Mädchen angesprochen: Gesteht Angeklagter vielfachen sexuellen Missbrauch?

Von André Baumgarten · 14. Juni 2023 um 19:00

26-Jähriger aus dem Landkreis Regensburg soll Mädchen auf der Straße und im Internet missbraucht haben. Nun startete der Prozess vor dem Landgericht – die Jugendkammer machte dem Mann ein Angebot.

Ein 26-Jähriger soll im Mai und Juli 2022 in Hemau und Beratzhausen Mädchen angesprochen und Geld für Sex geboten haben. Die Ermittlungen gegen den Mann brachten dann schwere Vorwürfe zutage: Im Internet soll er Minderjährige in Chats zu sexuellen Handlungen gebracht haben. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt. Nun begann der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs in 26 Fällen. Noch schweigt der Mann aus dem Landkreis.

Die Mutter einer 13-Jährigen hatte den Vorfall einst auf Facebook öffentlich gemacht. In der Anklage führt die Staatsanwaltschaft das als Fall Nummer vier. In den Wochen zuvor soll der Angeklagte demnach drei weitere Male Mädchen angesprochen und versucht haben, sie in sein Auto zu locken. Das jüngste seiner mutmaßlichen Opfer war gerade zehn Jahre alt.

Ermittlungsrichterin ließ Verdächtigen vorerst gehen

Drei Tage später verhaftete die Regensburger Kripo den Mann. Bereits früh stand für die Ermittler fest, dass es nicht die erste Tat gewesen sein könnte. Dennoch wurde der Verdächtige nur 22 Tage später aus der U-Haft entlassen. So hatte es eine Ermittlungsrichterin entschieden, wie Thomas Rauscher, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, damals bestätigte.

Die Zeit in Freiheit währte für den 26-Jährigen allerdings nicht lange: Mitte Oktober wurde er erneut festgenommen. Danach blieb er im Gefängnis. Warum, wurde kürzlich klar – elf Seiten der Anklageschrift umfassen all das, was sich später auf Datenträgern des 26-Jährigen fand: Es geht um Stunden von Videomaterial.

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Neben Kinder- und Jugendpornografie mussten IT-Forensiker umfangreiches Filmmaterial auswerten, das der Angeklagte wohl selbst erstellt haben soll. Laut Anklage animierte der Mann in Video-Chats offenkundig Minderjährigen zu sexuellen Handlungen an sich selbst – während er dabei teils hörbar onanierte.

Die Chat-Plattform, die er dafür offenbar nutzte, taucht auch im Zusammenhang mit Pädophilen immer wieder auf. Nutzer auf der ganzen Welt werden hier im Zufallsprinzip miteinander verbunden – und chatten dann per Video völlig anonym. Passt das Gegenüber nicht, kann man ihn oder sie rauswerfen. Eine Registrierung für die Webseite mit einer halben Million Nutzern pro Tag ist nicht nötig.

Verteidiger regte bei Prozessstart ein Rechtsgespräch an

Den Prozessstart bei der Jugendkammer des Landgerichts verfolgte der Mann überwiegend mit gesenktem Kopf. Nur hin und wieder suchte er Augenkontakt zu seinen Angehörigen. Die saßen im Zuschauerraum und verfolgten die Anklageverlesung durch Staatsanwalt Hans-Christopher Theißen mit. Nach gut 30 Minuten war es zunächst schon wieder vorbei – Strafverteidiger Maximilian Keser regte „vor einer möglichen Einlassung“ ein Rechtsgespräch an, das eine Stunde unter Ausschluss der Öffentlich geführt wurde.

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Zu einem Deal kam es vorerst nicht – den Mädchen könnte aber womöglich eine Aussage vor Gericht erspart bleiben. Ein Geständnis würde sich „in jedem Fall strafmildernd“ auswirken, wie Vorsitzende Richterin Elke Escher betonte.

Bewährung für das Gericht in dem Fall ausgeschlossen

Die Jugendkammer sehe bei einem Geständnis eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten bis zu drei Jahren und acht Monaten. Bewährung, wie sie der Verteidiger ins Spiel brachte, schloss Escher ganz klar aus: „Das ist zu viel für eine Bewährungsstrafe.“

Noch vor dem nächsten Prozesstermin am 5. Juli wird sich entscheiden, ob der Angeklagte sein Schweigen bricht und reinen Tisch macht. Dann könnten auch weniger als die bis Ende Juli geplanten sechs Verhandlungstage ausreichen.