich des anvisierten Flächennutzungsplans beträgt 7,5 Hektar. Auf wie viel Fläche davon PV-Module montiert werden, konnte Hammes in der Versammlung nicht in Hektar beziffern. Sie erklärte allerdings, dass dies auf maximal 45 Prozent des Geltungsbereichs möglich sei. Macht 3,4 Hektar.

Im Vergleich zum ersten Plan wurde der Geltungsbereich nach Norden näher zu den Bahngleisen hin verschoben. Möglich wurde dies laut Hammes, da die Stadtwerke hier an neue Flächen gelangt sind. Dadurch vergrößern sich die Abstände zur Wohnbebauung, wie die Planerin erklärte. Zur im Südwesten von Rittershof gelegenen Straße Schönblick wachse der Abstand von 225 auf 340 Meter. Im Norden (Großbergweg / Simelsbühl) sollen es statt 89 Meter künftig 140 Meter sein.

PV-Module sollen in Senke liegen und begrünten Sichtschutz erhalten

Die umzäunten PV-Flächen sind zweigeteilt und werden durch einen bestehenden Grasweg durchschnitten. Rund um die Module sind unbebaute Grünflächen vorgesehen. Im Süden soll auf einer Kuppe eine Hecke mit Bäumen gepflanzt werden, die Sichtschutz vor den dahinter in einer Senke liegenden PV-Modulen bieten soll. Ein noch zu erstellendes Blendgutachten wird das überprüfen, wie Hammes erklärte. Auch im Osten ist ein Sichtschutz aus Pflanzen vorgesehen. Im Westen sollen Kirschbäume gepflanzt werden. Im Norden zur Bahn hin ist eine Schutzfläche für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling vorgesehen, eine geschützte Schmetterlingsart.

Für manchen Bürger schlug diese Info dem Fass den Boden aus. „Schmetterlinge sind besser geschützt als die Anwohner“, lautete die Kritik, die beispielsweise Markus Lang vorbrachte. Dafür gab es ebenso Applaus wie für seine Erklärung: „Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, sondern dagegen, dass es so nah ist“.

In Langs Wortmeldung wie auch vielen anderen wiederholte sich immer wieder eine Fragestellung: Warum soll der Solarpark an dieser Stelle entstehen? Gäbe es nicht bessere Standorte? Und: Haben sich die Stadtwerke / Greenovative um solche Alternativen bemüht? Wäre es nicht möglich das PV-Feld auf eine kleinere Fläche im Norden zu reduzieren?

Rittershofer Anwohner schlagen anderen Standort für PV-Feld vor

Das mit dem rechtlichen Verfahren betraute Stadtplanungsamt hatte darauf an diesem Abend keine Antworten. Leiter Hoffmann erklärte, man werde der Frage nachgehen, ob es geeignetere Standorte gibt.

Ein dahin gehender Vorschlag von Bürgern lautete, den Solarpark nach Westen in ein bestehendes Landschaftsschutzgebiet zu verschieben. Ob dies rechtlich möglich ist, konnten Hoffmann und Hammes auf die Schnelle nicht sagen. Dies sei nicht pauschal zu beantworten. Man müsse sich die jeweilige Schutzordnung eines solchen Gebiets ansehen.

Im Weiteren erneuerten Bürger ihre Kritik daran, dass es in Neumarkt im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Landkreis keinen Kriterienkatalog für Solarparks gebe. Außerdem brachten sie die Argumente vor, dass ihre Häuser durch die Nähe zum PV-Feld an Wert verlören. Ein Rittershofer äußerte die Sorge, dass dieses PV-Feld nicht das einzige nahe am Ort bleiben könnte. Auch dass die Module blenden könnten und dass ein ausreichend begrünter Sichtschutz viel Zeit brauchen dürfte, sprachen Anwohner an.

Es gab aber auch eine abweichende Stimme eines Rittershofer, der sich für das PV-Feld aussprach. „Ich wäre froh, wenn noch mehr solcher Anlagen gebaut würden. Wir brauchen den Strom.“ Eine Frau erklärte: „Das Projekt hat das Dorf entzweit“.