Feuersbrunst im Gewerbegebiet: So lief der Großeinsatz bei Alku in Maxhütte-Haidhof

Von Martin Kellermeier, Thomas Rieke · 22. Juni 2023 um 21:41

Nicht nur das Sirenengeheule im Industriegebiet Birkenzell I. im Stadtgebiet von Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf) machte Anwohner auf die Flammen in der Entsorgungsfirma Alku aufmerksam. Die Rauchsäule war bis zur Großen Kreisstadt sichtbar. Die Situation: brandgefährlich – auch wegen des Materials in der Halle.

„Oh Gott, was ist da passiert! Hoffentlich kommt niemand zu Schaden. Ich kenne viele der Leute, die dort arbeiten!“ Ein Radfahrerin, die gerade in der Obagstraße unterwegs war, starrt am Donnerstagnachmittag mit sorgenvoller Miene in Richtung des Betriebsgeländes der Entsorgungsfirma Alku an der Hans-Böckler-Straße. Dort steigt eine riesige schwarze Rauchwolke in den Himmel.

Alle Entwicklungen zum Großeinsatz in Maxhütte-Haidhof lesen Sie hier im Ticker nach.

Im Minutentakt rücken immer mehr Einsatzkräfte an. Großalarm im Gewerbegebiet Birkenzell I. Den Einsatzkräften um den Ponholzer Kommandanten Florian Kiener ist die Firma Alku, die sich auf die Entsorgung von Elektroschrott spezialisiert hat, bekannt. Immer wieder wurden dort Übungen abgehalten. Das kommt den Wehrmännern nun zugute. In Windeseile wird ein Netz für Löschwasser aufgebaut. Mit zwei Drehleitern will man den Brandherd bekämpfen.

Ein Video zum Brand finden Sie hier:

Doch zunächst scheint das kaum zu gelingen. Das Material, das aus bisher ungeklärter Ursache in Brand geraten war, brennt wie Zunder. Immer wieder sind Knallgeräusche zu hören, als gäbe es Explosionen. Die Halle in der es brennt, ist 88 auf 55 Meter groß. Das gewölbte Dach soll einst die größte freitragende Konstruktion dieser Art in Europa gewesen sein. Nun blähen sich unter der Hitzeentwicklung immer wieder Teile auf und verbrennen.

Wie durch ein Wunder ist nach Informationen der Einsatzleitung zunächst nur ein Verletzter zu beklagen. Der Mann, ein Mitarbeiter der Firma Alku, erlitt Verbrennungen und wurde mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert. Möglicherweise ist er die einzige Person, die erklären kann, wie es zu der Katstrophe kommen konnte. Ob er noch versucht hat, das Feuer zu löschen, bleibt vorerst offen.

Hitze führt zu Kreislaufproblemen bei Einsatzkräften

Nahezu unbeschadet überstehen die rund 220 Feuerwehrmänner, die von 13 Feuerwehren gestellt wurden, den nicht alltäglichen Einsatz. Bei Außentemperaturen von fast 35 Grad im Schatten wird den Rettern körperlich alles abverlangt, insbesondere den Atemschutzträgern, die sich im 20-Minuten-Takt abwechseln. Das hinterlässt Spuren: Vier Einsatzkräfte müssen vom Rettungsdienst nach Kreislaufproblemen behandelt werden.

In Anbetracht der Situation ist besondere Vorsicht geboten, bestätigt Kreisbrandrat Christian Demleitner. Wichtig bei einem derartigen Großbrand sei nicht nur der Löschwasser-Nachschub, sondern auch die Verpflegung der Kameraden mit Getränken.

Lautsprecherdurchsagen und Warnung per App

Wegen der enormen Rauchentwicklung sieht sich die Polizei Burglengenfeld veranlasst, die umliegende Bevölkerung zu warnen. Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben. Oberkommissar Stefan Hannig ist überzeugt, dass bei der Verbrennung des Elektroschrotts auch giftige Gase entstehen. Bei der Warnung setzt die Polizei zunächst auf Lautsprecherdurchsagen. Später, um 17.19Uhr, wird von der Leitstelle auch die neue Warn-App aktiviert.

Mit Ausnahme des erwähnten Mitarbeiters können sich alle Alku-Beschäftigten, die am Donnerstag im Betrieb waren, in Sicherheit bringen. Im Schatten von Sträuchern suchen sie Schutz vor der Sonne. Alle wirken mitgenommen, ja schockiert. Keiner kann sich erklären, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Auch nicht Geschäftsführer Hermann Bindig. Er ist niedergeschlagen und kann nur schwer ertragen, dass er ohnmächtig mitansehen muss, wie große Teile der Halle zerstört werden.

Gegen 16 Uhr trifft auch Bürgermeister Rudolf Seidl (UWM) ein. Auch er ist erschüttert, zählt Alku doch mit zu den größten Arbeitgebern im Stadtgebiet. Den Kontakt zum Firmeninhaber bezeichnet er als ausgezeichnet. Der Brandschutz habe stets einen hohen Stellenwert gehabt, davon habe sich er, Seidl, bei diversen Besuchen selbst überzeugen können.

Zur Vorsorge für den Katastrophenfall zählt auch die Bodenkonstruktion der Halle. Wie der stellvertretende Sprecher der Feuerwehr im Landkreis, Tobias Sebast, berichtet, gibt es unter dem Stahlbetonboden ein riesiges Auffangbecken für Wasser.

Brandwache sorgt für Sicherheit in der Nacht

Das heißt: Das Löschwasser wird dort gesammelt und kann dann fachgerechnet entsorgt werden. Laut Sebast wurden allein 600 Kubikmeter aus dem umliegenden Trinkwassernetz verbraucht, was dem Inhalt von 6000 Badewannen entsprechen dürfte. Für die Feuerwehr ist der Großeinsatz auch am Abend noch nicht beendet. Bis in die Morgenstunden werden mehrere Einheiten vor Ort bleiben, um Wache zu halten und gegebenenfalls einschreiten zu können.

Die Ermittler der Polizei stehen derweil noch am Anfang ihrer Arbeit. Sie wollen in den kommenden Tagen klären, was das verheerende Feuer ausgelöst hat. Der Schaden beträgt nach ersten Schätzungen zwischen 500.000 und einer Million Euro.

Blick von der Obagstraße auf den Brandherd: Auch ein DRF-Rettungshubschrauber landete unweit des betroffenen Industriebetriebs. Foto: Thomas Rieke
Derartiges Material war in der Halle gelagert. Foto: Thomas Rieke
Bürgermeister Rudolf Seidl im Gespräch mit der Polizei Foto: Thomas Rieke
Unter Atemschutz rückte die Feuerwehr in die Halle vor. Flammen und Rauch bestimmten das Bild. Foto: Martin Kellermeier
Ein Landwirt half mit seinem Güllefass und sorgte für Wassernachschub. Foto: Martin Kellermeier
Die Tanklöschfahrzeuge pendelten zwischen Einsatzstelle und Hydranten, um für ausreichend Löschwasser zu sorgen. Foto: Martin Kellermeier