Schwandorfs OB stinksauer nach Teilabsage von Leonet in Büchelkühn: „Eine Riesensauerei!“

Die Ankündigung des Telekommunikationsunternehmens Leonet, den Glasfaserausbau im Schwandorfer Ortsteil Büchelkühn deutlich zu reduzieren, hat hohe Wellen geschlagen. Neben zahlreichen Kunden wurde auch Oberbürgermeister Andreas Feller (BLS) überrumpelt. Er bezeichnet die aktuellen Entwicklungen als „Riesensauerei“ und kündigt an, sich persönlich einzusetzen.
Die Firma Leonet und die Stadt Schwandorf arbeiten in Sachen Glasfaser schon länger zusammen. So hat das Unternehmen aus Niederbayern die Ortsteile Klardorf und Bubach bereits ausgebaut. Nun wäre Büchelkühn an der Reihe gewesen. Doch vergangene Woche machte ein Schreiben die Runde, das viele Kunden vor den Kopf stieß. Denn entgegen der ursprünglichen Zusage von Leonet, ganz Büchelkühn eigenwirtschaftlich ans schnelle Glasfasernetz anzubinden, werden nur noch einzelne Straßenzüge ausgebaut. Von der Teilabsage ist auch die Stadt Nabburg betroffen.
Leonet begründete die Entscheidung mit „veränderten Rahmenbedingungen im deutschen Glasfasermarkt“, an die sich auch die Leonet-Muttergesellschaft Unsere Grüne Glasfaser (UGG) hätte anpassen müssen. Die UGG habe aus diesem Grund in den vergangenen Wochen und Monaten alle Projekte gemeinsam mit Leonet neu priorisiert. Beide Unternehmen hätten einige Ausbaugebiete angepasst und seien auch von einigen Absichtserklärungen zurückgetreten, wie Leonet-Pressesprecherin Elisabeth Gries erklärte.
Stadt Schwandorf fühlt sich hintergangen
Neben einigen Kunden wurde auch die Stadt Schwandorf von den Entwicklungen überrumpelt. Und OB Feller ist darüber mächtig sauer: „Die Entscheidung der Firma Leonet ist für die Stadt völlig überraschend gekommen und, offen gesagt, eine Riesensauerei“, sagt er nun auf Nachfrage der MZ. Vor Jahren hätte sich der Telekommunikationsanbieter Ausbaugebiete gesichert und so andere potenzielle Bewerber blockiert. „Und jetzt lässt man Kommune und Bürger einfach im Regen stehen. Mit verantwortungsvoller Zusammenarbeit hat das nichts zu tun“, schimpft der Rathauschef.
Schwandorf ist bei weitem nicht die einzige Kommune, deren Zusammenarbeit mit der Firma Leonet ins Stocken geraten ist. In den vergangenen Wochen und Monaten hatten mehrere Zeitungen über Probleme beim Glasfaser-Ausbau in verschiedenen Städten und Gemeinden berichtet. Immer wieder stand dabei auch Leonet in der Kritik.
Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass wir in diesem Fall nicht lange warten. Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass Gespräche mit anderen Anbietern geführt werden.Andreas Feller, Oberbürgermeister der Stadt Schwandorf
Der Stadt Schwandorf seien allerdings bislang keine Probleme in Verbindung mit der Firma bekannt geworden, versichert Feller, der nun schnellstmöglich reagieren möchte. „Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass wir in diesem Fall nicht lange warten. Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass Gespräche mit anderen Anbietern geführt werden, um den Betroffenen auf schnellstem Wege eine leistungsfähige Internetanbindung zu ermöglichen.“ In der heutigen Zeit werde Highspeed-Internet immer wichtiger. Da dürfe es keine unnötigen Verzögerungen geben, so Feller.
Breitbandatlas offenbart: Es gibt großes Verbesserungspotenzial
Doch wie ist es in Sachen schnelles Internet generell um das Schwandorfer Stadtgebiet bestellt? Der städtische Pressesprecher Andreas Hofmeister verweist hier auf den öffentlich einsehbaren Breitbandatlas der Bundesnetzagentur. Dieser zeigt: Schwandorf macht im Landkreisvergleich nicht die schlechteste Figur, es gibt aber auch einige Städte und Gemeinden, die wesentlich besser abschneiden. Laut dem neuesten Datenstand der Bundesnetzagentur vom Juni 2025 sind zwar in 95,36 Prozent der Schwandorfer Haushalte Verbindungsgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde oder mehr verfügbar, doch im weiteren Verlauf nimmt der Prozentsatz deutlich ab.
Mit einer Geschwindigkeit von 200 MBit/s aufwärts können nur mehr 82,5 Prozent der Haushalte surfen. Bei Werten jenseits der 400 bzw. 1000 Megabits pro Sekunde liegt der Wert lediglich bei 65,37 Prozent. Zum Vergleich: In Nabburg können 90,4 Prozent der Haushalte mit 1000 MBits/s surfen, in Pfreimd sind es 92 Prozent. Absolute Spitzenreiter in Sachen Highspeed-Internet sind die Gemeinden Steinberg am See und Gleiritsch. Hier ist quasi in jedem Haushalt eine Geschwindigkeit von 1000 Megabit pro Sekunde verfügbar. Ein Wert, von dem die meisten Kommunen im Landkreis bislang nur träumen können.