Nach Feuersbrunst: So geht es bei Alku weiter – Anlieger erneuern ihre Kritik an Behörde

Von Thomas Rieke · 28. Juni 2023 um 05:00

Leichter Brandgeruch liegt noch in der Luft. In einem Teil der Hallendecke klafft ein großes Loch. Direkt darunter steht, quasi symbolisch für das, was sich am 22. Juni auf dem Gelände des Recyclingunternehmens Alku in Maxhütte-Haidhof abgespielt hat, das Gerippe eines Baggers. Wer nun denkt, der Betrieb stehe still, liegt falsch.

Seit Montag bereits, so berichtet Geschäftsführer Hermann Bindig, läuft an der Hans-Böckler-Straße 6 im Gewerbegebiet Birkenzell I fast wieder alles wie gewohnt. Das war nicht zu erwarten.

Wie berichtet, war am Donnerstag, 14.33 Uhr, Großalarm ausgelöst worden. Im nördlichen Teil einer fast 90 Meter langen Lagerhalle war Feuer ausgebrochen, das sich rasch ausgebreitete. Die Kripo Amberg spricht von einem technischen Defekt als Auslöser. Hermann Bindig wird konkreter: Der erwähnte Bagger habe urplötzlich zu brennen begonnen. Bis der Arbeiter im Führerhaus dies bemerkte, sei es schon zu spät gewesen.

Mitarbeiter krempelten die Ärmel hoch

Der Mann erlitt Verletzungen und wurde von Kollegen in Sicherheit gebracht. Für die Brandbekämpfung wurde die Feuerwehr gerufen, die mit einem Großaufgebot aus der Region anrückte. Rund 280 Aktive waren bis 19.30 Uhr mit den Hauptlöschmaßnahmen beschäftigt. Restarbeiten zogen sich bis weit in die Nacht hinein.

Kaum waren die Schläuche wieder eingerollt und kaum hatten sich die Ermittler der Polizei einen Überblick verschafft, krempelten die Alku-Beschäftigten die Ärmel hoch. Geschäftsführer Bindig ist über sie voll des Lobes. Der Zusammenhalt sei riesig, wie in einer großen, intakten Familie.

Während des Einsatzes am 22. Juni haben die Behörden die Anlieger aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen. Lesen Sie dazu: Warum die Warnung aufs Handy erst Stunden später kam

Im Stunden-Takt empfing Bindig in den vergangenen Tagen auch wichtigen Besuch – von der Polizei, Brandexperten und der Versicherung beispielsweise. Die Ermittlung der Schadenshöhe gestaltete sich kompliziert. Am leichtesten ließ sie sich noch für die zerstörten Maschinen und die Halle durchführen, heißt es. Doch bei dem gelagerten Material, das buchstäblich im Feuer stand, immerhin 60 bis 80 Tonnen, sei das mühsam.

Vieles kann noch immer recycelt werden

Vieles, was verrußt und verschmolzen geborgen worden sei, hat laut Bindig noch immer einen Wert. Das Kupfer der Kabel zum Beispiel. Die Kunststoffummantelung sei zwar verbrannt, das Metall aber könne nach wie vor recycelt, also auch verkauft, werden. Auch mit anderen Metallen, die mit Plastik verschmolzen seien, ließe sich etwas anfangen. Nur die Schritte der Aufbereitung gestalteten sich schwieriger, so der Geschäftsführer.

Was Schadstoffe betrifft, die durch den Großbrand unvermeidlich entstanden sind und freigesetzt wurden, so versucht Bindig zu beruhigen. Es sei zwar richtig, dass Alku auch mit gebrauchten Batterien und Akkus handle, welche verschiedene chemische Elemente enthalten. Doch die seien separat in speziellen Containern gebunkert gewesen. Aus Elektrogeräten wie Laptops oder Notebooks, die ein Raub der Flammen wurden, seien die Akkus vorher entfernt worden. Das sei Vorschrift, und daran habe man sich selbstverständlich gehalten. „Immer wieder“, so Bindig, habe Alku nachgewiesen, dass die Firma die Regeln beachte.

Das Löschwasser wird noch analysiert

Genaueres, so der Geschäftsführer weiter, werde man im Übrigen zeitnah erfahren, wenn die Analyse des Löschwassers abgeschlossen sei. Mehrere Hundert Kubikmeter wurden davon noch während die Feuerwehr ihr Bestes gab, gesammelt und zwischengelagert.

So viel Lob die Einsatzkräfte erhalten haben und so viel Rückhalt der Betrieb dem Vernehmen nach erfuhr, es gibt auch Bürger, die Alku schon seit Jahren kritisch beobachten: Bewohner des benachbarten Wohngebiets.

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Einer der führenden Kritiker ist Lothar Taubert. Der Rentner hat wiederholt darüber geklagt, dass von Alku zu große Störungen ausgingen, vor allem Lärm. Nun sieht er sich darin bestätigt, dass der Recyclingbetrieb ein grundsätzliches Sicherheitsrisiko für die Wohnviertel reihum sowie das Wasserschutzgebiet in unmittelbarer Nähe darstelle.

Unter Berufung auf Urteile, die andere Unternehmen betrafen, behauptet Taubert nicht weniger, als dass eine Firma wie Alku in einem reinen Gewerbegebiet, wie es Birkenzell I nun einmal ist, nichts verloren habe. Die Genehmigung hätte nie erteilt werden dürfen. Die Firma müsse also umgesiedelt werden.

Die Behörde widerspricht Kritiker

Der Vorwurf richtet sich also weniger gegen die Firmenleitung, als gegen das Landratsamt Schwandorf. Doch aus Sicht der Behörde hat alles seine Richtigkeit. Der Betrieb sei nach den strengen Maßstäben des Bundesimmissionsschutzgesetzes geprüft worden, konstatiert Sprecher Hans Prechtl.

Er berichtet ferner von Ermittlungen der hauseigenen Fachbehörde, die Landwirte und Hobbygärtner interessieren dürften. Es werde untersucht, ob es im Umfeld von Alku zu relevanten Schadstoffeinträgen gekommen sei. Nach derzeitigem Stand sei nicht davon auszugehen, dass die Böden nennenswert belastet worden seien. Unabhängig davon sei für den Konsum selbst angebauter Nahrungsmittel aber „jeder selbst verantwortlich“.

Noch während die Feuerwehr arbeitete, wurde gesammeltes Löschwasser abtransportiert. Nun wird es analysiert. Foto: Thomas Rieke