Video-Chats belasten 26-Jährigen schwer – Gab es noch mehr Opfer?

Von André Baumgarten · 9. Juni 2023 um 21:00

Ein Mann soll Mädchen im Landkreis Regensburg angesprochen und Geld für Sex geboten haben. Später fand die Kripo belastende Videos – der Fall offenbart Abgründe. Nun startet der Prozess.

Mehrfach soll ein 26-Jähriger im Mai und auch im Juli 2022 Mädchen in Hemau und in Beratzhausen angesprochen und auch nach Sex gefragt haben. Am Mittwoch startet nun der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs in 26 Fällen. Denn: Die Ermittlungen gegen den Angeklagten sollen Abgründe offenbart haben – bei ihm sichergestellte Videos deuten auf eine hohe Zahl völlig unbekannter Opfer hin.

Ein Vorfall im Landkreis Regensburg schlug am 26. Juli vergangenen Jahres hohe Wellen: In einem Hemauer Wohngebiet waren drei Mädchen auf dem Heimweg von der Schule angesprochen worden. Ein Mann wollte die 13-Jährigen in sein Auto locken und bot ihnen offen Geld für sexuelle Handlungen. Eine Mutter machte das schließlich im Internet öffentlich.

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Die Regensburger Polizei bestätigte damals früh, dass mögliche Zusammenhänge mit weiteren Taten geprüft würden. Nur drei Tage später wurde der heute 26-Jährige dann verhaftet. Das silbergraue Auto, das er benutzte, wurde ihm zum Verhängnis. „Das führte uns auf die Spur des Mannes", erklärte Polizeisprecher Claus Feldmeier.

Vier Versuche mit ganz deutlichen Steigerungen

Angeklagte sind nun vier nahezu identische Fälle: Am 13. Mai und am 5. Juni soll der Mann in Beratzhausen, am 18. und 26. Juli dann in Hemau zugeschlagen haben. Was er den neun möglichen Opfern anbot, wurde laut Anklage zudem immer deutlicher: Während es im Mai noch um „Spaß haben“ ging, forderte er zuletzt Oralverkehr gegen Bares von den Mädchen. Die waren damals gerade zehn bis 13 Jahre alt.

Und die Kinder reagierten absolut richtig – keines von ihnen ließ sich auf ein Gespräch mit dem Unbekannten ein, wie die Polizei lobte. Zumal der Mann sogar ein zweites Mal angehalten und seine Frage wiederholt haben soll. Sie berichteten umgehend ihren Eltern von den Vorfällen, die dann zeitnah die Ermittlungsbehörden eingeschaltet hatten.

Die Erleichterung ob der Verhaftung des Mannes wich bald Ernüchterung: Der Haftbefehl gegen den 26-Jährigen wurde nach nur 22 Tagen vom Gericht außer Vollzug gesetzt – er kam auf freien Fuß. Doch die Polizei reagiert darauf mit „geeigneten Maßnahmen“, die Polizeisprecher Feldmeier aber nicht näher kommentieren wollte. Die Freiheit währte aber nicht lang: Mitte Oktober musste der junge Mann, der im Landkreis Regensburg lebte, erneut ins Gefängnis. Dort wartet er seither in Untersuchungshaft auf seinen Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts.

Der neue Haftbefehl gründete laut Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf ganz neuen Vorwürfen. IT-Forensiker fanden auf Handys, Tablets und Datenträgern eine Vielzahl von Videos, die den Mann laut Anklage schwer belasten. Die Ermittler werteten dafür Stunden an Filmmaterial aus, das Video-Chats mit Mädchen zeigen soll. Diese führte er offenbar zwischen Juni 2020 und April 2021 über eine bekannte Webseite.

Mann filmte Video-Chats mit minderjährigen mit

Der Angeklagte soll die offenkundig Minderjährigen dabei jeweils zu sexuellen Handlungen animiert haben – er selbst onanierte dabei teils hörbar. Was sich am Bildschirm vor ihm abspielte, zeichnete der Mann offenbar auf. Einzelne Filme dieser Video-Chats sind laut Anklage bis zu 40 Minuten lang. Zudem soll der 26-Jährige mehr als 100 Videodateien mit Kinder- und Jugendpornografie im Besitz gehabt haben.

Die Jugendkammer am Regensburger Landgericht hat für den Prozess sechs Verhandlungstage bis Ende Juli angesetzt. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu zehn Jahre Gefängnis.