UGG übernimmt Glasfasernetz in Schwandorf – Was bedeutet das für Büchelkühn?

Im Frühjahr sorgte die überraschende Kehrtwende des Telekommunikationsunternehmens Leonet für großen Ärger. Zahlreiche Bürger im Schwandorfer Ortsteil Büchelkühn erhielten damals Post, in der ihnen mitgeteilt wurde, dass der angekündigte Glasfaseranschluss entgegen der ursprünglichen Planung doch nicht gebaut werde. Nun gibt es neue Entwicklungen.
Für viele Büchelkühner, die ihre Hoffnungen bezüglich schnellen Internets auf Leonet gelegt hatten, war es ein Schlag ins Gesicht. Im April diesen Jahres wurde bekannt, dass der Telekommunikationsanbieter mit Sitz in Deggendorf (Niederbayern) seine Ausbaupläne deutlich abspeckt. Bereits geschlossene Vorverträge wurden storniert, ganze Straßenzüge fielen aus den Ausbauplänen heraus. Die Empörung war groß – bei den betroffenen Anwohnern ebenso wie im Schwandorfer Rathaus.
In den Schreiben des Unternehmens hieß es, Teile der Kommune könnten „entgegen der bisherigen Planung“ nicht mit Glasfaser erschlossen werden. Der Vertrag über den Glasfaserhausanschluss beziehungsweise den Internet- und Telefonanschluss komme deshalb nicht zustande. Leonet entschuldigte sich zwar für die entstandene Enttäuschung, verwies jedoch auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Auf Nachfrage begründete das Unternehmen den Teilrückzug mit einer grundlegenden Neubewertung des Glasfaserausbaus in Absprache mit der Muttergesellschaft Unsere Grüne Glasfaser (UGG). Gestiegene Bau- und Materialkosten, Inflation, Kapazitätsengpässe bei den Bauunternehmen sowie die Wettbewerbssituation hätten dazu geführt, dass zahlreiche Ausbauprojekte in Deutschland neu priorisiert werden mussten.
Ziel sei es, die wirtschaftlich am schnellsten realisierbaren Projekte umzusetzen und möglichst viele Haushalte zeitnah an das Glasfasernetz anzuschließen. Die Folge: Statt eines flächendeckenden Ausbaus wurden in Büchelkühn nur noch einzelne Straßenzüge berücksichtigt. Auch Nabburg war von Teilabsagen betroffen, in Falkenstein (Landkreis Cham) wurde der eigenwirtschaftliche Ausbau sogar vollständig eingestellt.
Oberbürgermeister Feller sprach von einer „Riesensauerei“
Auch im Schwandorfer Rathaus löste die Entscheidung erheblichen Unmut aus. Oberbürgermeister Andreas Feller (BLS) sparte damals nicht mit Kritik. Gegenüber der Mittelbayerischen bezeichnete er das Vorgehen des Unternehmens als „Riesensauerei“. Leonet habe sich vor Jahren Ausbaugebiete gesichert und damit anderen potenziellen Anbietern den Zugang erschwert. Nun lasse man Kommune und Bürger im Regen stehen. Eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit sehe anders aus, konstatierte der OB.
Gleichzeitig kündigte Feller an, sich persönlich darum zu kümmern, alternative Lösungen für die betroffenen Haushalte zu finden. Schnelles Internet sei längst Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und ein entscheidender Standortfaktor. Gerade deshalb dürften die Bürger nicht dauerhaft auf leistungsfähige Anschlüsse warten müssen.
Mehr Auswahl an Internetanbietern
Inzwischen hat sich die Situation zumindest organisatorisch verändert. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, übernimmt Unsere Grüne Glasfaser (UGG) schrittweise die von Leonet errichteten Glasfasernetze. Künftig wird UGG diese betreiben und als sogenanntes Open-Access-Netz für verschiedene Internetanbieter öffnen.
Für die Kunden bedeutet das vor allem mehr Auswahl. Neben Leonet bieten in Schwandorf derzeit auch o2 und amiva ihre Internetdienste über das Netz an. Weitere Anbieter sollen folgen, wie UGG-Sprecher Jens Lauser auf Nachfrage der MZ schildert. Bestehende Verträge bleiben von der Netzübernahme unberührt. Wer bereits einen Vertrag abgeschlossen hat und dessen Anschluss im Ausbaugebiet liegt, muss nichts unternehmen. Das zuständige Bauunternehmen werde sich rechtzeitig mit den Eigentümern in Verbindung setzen.
Stadt Schwandorf kann keine Details nennen
Auch bereits begonnene oder aktuell laufende Baumaßnahmen sollen nach Angaben von UGG wie geplant fortgeführt werden. Darüber hinaus können Bürger in bereits erschlossenen Gebieten, die bislang noch keinen Glasfaseranschluss beantragt haben, bis Ende September im Rahmen einer sogenannten Nachverdichtung weiterhin einen kostenlosen Hausanschluss erhalten. Voraussetzung ist der Abschluss eines Tarifs bei einem der verfügbaren Internetanbieter sowie die Zustimmung des Immobilieneigentümers. Um Fragen zu klären, sind laut Pressemitteilung bis Ende September noch Beratungsteams von UGG vor Ort unterwegs.
Ob die bislang nicht berücksichtigten Straßenzüge in Büchelkühn künftig doch noch ausgebaut werden, bleibt fraglich. Auf Anfrage der Mittelbayerischen erklärt die Stadt Schwandorf, dass hierzu derzeit keine Informationen vorliegen. Zwar werde das Glasfasernetz künftig von UGG betrieben, ob das Unternehmen auch den restlichen Ortsteil erschließen werde, könne die Kommune nicht sagen. Auch auf die Frage, wie viele Haushalte konkret betroffen sind oder welche Straßenzüge weiterhin ohne Glasfaseranschluss bleiben, kann die Stadt keine Auskunft geben. Diese Daten lägen ausschließlich bei den jeweiligen Telekommunikationsunternehmen, erklärt die städtische Pressesprecherin Lara Schmaus.
In Büchelkühn bleibt die Absage bestehen
Die UGG bringt auf Nachfrage zumindest in einem Punkt mehr Licht ins Dunkel. Wie Pressesprecher Jens Lauser erklärt, ändert sich in Büchelkühn vorerst wenig. „Was abgesagt wurde, bleibt abgesagt“, bringt es Lauser auf den Punkt. Zu genauen Zahlen, wie viele Haushalte im Schwandorfer Ortsteil noch auf schnelles Internet warten und welche Straßenzüge von der Teilabsage betroffen sind, wollte der UGG-Sprecher keine Angaben machen. „Zu exakten Zahlen geben wir als UGG der Presse im Hinblick auf Wettbewerber grundsätzlich keine Auskunft“, so Lauser.
Was abgesagt wurde, bleibt abgesagt.Jens Lauser, Pressesprecher der UGG
Damit bleibt die Unsicherheit in Teilen Büchelkühn erstmal bestehen. Und viele Bürger müssen sich weiter die entscheidende Frage stellen: Wann kommt das schnelle Internet endlich auch in ihr Haus?