„Gesocks vor der Tür“: Regensburger Wirt verabschiedet sich mit harschen Worten

Dass sich Merlin Szabo vom Café Lorraine trennt, war seit Langem angekündigt. Der nun vollzogene Abschied des Regensburger Wirts lässt dennoch aufhorchen.
Drei Jahre lang war es eine Art Hassliebe, die Merlin Szabo mit dem Café Lorraine verbunden hat. Jetzt hat der Gastronom Schluss gemacht. Seit knapp drei Wochen ist das Bistro an der Nordost-Ecke des Dachauplatz-Parkhauses geschlossen, das Stadtwerk als Inhaber muss sich auf die Suche nach einem neuen Betreiber machen.
Es war ein Abschied auf Raten. Bereits im Januar wurde das Lorraine auf Immobilien-Portalen im Internet zur Neuvermietung ausgeschrieben. Damals erklärte Szabo, beruflich etwas kürzer treten zu wollen und sich künftig auf seine beiden anderen Innenstadt-Lokale (Café Freiraum und Marple & Stringer) zu konzentrieren. Allerdings versprach er für das Lorraine einen geordneten Übergang ohne Schließung: „Es gibt bereits Nachmieter.“
Übergabe an neue Pächter funktionierte nicht
Ein deutsch-französisches Pärchen stehe in den Startlöchern, führte er näher aus. „Die sind voll motiviert und genau die Richtigen für dieses Lokal.“ Die Zustimmung des Stadtwerks betrachtete er als Formsache. Weil der Vermieter stets in seine Überlegungen eingebunden gewesen sei, rechnete er mit keinen Hindernissen für die von ihm initiierte Rochade: „Das läuft alles einvernehmlich ab.“
Zugleich ist die Situation am Dachauplatz mit den asozialen Alkis immer schlimmer geworden.Merlin Szabo in seinem Instagram-Beitrag
Doch der sanfte Übergang fand nie statt. Szabo blieb noch bis Ende Juli am Dachauplatz und verabschiedete sich dann mit einer alles anderes als sanften Nachricht auf Instagram. „Nachdem die Übergabe an den neuen Pächter im Januar gescheitert ist, schließe ich nun das Lorraine endgültig“, begann er den am 24. Juli verfassten Beitrag. Er schilderte noch kurz seine anfängliche Begeisterung über den Standort, bevor er in die Vollen ging: „Damals hat mich das Gesocks vor der Tür nicht übermäßig gestört, ich war der Meinung, das ließe sich in den Griff bekommen, mit einem starken Nachbarn der ,Markthalle‘ und einer Politik, die mit Sicherheit ein Interesse daran hat, dass dieser Teil der Stadt gut bespielt wird.“
Kritik an Neuverpachtung der Markthalle
Doch in keinem Bereich habe es eine positive Entwicklung gegeben, setzte er seine Stellungnahme fort. Bei der Neuverpachtung der Markthalle sei „ganz klar aufs falsche Pferd gesetzt“ worden, lautet ein Teil der Kritik. Und weiter: „Zugleich ist die Situation am Dachauplatz mit den asozialen Alkis immer schlimmer geworden.“
Konkret seien Gäste „regelmäßig körperlich angegangen oder geschlagen“ worden. „Es ist ein unerträglicher Zustand!“, schrieb Szabo und betonte zugleich, nur von der CSU und insbesondere deren Fraktionschef Michael Lehner Unterstützung erhalten zu haben. Die frühere Stadtspitze habe jedoch kein Interesse an einer Lösung gehabt, weshalb der Schlusssatz heißt: „Die Politik hat dies zu verantworten, ich habe drei Jahre alles gegeben.“
Derlei Klagen haben Szabos gesamte Zeit am Dachauplatz durchzogen, schon drei Monate nach seinem Start im Lorraine hatte er sich in der MZ erstmals über die Zustände beschwert. Zugleich hob er bis zum Schluss das Potenzial des Standorts hervor: „Der Laden läuft gut, vor allem nachmittags und abends“, sagte er noch im Januar.
Beim Vermieter Stadtwerk hat man auf die neue Situation bereits reagiert. „Es gab erste Gespräche mit potenziellen Nachfolgern“, informiert Unternehmenssprecher Martin Gottschalk. Eine Tendenz oder einen Zeitplan gebe es noch nicht. Von Szabo sei man über die Aufgabe des Geschäftsbetriebs informiert worden, so Gottschalk. Und: Der Pachtvertrag laufe ungeachtet dessen weiter. Der Gastronom war für eine Stellungnahme dazu nicht zu erreichen, weil er im Urlaub ist.