Anklage offenbart Martyrium – versuchter Mord in der Obermünsterstraße?

Von André Baumgarten · 5. Juli 2023 um 05:00

Stach 26-Jähriger in Regensburg mit Messer auf die Ex ein und vergewaltigte sie? Anklage sieht die Tat in der Regensburger Altstadt als versuchten Mord. Ein Prozessbeginn steht noch nicht fest.

Nach einem Angriff auf eine junge Frau in einer Wohnung in der Regensburger Altstadt kam ein 26-Jähriger wegen versuchten Totschlags in U-Haft. Nun soll dem Mann bald der Prozess gemacht werden – die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Was sich in dem Mehrfamilienhaus in der Obermünsterstraße an jenem Abend abgespielt haben soll, liest sich wie ein Martyrium. Der Mann soll einer 22-Jährigen erst ein Messer in den Rücken gerammt und sie danach vergewaltigt haben.

Notruf nach lauten Hilfeschreien

Als am 2. Januar Hilfeschreie aus der Wohnung drangen, riefen aufmerksame Nachbarn sofort die Polizei. Gewaltsam mussten sich die Einsatzkräfte Zutritt verschaffen und fanden eine junge Frau mit schwersten Stichverletzungen vor. Ein 26-Jähriger wurde verhaftet – er war der Ex-Freund, wie sich im Zuge der Ermittlungen zeigte.

Zunächst wirkte alles wie ein eskalierter Streit. Doch die Hintergründe dieser Tat offenbarten sich erst später. Ermittler der Regensburger Kripo hatten an jenem Montag am Tatort die Spuren gesichert. Im Zuge dessen konnte rekonstruiert werden, dass sich die beiden am Hauptbahnhof unterhalten hatten und dann wohl in die Obermünsterstraße gegangen waren.

Der erste Verdacht, die junge Frau könnte bereits hier zum Mitgehen gezwungen worden sein, bestätigte sich wohl nicht. Die Polizei hatte dazu und auch zum Tatgeschehen nach dem Vorfall nach Zeugen gesucht. Vielmehr soll die Geschädigte den Mann gekannt haben und früher in einer Beziehung mit ihm gewesen sein. Sie ging demnach freiwillig mit dem Ex in dessen Wohnung in der Altstadt.

Offen gedroht, die junge Frau zu ermorden?

Doch dort soll er plötzlich Sex von ihr gefordert haben: Um die junge Frau gefügig zu machen, stach er der 22-Jährigen laut der Anklage in den Rücken, vergewaltigte sie danach und drohte ihr, sie zu ermorden. Als die junge Frau sah, dass er ein Messer holte, schrie sie wohl um ihr Leben.

Die Staatsanwaltschaft sieht in der Tat versuchten Mord, eine besonders schwere Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung sowie Bedrohung erfüllt, wie Sprecher Thomas Rauscher auf Nachfrage sagte. Wann es zum Prozess vor dem Schwurgericht kommt, ist noch unklar.

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Wie Landgerichtssprecherin Ruth Koller bestätigte, ist die Anklage gegen den 26-Jährigen eingegangen und auch formell zugestellt. Über deren Zulassung zur Hauptverhandlung sei aktuell jedoch noch keine Entscheidung getroffen worden.