Neue Termine bis September – Heroin-Prozess geht in Verlängerung

Von André Baumgarten · 12. Juni 2023 um 17:00

Das Landgericht weist im Prozess gegen mutmaßliche Drogenbande in Regensburg alle Anträge der Verteidiger zurück. Knapp zwei Monate nach dem ersten Auftakt startet nun die Beweisaufnahme.

Vor 54 Tagen hat der Prozess gegen fünf Männer begonnen, die Regensburg im großen Stil mit Heroin und Crystal Meth versorgt haben sollen. Seit dem 19. April bestimmten Anträge der Verteidigung den Lauf der Dinge. Am Montag trat das Landgericht nun doch in die Beweisaufnahme ein und hörte zwei Sachverständige an. Ein Angeklagter hatte bei der Begutachtung auch über die schweren Vorwürfe gesprochen – und diese wohl eingeräumt.

Vor Gericht stehen die 34 bis 47 Jahre alten Männer wegen bandenmäßigen Drogenhandels in nicht geringen Mengen und Beihilfe. Sie handelten laut Anklage mit 37 Kilo Heroin und 7,5 Kilo Crystal Meth – Drogen, im Straßenwert von 3,6 Millionen Euro. Die Kripo soll den Angeklagten durch Chats auf verschlüsselten Handys auf die Spur gekommen sein. Monatelang observierten Ermittler die Männer und ihr Umfeld. Ende April 2022 griffen Spezialkräfte bei einer Groß-Razzia zu.

Die fünfte Strafkammer des Landgerichts hatte seit 19. April mit einer Flut von Anträgen rund um Anklageschrift, eine psychiatrische Gutachterin sowie mehr als zehn Terabyte Daten zu kämpfen. Alle Anträge der Verteidiger wurden zurückgewiesen – darunter war auch ein Antrag auf Aussetzung des Verfahrens. Vorwürfe der Verteidiger, Ermittler hätten Daten zurückgehalten, entbehrten laut Richter Thomas Zenger jeder Grundlage. Die kurz vor Prozessbeginn nachgereichten Daten seien offenkundig „nicht verfahrensrelevant“, betonte Zenger.

Als erste bekamen dann zwei psychiatrische Sachverständige das Wort. Sie hatten bei zwei Männern die Unterbringung in Entzugskliniken geprüft. Beide Angeklagten hatten demnach mehrere Therapien, glitten aber immer wieder ins Drogenmilieu ab. Dennoch bejahten die Ärztinnen jeweils neue Versuche. Ein 34-Jähriger räumte bei der Sachverständigen ein, dass es „im Prinzip schon so gewesen“ wäre, wie es in der Anklage steht. Zu Details und den Rollen der anderen Mitangeklagten schwieg er.

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Auf die Verzögerungen im Mega-Prozess gegen die mutmaßliche Heroinbande reagierte das Landgericht ebenfalls: Aus ursprünglich 13 Terminen bis Juli wurden 25 Verhandlungstage. Ein Urteil gäbe es somit erst Mitte September.