Vier Monate nach Schließung: Neue Nutzung für Markthalle in Regensburg in Sicht

Ende Februar sind in der Markthalle am Dachauplatz die Lichter ausgegangen. Seitdem gleicht die ehemalige Genussmeile im Bauch des Parkhauses der sprichwörtlichen Black Box – man weiß nicht, was hinter den dunklen Scheiben vor sich geht.
Doch es tut sich was, wie das Stadtwerk als Eigentümer versichert. Unternehmenssprecher Martin Gottschalk hatte schon zur Schließung verkündet, dass „Gespräche über eine mögliche Nachnutzung“ am Laufen seien. Gut vier Monate später stehen diese nun offenbar vor einem erfolgreichen Abschluss. Voraussichtlich Ende dieses Monats, so Gottschalk, könne das Stadtwerk mit Details zur Zukunft der früheren Markthalle an die Öffentlichkeit gehen.
Merlin Szabo blickt diesen Neuigkeiten gleichermaßen interessiert wie entspannt entgegen. Der Gastronom betreibt seit einem Jahr das Café Lorraine (früher Pauls Boutique) an der Nordost-Ecke des Parkhauses und ist nicht nur ein Nachbar, sondern gewissermaßen auch der letzte Mohikaner der Markthalle. Als störend oder gar hemmend empfindet er diese Situation jedoch nicht. „Das Café ist relativ autark, weil es einen eigenen Zugang hat. Es funktioniert auch ohne Anschluss an die Markthalle ganz gut“, sagt er.
Zum Schluss lief’s nicht mehr
In erster Linie vermisst er die Ladenzeile deshalb, weil der für seine Gäste und alle anderen Passanten praktische direkte Durchgang vom Dachauplatz zum Parkhaus nicht mehr möglich ist. Doch abgesehen davon meint Szabo: „Als wir hier unser Café geöffnet haben, war die Markthalle sowieso schon längere Zeit am absteigenden Ast. Das war schade, denn ich habe das Konzept schon ganz nett gefunden. Ein Laden wie Wein & Mehr zum Beispiel war ein hervorragendes Geschäft mit einem guten Team.“
Der Inhaber von Wein & Mehr, Nicolaus Stark, war zugleich der Ideengeber, Koordinator und Hauptmieter der Markthalle. Als er das Projekt im Februar aufgab, zeigte er sich nicht nur wegen unzuverlässiger Untermieter entnervt. Seine generelle Einschätzung deckte sich mit dem Eindruck des Lorraine-Betreibers: „Wir hatten gute Jahre, aber nach Corona ist die Sache nicht mehr richtig ins Laufen gekommen. Man merkt auch in Regensburg, dass die Leute sparen müssen.“
Doch wie kann nach einem mehrmonatigen Leerstand alsbald wieder Schwung in den Bauch des Parkhauses kommen? Das Stadtwerk hält sich bei dieser Frage zurück, mit dem Hinweis, dass noch nichts fixiert sei. Szabo als letzter verbliebener Mieter verweist zunächst an grundlegende Erfordernisse und hat seine Vorstellungen auch schon gegenüber dem Stadtwerk kommuniziert: „Es muss was Vernünftiges sein, mit einem guten, durchdachten Konzept. Das zieht dann auch die nötige Kundenfrequenz nach sich, das ist das Wichtigste.“
Ohne Einblick in die Planungen des Vermieters zu haben, denkt er konkret wieder an eine Adresse für Feinschmecker. „Man sieht doch zum Beispiel am Il Mercato, dass so etwas ankommt“, richtet Szabo den Blick auf den italienischen Supermarkt in der Dechbettener Straße – der ist in einem ehemaligen Autohaus, also in einem eher schmucklosen Ambiente, untergebracht, was dem Publikumszuspruch aber keinen Abbruch tut.
Ein Vorbild in München?
Deshalb ist der Wirt vom Café Lorraine überzeugt, dass etwas Ähnliches auch in der früheren Markthalle funktionieren würde. Als mögliches Vorbild nennt er die Schrannenhalle in München, wo die italienische Feinkostkette Eataly 2015 ihre deutschlandweit erste Filiale eröffnet hat. „Das macht schon Laune da“, sagt Szabo. „Ich glaube, dass die Regensburger auf so etwas auch Lust hätten.“