Zieht B299-Ausbau mehr Autos in die Stadt? Untersuchung gibt Initiative teils recht

Von Wolfgang Endlein · 20. März 2023 um 05:00

Der Ausbau der B299 bei Neumarkt und der Umbau der Rittershofer Kreuzung sind umstritten. Die Bürgerinitiative „Genug davon – B299“ bringt nun einen neuen Kritikpunkt in die Diskussion. Was sagt die planende Behörde? Außerdem gibt es neue Zahlen aus der Verkehrszählung.

Wird die B299 dreispurig und die Rittershofer Kreuzung so umgebaut, wie es derzeit geplant ist, dann werden mehr Autos durch Woffenbach und die Innenstadt fahren: Davon sind Michaela Zeitz und ihre Mitstreiter überzeugt.

Umständliche Verkehrsführung auf die B299 von Woffenbach aus

Der Grund: Die vorgesehene Verkehrsführung ist ihrer Ansicht nach zu umständlich. Wer aus dem nördlichen Woffenbach auf die B299 in Richtung Autobahn fahren möchte, müsste länger als bisher fahren. Nämlich zunächst über eine geplante Brücke über die dann nicht mehr existente Rittershofer Kreuzung. Weiter über eine Querverbindung zur Tyrolsberger Straße, links über die südliche Brücke und abschließend von der Peku-Straße auf die B299.

Der Logik von Trampelpfaden folgend werden die Menschen sich andere, kürzere Wege Richtung B299 und Autobahn suchen, sagt Zeitz. „Das ist eine psychologische Angelegenheit.“ Aber auch die Navis werden ihrer Ansicht nach dazu beitragen, wenn sich andere Routen als kürzer erweisen.

Das stehe dem Argument entgegen, dass der Ausbau die Innenstadt entlasten werde, sagt Zeitz. Oberbürgermeister Thomas Thumann hatte dies in der Vergangenheit mehrfach angebracht.

Untersuchung prognostiziert Verkehrsaufkommen auf der B299

Wie es wirklich sein wird, kann nur die Zukunft zeigen. Das Staatliche Bauamt in Regensburg plant daher auf Basis von Verkehrsprognosen. 2020 hatte Harald Kurzak, Verkehrsplaner und langjähriger Professor an der TU München, die zu erwartenden Verkehrsmengen untersucht. Das Ergebnis bestätigt die Vermutung der BI in Teilen.

Kurzak hat zwei Szenarien untersucht, wie sich der Verkehr im Jahr 2035 darstellen könnte. Nämlich das Szenario, wenn die B299 nach den bisherigen Plänen ausgebaut wird und jenes, wenn nicht. Beide Szenarien hat er miteinander verglichen und die Differenzen in der Menge der fahrenden Autos dargestellt.

Das Ergebnis: Der Verkehrsplaner geht davon aus, dass in der Woffenbacher Straße und Teilen der Bühlerstraße rund 1000 Fahrzeuge mehr am Tag fahren, wenn die B299 wie geplant ausgebaut wird. Für andere Straßen wie die Rittershofer Straße oder Tyrolsberger Straße prognostiziert er hingegen zwischen 300 und 400 Fahrzeuge weniger.

Mehr Autos in der Woffenbacher Straße: Werden das auch die Nürnberger und Amberger Straße bemerken? Kurzaks Prognose geht nicht davon aus. Er prognostiziert im Bereich des Kurt-Romstöck-Rings und der Amberger Straße durchschnittlich rund 1000 Fahrzeuge weniger am Tag. In der Nürnberger Straße sieht die Untersuchung im innenstadtnahen Bereich weniger Verkehr, stadtauswärts hingegen zunehmend steigende Werte von 200 bis 800 Autos mehr.

Staatliches Bauamt richtet sich bei Planung für B299-Ausbau nach politischen Beschlüssen

Wie sind diese Zahlen zu bewerten? Berthold Schneider, Leiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt, ordnet die mögliche Steigerung für die Woffenbacher Straße als „durchaus spürbar“ ein. Allerdings auch nicht in einem solch gravierenden Maße, dass sich seiner Ansicht nach die Planung verändern müsste.

Nachteile müsse man in Kauf nehmen, um die Gefahr durch Linksabbieger an der Rittershofer Kreuzung wegzubekommen, erklärt Schneider. Die aktuelle Planung will das mithilfe einer Brücke schaffen.

An dieser Planung und dem Ausbau generell zweifelt die Bürgerinitiative, die statt einer Brücke andere Alternativen vorgeschlagen hat. Um aber die bestehende Planung zu ändern, müsste sich zunächst der politische Willen verändern, sagt Schneider und verweist unter anderem auf den Stadtratsbeschluss pro B299-Ausbau. Danach richte sich die Behörde in ihrer Arbeit aus.

Aktuelle Verkehrszählung zeigt zunehmenden Verkehr auf B299 bei Woffenbach

Dass das Bauamt nicht auf eine Lösung festgelegt ist, macht Schneider mit dem Satz deutlich: „Theoretisch gibt es viele Szenarien“. Sprich, welches davon in der Praxis umgesetzt wird, liegt in großen Teilen bei der Politik.

Das gilt aus Sicht Schneiders beispielsweise auch für die Lösung mit einer Unterführung statt einer Brücke an der Rittershofer Kreuzung, wie es der BI vorschwebt. Wie der Behördenleiter sagt, müsste man dafür die Stadt als den Besitzer der Rittershofer Straße mit ins Boot holen und von einem dreispurigen Ausbau abrücken, was den protestierenden Woffenbachern nur recht wäre. Sie lehnen ihn generell ab. Ihr Hauptargument: Die B299 reiche so aus, wie sie ist. Eine Überlastung sei nicht zu beobachten.

Die jüngst veröffentlichten Daten der bayernweiten Verkehrszahlen aus 2021 zeigen in des, dass sich der Trend der vorhergehenden Messungen fortsetzt: 2010 fuhren noch 6300 Fahrzeuge im Schnitt aller Wochentage im Abschnitt zwischen der Tyrolsberger Brücke und der Brücke bei Stauf. Inzwischen sind es etwas mehr als 9000. Harald Kurzak hat für 2035 prognostiziert, dass es mehr als 11000 Fahrzeuge sein werden. Wobei er insbesondere damit rechnet, dass der Anteils des Schwerlastverkehrs zunimmt.