Missbrauchsprozess: Angeklagter aus dem Landkreis Regensburg gesteht

Von André Baumgarten · 5. Juli 2023 um 19:00

Die Opfer des 26-Jährigen, der 2022 in Hemau und Beratzhausen Mädchen ansprach, müssen doch nicht vor Gericht. Der Angeklagte gestand die Taten zum größten Teil. Dem psychiatrischen Gutachter verriet er mehr zu den Hintergründen.

Wegen sexuellen Missbrauchs steht ein 26-Jähriger in Regensburg vor Gericht. Jetzt hat er gestanden. Im Mai und Juli 2022 sprach er demnach in Hemau und in Beratzhausen Mädchen an und bot ihnen Geld für Sex.

Auch im Internet fand er Opfer – das belegt Videomaterial, das er von Chats mit Minderjährigen erstellte. Dank eines Deals drohen dem Angeklagten nun maximal drei Jahre und sieben Monate im Gefängnis.

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Aufgeflogen waren die Fälle, nachdem der Mann Ende Juli 2022 eine 13-Jährige ins Auto locken wollte. Das Mädchen war mit zwei Gleichaltrigen in Hemau auf dem Heimweg von der Schule. Das hatte die Mutter des Opfers damals auch in einer Facebook-Gruppe öffentlich gemacht. Wenig später griff die Kripo zu und verhaftete den 26-Jährigen. Bereits damals wurden ihm drei weitere Vorfälle zugeschrieben.

Zweimal in U-Haft wegen mehrerer Vorfälle

Nach kurzer U-Haft kam der Mann wieder frei – bis die Gutachten der IT-Forensiker vorlagen, die Handys und Datenträger ausgewertet hatten. Das gefundene Material belastete den 26-Jährigen erheblich: In Chats animierte er Minderjährige zu sexuellen Handlungen, während er teils hörbar onanierte. Einzelne Bildschirmaufzeichnungen davon waren laut Anklage bis zu 40 Minuten lang.

Die genutzte Plattform taucht immer wieder im Zusammenhang mit Pädophilen auf. Internationale Nutzer werden im Zufallsprinzip miteinander verbunden – und chatten per Video und völlig anonym. Eine Registrierung ist dafür nicht nötig. Wie viele Opfer es hier am Ende gab, blieb offen – keines dieser Mädchen wurde identifiziert.

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Mitte Oktober klickten deshalb erneut die Handschellen. Seitdem wartete der 26-Jährige in Untersuchungshaft auf den Prozess am Landgericht, der vor drei Wochen startete. Nach dem zweiten Rechtsgespräch, das Strafverteidiger Maximilian Keser gestern bei der Jugendkammer anregte, gab es nun eine sogenannte Verständigung: Das Gericht legte sich auf die Mindeststrafe von zwei Jahren, acht Monaten bis maximal drei Jahren und sieben Monate fest, wenn der Angeklagte gesteht. Auf diesen Deal ging der Mann auch ein.

Einzelne Vorwürfe aus der Anklage eingestellt

Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin Elke Escher angeregt, einige Vorwürfe vorläufig einzustellen – im Wesentlichen, weil es bei der Zahl angeklagter Taten für die Strafe keine größere Rolle gespielt hätte. Das sah auch Staatsanwalt Hans-Christopher Theißen so und beantragte diese formell. Alle übrigen Taten ließ der Angeklagte einräumen. Fragen wollte er jedoch nicht beantworten.

Mehr Aufschluss bot das psychiatrische Gutachten von Johannes Schwerdtner. Dem Sachverständigen hatte der Mann aus dem Landkreis Regensburg erklärt, dass er während der Pandemie stundenlang Pornos konsumiert und sich immer mehr für jüngere Mädchen interessiert habe.

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Faktisch sah der Psychiater darin eine Pädophilie, schätzte die Rückfallquote aber als eher niedrig ein. Dass seine Familie und vor allem die Ehefrau des 26-Jährigen zu ihm stünde, spiele dabei eine große Rolle. Therapie sei keine nötig.

Urteilsverkündung in dem Fall ist am 24. Juli geplant

Am 24. Juli will die Jugendkammer des Regensburger Landgerichts das Urteil verkünden. Die weitere Beweisaufnahme wird durch das Geständnis des Mannes deutlich verschlankt – und die Opfer bleiben daher verschont. Sie müssen nicht mehr aussagen.

Im Prozess gab Strafverteidiger Maximilian Keser für seinen Mandanten eine Erklärung ab und räumte die Taten größtenteils ein. Foto: Baumgarten