Regensburgs Stabsstelle Gedenkkultur läuft gerade im Einmannbetrieb

Wesentliche und seit Jahren geforderte Bausteine einer sichtbaren Erinnerungskultur fehlen in Regensburg weiterhin – etwa ein zentraler Erinnerungsort oder eine Abteilung im Historischen Museum. Warum dauert das so lange?
Im Frühjahr hatte Luise Gutmann, die sich seit Jahrzehnten für das Thema einsetzt, eine mögliche Erklärung dafür geliefert und gefordert, dass Raphael Birnstiel, Leiter der städtischen Stabsstelle für Erinnerungs- und Gedenkkultur, mehr Einfluss, Personal und vernünftige finanzielle Mittel brauche. Der Arbeitsalltag in diesem Büro sieht gerade aber ganz anders aus.
Laut Birnstiels Jahresbericht, der über die Aktivitäten der Stabsstelle zwischen Ende April 2022 und Ende April 2023 informiert, arbeiten hier eigentlich drei Personen. Im Moment aber schmeißt Birnstiel die Stabsstelle alleine und das in Teilzeit, wie Kathrin Butz von der städtischen Pressestelle bestätigt. „Es gibt noch zwei studentische Honorarkräfte, die mit wenigen Stunden pro Woche lediglich die Recherche der Straßennamen vornehmen“, ergänzt sie. Zu den anderen beiden Stellen liefen gerade Besetzungsverfahren.
Zwei Besetzungen laufen
Denn eine weitere Mitarbeiterin habe laut Bericht zum April die Abteilung gewechselt. Die Stelle sei laut Butz inzwischen ausgeschrieben und soll so schnell wie möglich nachbesetzt werden. Seit Juni sollte auch eine 14 Stunden-Kraft die Regie der Überprüfung der Straßennamen übernommen haben, steht in dem Papier.
Allerdings sagte Bildungsreferentin Sabine Kellner-Mayrhofer noch über zwei Wochen später, während einer gemeinsamen Sitzung des Bildungs- und Kulturausschusses, dass die Verhandlungen mit der Person, die die Stadt für diese Stelle im Auge hat, noch laufen würden. Auf Nachfrage zum Stand dieser Verhandlungen bat Butz nun um Verständnis, dass die Stadt zu laufenden Personalangelegenheiten keine Auskunft geben könne. Finanziert werden soll diese Stelle laut Bericht über das freigewordene Stundenkontingent der Stabsstellenleitung, die im Moment in Teilzeit arbeite.
Welche Folgen die Ausstattung der Stabsstelle ohnehin schon hat, wird derweil in Birnstiels Jahresbericht deutlich: Nach wie vor soll auch eine Publikation über Regensburgs Erinnerungsorte erscheinen, schreibt er. Ein Veröffentlichungsdatum könne aber derzeit nicht genannt werden. Nach wie vor wolle die Stabsstelle auch eine virtuelle Stadtführung mit dem Schwerpunkt Erinnerungskultur zur Verfügung stellen. „Ein konkreter Zeitplan kann noch nicht abschließend genannt werden, da für dieses Projekt derzeit keinerlei Ressourcen zur Verfügung stehen“, heißt es in dem Bericht.
Auch über die Arbeit an dem Forschungsprojekt zur Rolle der Regensburger Stadtverwaltung in der NS-Zeit heißt es in der Vorlage: „Weder das Stadtarchiv noch die Stabsstelle für Gedenk- und Erinnerungskultur kann die skizzierten Forschungsvorhaben mit eigenem Personal leisten.“ Butz ergänzt: „Eine geplante Ausstellung musste bereits abgesagt werden“. Überhaupt Sämtliche Projekte und Planungen seien unter dem Vorbehalt der Realisierungsmöglichkeiten, sei es finanzieller oder personeller Natur.
Was passiert, wenn dann auch noch Birnstiel nicht im Dienst ist, zeigte die gemeinsame Sitzung des Bildungs- und Kulturausschusses: Die Referentin, die ihre Stelle zum Jahreswechsel angetreten hatte, übernahm den Jahresbericht für den Stabsstellenleiter und erklärte, dabei auch über einen Zeitraum Auskunft erteilen zu müssen, an dem sie noch gar nicht im Amt war.
Als Daniel Gaittet, Fraktionschef der Grünen, während der Debatte über die Umbenennung des Karl-Freitag-Parks monierte, dass er sich zu dem Thema eine ausführlichere Vorlage gewünscht hätte, schaltete sich Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ein: Auch bei der Erstellung dieses Papiers habe die Bildungsreferentin für Birnstiel einspringen müssen.
Auf die Frage, wie die Arbeit in der Stabsstelle unter diesen Voraussetzungen laufe, räumt Birnstiel ein, mit großen personellen und finanziellen Herausforderungen zu kämpfen, weshalb auch etliche Projekte und Ideen in der Umsetzung länger dauern und auch noch, zumindest nach derzeitiger Lage, länger dauern werden. Grundsätzlich aber laufe es ganz gut. Auf die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und mit sämtlichen zivilgesellschaftlichen Akteuren lässt er ebenfalls nichts kommen. Kellner-Mayrhofer erklärt dazu: „Da unsere Arbeit auf politischen Beschlüssen fußt, ist es uns wichtig, dass auch die Entscheidungsträger hinter der Arbeit dieser Stabsstelle stehen und die Entwicklung des Aufgabengebiets voll unterstützen.“
Forderung: Mehr Stellen
Gutmann aber bleibt dabei: Die Stelle sei nicht gut genug ausgestattet, als dass das zu schaffen sei, was erwartet wird. An der Arbeit der Stabsstelle liege es nicht. Etwa bei der Ausstellung „Vergesst uns nicht“ Ende 2022 am Hauptbahnhof Bahnhof hätte das Team gezeigt, was es drauf hat. Trotzdem fehle es in Regensburg noch an substanziellen Dingen, wie eben der Abteilung im Museum. „Und so etwas wird nicht ohne Personal zu stemmen sein“, verdeutlicht Gutmann.
