Gutachterin im Prozess gegen Heroin-Bande gerät ins Kreuzfeuer

Die Verteidiger äußern offen Zweifel an einer psychiatrischen Sachverständigen. Die sah im Mammut-Prozess um 45 Kilo Heroin und Meth bei drei Angeklagten keinen Hang zu Drogen – und sagte Nein zu Entzugstherapien.
Drei Tage lang stehen im Mammut-Prozess gegen eine mutmaßliche Regensburger Heroin-Bande die Gutachten einer psychiatrischen Sachverständigen im Mittelpunkt. Fünf Stunden lang musste die Expertin sich gestern kritischen Fragen stellen. Einige Antworten warfen dabei allerdings Fragen auf.
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Vor Gericht stehen die sechs Männer wegen bandenmäßigen Drogenhandels in nicht geringen Mengen sowie Beihilfe. Für die Angeklagten, die mit fast 45 Kilo Heroin und Crystal Meth gehandelt haben sollen, geht es im Prozess um alles oder nichts.
Rauschgift mit einem Straßenwert von fast 3,6 Millionen Euro sollen die Männer verkauft haben. Nur ein ganz geringer Teil konnte bei einer Groß-Razzia am 28. April 2022 sichergestellt werden. Der von der Regensburger Kripo über Monate vorbereitete Zugriff mit Spezialkräften sorgte für viel Unruhe unter Nachbarn; auch in Nittendorf.
Keine kürzere Haft dank Drogentherapie?
Den Männern drohen erhebliche Haftstrafen, teils sogar zweistellig. Den Gutachten hinsichtlich ihrer Drogensucht kommt daher eine große Bedeutung zu – zumal ein erfolgreicher Entzug die tatsächliche Zeit im Gefängnis doch deutlich kürzer ausfallen ließe.
Bereits bei dem Prozessauftakt Ende April hatten die Verteidiger Shervin Ameri, Helmut Mörtl und Hubertus Werner die Fähigkeiten der Gutachterin ihrer Mandanten öffentlich in Zweifel gezogen, deren Ausführungen „abenteuerlich“ genannt.
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Es war daher nicht überraschend, dass Richter Thomas Zenger mehrfach zur Ordnung mahnen musste – auf allen Seiten. Mal waren Antworten der Sachverständigen laut Zenger „überpointiert“, mal musste er dem „subtilen Kommentieren“ der Anwälte Einhalt gebieten.
Seit dem Start des Mammut-Prozesses am Regensburger Landgericht vor zweieinhalb Monaten bestimmten Anträge der Verteidigung den Lauf der Dinge. Erst Mitte Juni trat die fünfte Strafkammer dann in die Beweisaufnahme ein und hörte unter anderem den Staatsanwalt, der einst die Ermittlungen leitete.
Die Stimmung war und blieb angespannt, teils sogar vergiftet. Zumal die Sachverständige klare Antworten auch auf wiederholte Fragen schuldig blieb, wie Ameri bemängelte. Was dazu führte, dass sich der Vorsitzende gar als Dolmetscher bemühte. Wenngleich ihr „Nein“ zur Abhängigkeit eines 48-Jährigen vorerst deutlich weniger hinterfragt wurde, als die Einschätzung, dieser habe eindeutig dissoziale Persönlichkeitszüge.
Wird Gutachterin vereidigt und abgelehnt?
Beendet wurde die Befragung der Gutachterin zum ersten von drei Angeklagten gestern nicht. Sollte sich das so fortsetzen, erscheint es nahezu ausgeschlossen, dass die drei Prozesstage dafür ausreichen. Ob das letzte Wort gesprochen ist, bleibt offen – Anträge für eine Ablehnung der Gutachterin kündigten die Anwälte schon an.