Erster der Neumarkter Jura Trails eröffnet: Mountainbiker sind begeistert

Von Wolfgang Endlein, Petra Schlierf · 5. Mai 2023 um 15:06

Mit dem Diavolo Snake Trail ist die erste von fünf Strecken der Jura Trails in Neumarkt für Mountainbiker seit Freitag, 5. Mai, offen. Das Projekt ist laut Machern bayernweit einzigartig, aber auch nicht ohne Kritik. Hat sich der Aufwand gelohnt?

Man kann den Spaß den Berg herabrollen hören. Erst ist Juchzen im Wald oberhalb von Neumarkt zu vernehmen. Dann surrt der Freilauf eines Fahrrads – und mit einem Windhauch sausen die Mountainbiker an einem vorbei. Nach zwei Jahren Arbeit sind die Mitglieder der Neumarkter Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) hörbar begeistert: Der erste von fünf Jura Trails ist seit Freitag offiziell für alle fähigen Mountainbiker kostenlos befahrbar.

Der Diavolo Snake Trail ist der längste und der einzige mit hölzernen Einbauten für Kurven und Sprünge. Die anderen vier Trails sind naturbelassener und laut Projektleiter Philipp Kölbl wohl bis spätestens zu den Sommerferien geöffnet.

Stadt Neumarkt finanzierte Jura Trails mit 100000 Euro mit

Diese erste Eröffnung eines langwierigen Projekts feierte der DAV am Freitag mit OB Thomas Thumann und anderen geladenen Gästen. Verwaltungsdirektor Linus Sklenarz testete sogar persönlich die rund einen Kilometer lange Strecke, für deren Entstehen es einen längerem Atem brauchte als für die gut eine Minute Fahrzeit bergab.

Die Mountainbiker des DAV in Neumarkt sind sichtbar begeistert von ihrem Projekt:

Die SPD in Person von Günther Stagat hatte vor gut zwei Jahren die Idee. Der Stadtrat stimmte zu. Die Stadt schob mit 100000 Euro finanziell mit an. Behörden, allen voran die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt, machten es rechtlich möglich. Und nicht zuletzt spielten zahlreiche Waldbesitzer mit. Der DAV mit seinen Mountainbikern und teilweiser Hilfe einer Spezialfirma setzte es um.

Mountainbiken boomt: Auch in Neumarkt

Ohne Widerstände war das Projekt nicht. Mancher sähe am liebsten gar keinen Mountainbiker im Wald. Doch sie sind da – und werden sicher auch nicht mehr verschwinden. Mountainbiken ist schon lange kein Trendsport mehr. Laut Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach fahren 16 Millionen Deutsche Mountainbike, 3,4 Millionen regelmäßig. Das Radfahren auf breiten Stollenreifen ist in seinen verschiedenen Facetten inzwischen ein Breitensport. In den vergangenen Jahren sind daher an den Hängen rund um Neumarkt Trails durch den Wald entstanden. Teils illegal.

Sicher, die Trails hätte man auch unbefahrbar machen können, sagt Philipp Kölbl. Das Problem illegaler Fahrspuren hätte man damit aber nicht gelöst, sondern nur an andere Stellen verschoben, ist er überzeugt. Die Strategie der Macher ist es daher, den Druck zu kanalisieren. Und zwar auf jene attraktiv und sicher gestalteten fünf Trails, die zudem von Behörden und Grundstücksbesitzern abgesegnet sind.

Jura Trails könnte rechtlich eine Vorbildfunktion für andere Projekte haben

Was schnell in einem Satz geschrieben ist, brachte in den vergangenen Jahren für den DAV und die SPD viele Gespräche mit sich. Es musste überzeugt werden. Vor allem davon, dass die Trails nicht nur Spaß bringen, sondern auch auf die Natur Rücksicht nehmen.

Viele weitere Eindrücke vom neuen Diavolo Snake Trail liefert die Bildergalerie.

Dabei arbeitete der DAV eng mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammen, die für die vier naturbelassenen Trails eine Verordnung erlassen hat. Ein neuartiges Vorgehen, dass Vorbildfunktion für andere Regionen mit ähnlichen Herausforderungen haben könnte, glauben die Macher.

Einfach so gab es die Verordnung nicht. Und auch nicht die Rodungserlaubnis für den Diavolo Snake Trail. Was dramatisch klingt, ist aber vor allem ein Fachterminus. Gerodet wurde nicht. Drei Totholz-Bäume mussten laut Kölbl weichen. Für das Projekt müssen DAV und SPD zudem einen Gewässerstreifen nahe des neuen Standorts von Fuchs Europoles mit Gehölz zu einer Ausgleichsfläche aufwerten.

Nötig war auch ein artenschutzrechtliches Gutachten. Auf Orchideen und Habichte nahmen die Planer Rücksicht. Zum Schutz des Wildes gibt es ein Nachtfahrverbot. Die Bauelemente sind aus unbehandelten Lärchenholz und ohne Fundament. Die eingebrachte Erde musste zuvor streng beprobt werden.

So fährt sich der Diavolo Snake Trail bei Neumarkt

Völlig uneigennützig macht der DAV all dies nicht. Sicher, der Dachverband hat sich dem Naturschutz verschrieben, aber Mountainbiken ist eine wachsende Sparte – auch bei der Neumarkter Sektion. Sie ist mit mehr als 7000 Mitgliedern der größte Verein im Landkreis. Mit den Trails erhofft man sich ähnlich wie damals beim Kletterzentrum weiteren Zustrom, wie Kölbl erzählt. Das Kletterzentrum wird mit seinem Parkplatzangebot für die auswärtigen Mountainbiker beworben und es soll dort eine Basis mit allem entstehen, was die Biker brauchen.

Dass deren Ausflug auf den Trails auch sicher verläuft, dafür hat der DAV nicht nur ein Rettungskonzept gemeinsam mit Feuerwehr und BRK erarbeitet. Die Sektion verantwortet zudem den Unterhalt samt regelmäßigen Kontrollen. Um den Aufwand auch an Material zu finanzieren, arbeitet der DAV an einem Sponsoring- und Spenden-Konzept. Mountainbiker finden an den Trails QR-Codes auf Schildern, über die spenden möglich ist.

Philipp Kölbl ist zuversichtlich, dass das Angebot den ein oder anderen von einer kleinen Spende überzeugt. Die Jura Trails und insbesondere der Diavolo Snake Trail sind aus seiner Sicht bayernweit ein einmaliges Projekt in dieser Ausbaustufe und akribischen Instandhaltung. Zumal die Abfahrt kostenlos ist.

Eine Frage bleibt aber noch: Wie fährt sich der Diavolo Snake Trail? Philipp Kölbl: „Wie wenn man morgens die Butter aus dem Kühlschrank holt, etwas stehen lässt und dann auf die Semmel schmiert.“

Für den größten der fünf Neumarkter Trails hat der DAV ein Rettungskonzept gemeinsam mit Feuerwehr und BRK erarbeitet. Foto: Endlein
Sprünge gehören auch zum Diavolo Snake Trail im Wald oberhalb von Neumarkt dazu. Foto: Endlein