Regensburger Rechtschreib-Papst bekommt Post vom echten Papst aus Rom

Christian Stang arbeitet am Duden mit, der Postbeamte an der Uni Regensburg gilt als ausgewiesener Experte für die deutsche Rechtschreibung. Schon vor Jahren bekam er Post aus dem Vatikan: Damals bedankte sich Papst Benedikt XVI. für ein Buch. Nun hat Stang wieder Post bekommen – korrespondierte jetzt mit Leo XIV., der sogar handschriftlich antwortete.
Zugegeben: Es ist nicht der erste Papst, mit dem Christian Stang korrespondiert. Der Postbeamte und Orthografieberater an der Uni Regensburg hatte auch mit Papst Benedikt XVI. einen Briefwechsel. Nun gut: Benedikt alias Joseph Ratzinger war nicht nur mit dem Herzen seiner Heimat Regensburg und Bayern verbunden. Er pflegte den Kontakt in die Heimat ja auch während seines Pontifikats. Auch nach seinem Rücktritt kam er sogar zu seinem Bruder Georg ans Sterbebett.
Doch zurück zum Sprach-Papst und dem aktuellen Papst: Leo XIV. antwortete dem Regensburger aus seinem Sommersitz Castel Gandolfo in den Albaner Bergen, den der US-Amerikaner ebenso gerne besucht wie sein Vorvorgänger Benedikt XVI. Das Schreiben ist allerdings auf Englisch verfasst. Übersetzt schrieb der Heilige Vater: „Durch die Güte meines Bruders habe ich soeben das aktualisierte Manuskript Ihres Buches German Grammar in a Nutshell erhalten. Seien Sie meiner Wertschätzung für Ihre Aufmerksamkeit versichert.“ Datiert ist das Schreiben auf den 18. Juli. Leo zeichnet zudem mit dem für Päpste üblichen „PP“, das bedeutet „Pastor Pastorum“, also „Hirte der Hirten“.

Auch Kardinal Müller freut sich über den Papst-Brief
Ende des vergangenen Jahres habe der Regensburger erstmals davon gelesen, dass Papst Leo XIV. seine Kenntnisse auf dem Gebiet der deutschen Sprache auffrischen wolle, und zwar hauptsächlich nachts und mithilfe einer App. „Da kam mir der Gedanke, dass es doch sinnvoll wäre, dem Heiligen Vater ein Exemplar der von mir mitverfassten Langenscheidt-DaF-Grammatik German Grammar in a Nutshell zukommen zu lassen“, sagt Stang zur Mittelbayerischen Zeitung. Dann habe er sich an den Kurienkardinal gewandt. Der hatte das Buch an den Papst weitergegeben.
Bei dem Band German Grammar in a Nutshell handelt es sich um eine der wohl bislang in die meisten Sprachen übersetzte Grammatik für Deutsch als Fremdsprache. Das Buch ist nicht nur in englischer Sprache, sondern auch auf Polnisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch, Ukrainisch, Russisch, ja sogar auf Indisch, Indonesisch und Chinesisch erschienen.
Wunderbar, auch noch handschriftlich. Glückwunsch Ihr Cardinal MüllerGerhard Ludwig Kardinal Müller an Christian Stang
Dass Papst Leo das Buch, das Stang in englischer Sprache geschrieben hat, überhaupt erhalten hat, verdankt der Regensburger ebenfalls einem alten Bekannten, der nun im Vatikan lebt. Gerhard Ludwig Kardinal Müller war von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg, wurde dann von Benedikt XVI. als Glaubenspräfekt berufen. Der Kardinal gilt bis heute als einflussreich, weil er als Dogmatiker einen Ruf von Weltrang genießt. Als Stang dem Kardinal von der Antwort des Papstes schrieb, kam prompt auch von ihm eine Mail: „Wunderbar, auch noch handschriftlich. Glückwunsch Ihr Cardinal Müller“, so der frühere Bischof von Regensburg.
Offensichtlich haben Päpste während der Sommer in Castel Gandolfo Zeit, Briefe zu schreiben. Denn auch das Schreiben von Papst Benedikt wurde dort verfasst. Anders als Leo schrieb Benedikt nicht handschriftlich, er ließ es wohl seinen Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein tippen. Wörtlich schrieb Benedikt an Stang: „Zu meiner großen Überraschung haben Sie mir durch meinen Bruder die neueste Auflage des deutsch-italienischen Lexikons von Langenscheidt zukommen lassen. Dafür danke ich Ihnen sehr herzlich.“ Benedikt habe sich gar nicht vorstellen können, so schrieb er damals weiter, „daß jemand auf dem Foto, das mich bei der Lektüre des Osservatore Romano darstellt, den danebenliegenden Langenscheidt erkannt hätte“.
Und der damalige Pontifex fuhr fort: „Noch weniger konnte ich mir vorstellen, daß daraus ein Geschenk der neuesten Auflage werden würde. Zu Ihrer Lektorats- und Korrektoratstätigkeit bei Langenscheidt, Duden und Brockhaus kann ich Sie nur herzlich beglückwünschen.“
Benedikt benutzte dabei übrigens die alte Rechtschreibung, die in Deutschland bis 1996 benutzt wurde. Erst 1996 beziehungsweise nach einem Übergang bis 1998 wurde aus „daß“ die Schreibweise mit „dass“ eingeführt. Der damalige Papst räumte aber auch ein: „Mir ist die neue Auflage des Lexikons sehr erwünscht, weil ich immer wieder das Wörterbuch zur Hand nehmen muß, wenn ich italienische Texte vorbereite.“
Stang selbst ist gerührt vom neuerlichen päpstlichen Schreiben aus der Feder Leos. „Dass ich nach 15 Jahren nochmals aus Castel Gandolfo Post von einem amtierenden Papst erhalten würde – damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt er. Seine Gefühle ähnelten jenen, die er schon beim Schreiben Benedikts hatte. „Mir erging es auch diesmal wieder so wie beim Brief von Papst Benedikt XVI. Man kann es schlicht und einfach nicht glauben.“ Als er auf der Rückseite des Briefes sah, dass dieser nach allen Seiten hin verklebt war „und ich den Stempel mit dem Absender Privatsekretariat des Heiligen Vaters sah, war die Spannung groß“, so Stang.
An diesem Ort bewahrt Stang jetzt zwei Papst-Briefe auf
Für Päpste gelte eben das, was für alle Menschen gilt, meint Stang: „Ich finde Sprache äußerst wichtig. Sprache ist der Schlüssel schlechthin für eine reibungslose Kommunikation.“ Für eine reibungslose schriftliche Kommunikation – und das sei ja sein Schwerpunkt – „ist natürlich eine korrekte Rechtschreibung unabdingbar“, so der Sprach-Papst. Dass er häufig in den Medien selbst so bezeichnet würde, das freut ihn übrigens. „Das finde ich im Hinblick auf den aktuellen Papst durchaus nett“, so Stang, was aber auch an der Person Leos liegen würde: „Dieser wirkt äußerst sympathisch.“
Doch wo bewahrt man eigentlich Briefe eines Pontifex auf, zumal wenn man nun zwei davon hat? Stang verrät: „Der Brief von Papst Benedikt XVI. befindet sich in der Schublade meines Nachttisches.“ Das sei auch genau der Ort, an dem nun das neuerliche päpstliche Schreiben lagern würde. „Den aktuellen Brief von Papst Leo XIV. habe ich am Wochenende auch dorthin gegeben.“