Sind Mitarbeiter der Stadt Schwandorf zu oft krank? AfD-Abgeordneter lästert, Rathaus kontert

In einem seiner neuesten Facebook-Beiträge kritisiert der Schwandorfer AfD-Bundestagsabgeordnete, Stadtrat und Kreisrat Reinhard Mixl die Stadt Schwandorf scharf. Es geht um krankheitsbedingte Fehltage und die Homeoffice-Quote. Das Rathaus will das so nicht stehen lassen.
„Schwandorf: Was läuft im Rathaus falsch?“ lautet der Titel des Beitrags. In diesem lästert der AfD-Abgeordnete über die aus seiner Sicht fraglichen Zustände in der Stadtverwaltung. Eine Anfrage seiner Partei Mitte Januar hätte ergeben, dass die 370 Beschäftigten, die momentan bei der Stadt Schwandorf angestellt seien, im vergangenen Jahr insgesamt 6312 krankheitsbedingte Fehltage angehäuft hätten. Wie Mixl vorrechnet, entspreche das einem Schnitt von 17 Krankheitstagen pro Mitarbeiter.
Gleichzeitig würden viele Angestellte im Homeoffice arbeiten. Auch das ist dem Politiker ein Dorn im Auge. Konkrete Zahlen legt Mixl dazu zwar nicht vor, dennoch kommt er zu einem ernüchternden Fazit: „Wenn tausende Fehltage auf eine Verwaltung treffen, die gleichzeitig in weiten Teilen ins Homeoffice ausweicht, muss man fragen, ob im Rathaus noch mit der nötigen Klarheit, Kontrolle und Effizienz gearbeitet wird. Die Bürger erwarten eine funktionierende Verwaltung vor Ort.“ Untermalt werden die Zeilen mit einem Foto vom Schwandorfer Rathaus.
Stadt Schwandorf bestätigt die Zahlen, zeichnet aber ein anderes Bild
Die Mittelbayerische hat in der Verwaltung nachgefragt. Ist die Situation wirklich so dramatisch, wie sie der AfD-Abgeordnete darstellt? Die stellvertretende Pressesprecherin Lara Schmaus antwortet mit einem umfassenden Statement, das einige kritische Aussagen relativiert. Zwar stimmen die von Mixl veröffentlichten Zahlen. Auch Schmaus spricht von 370 Mitarbeitern, die bei der Stadt Schwandorf derzeit beschäftigt sind. Dazu zählen neben den Angestellten in der Verwaltung beispielsweise auch die Beschäftigten des Bauhofs, des städtischen Freibads, der Stadtbibliothek oder der Volkshochschule (VHS).
Es sei auch richtig, dass die Angestellten im Jahr 2025 insgesamt 6312 Krankheitstage verzeichnet hätten. „In dieser Zahl sind jedoch auch die Fehltage von Mitarbeitenden enthalten, die aufgrund von Langzeiterkrankungen arbeitsunfähig waren – etwa infolge von Operationen, Rehabilitationsmaßnahmen oder vergleichbaren längerfristigen gesundheitlichen Einschränkungen“, erklärt die stellvertretende Rathaussprecherin.
Die krankheitsbedingten Ausfallzeiten würden sich insgesamt auf einem vergleichsweise moderaten Niveau bewegen, denn „mit diesem Wert liegen wir weiterhin unter einschlägigen Vergleichsgrößen“, so Schmaus, die dann auf eine aktuelle, öffentlich einsehbare Krankenstandsanalyse der DAK-Gesundheit aufmerksam macht. Laut dieser seien Beschäftigte in Deutschland im Jahr 2025 durchschnittlich 19,5 Kalendertage krankgeschrieben gewesen. Ein ebenfalls öffentlicher Report der Krankenkasse AOK spreche sogar von 23,3 Tagen.
Einen indirekten Seitenhieb in Richtung Mixls kann sich Schmaus dann auch nicht verkneifen: „Für den Deutschen Bundestag wurde im Jahr 2024 ein Durchschnitt von 22,3 Krankheitstagen je Beschäftigtem berichtet.“ Gerade vor dem Hintergrund, dass in den Zahlen der Stadt Schwandorf auch Langzeiterkrankungen enthalten sind, sei dies insgesamt als „günstige und sachlich belastbare Entwicklung zu bewerten“. Wie sich die krankheitsbedingten Fehltage im Vergleich zu den Vorjahren verändert haben oder ob es Abteilungen gibt, die besondere Häufungen an krankheitsbedingten Fehltagen aufweisen, konnte Schmaus mit Blick auf den Datenschutz allerdings nicht beantworten.
Die Homeoffice-Quote ist nicht auffallend hoch
Deutliche Worte gibt es dann aber zu der von Mixl ebenfalls kritisierten hohen Homeoffice-Quote. Von 370 städtischen Mitarbeitern hätten lediglich 77 grundsätzlich die Möglichkeit sowie die technischen Voraussetzungen, im Homeoffice zu arbeiten. Dauerhaftes Homeoffice sei bei der Stadt Schwandorf jedoch nicht vorgesehen. „Tatsächlich arbeiten aktuell 38 Mitarbeitende regelmäßig im Homeoffice, und dies höchstens an zwei Tagen pro Woche. Zudem ist Homeoffice nur dort möglich, wo es die jeweilige Tätigkeit überhaupt zulässt“, stellt Schmaus klar.
Darüber hinaus werde mobiles Arbeiten nur insoweit ermöglicht, dass der Dienstbetrieb jederzeit sichergestellt bleibt. „Dazu gehört insbesondere, dass die dienstliche Erreichbarkeit, die Aufgabenerfüllung sowie eine verlässliche physische Präsenz vor Ort gewährleistet sind“, sagt die stellvertretende Rathaus-Sprecherin. Es sei daher organisatorisch sichergestellt, dass nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig im Homeoffice, sondern stets auch Kollegen physisch anwesend sind. Die Kritik des AfD-Abgeordneten könne man daher nicht nachvollziehen. „Herrn Mixls Interpretation teilen wir ausdrücklich nicht. Sie wird weder den tatsächlichen Zahlen noch der Arbeitsrealität in unserer Stadtverwaltung gerecht“, so Schmaus.
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Schwandorf leisten tagtäglich eine beanstandungslose und verlässliche Arbeit.Andreas Feller, Oberbürgermeister der Stadt Schwandorf
Ins gleiche Horn stößt auch Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller: „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Schwandorf leisten tagtäglich eine beanstandungslose und verlässliche Arbeit. Das hat sich auch in diesem Jahr wieder sehr deutlich gezeigt – beispielsweise beim reibungslosen Ablauf der Kommunalwahlen 2026 sowie bei der zuverlässigen Durchführung des Winterdienstes. Das sind nur zwei Beispiele von vielen, die belegen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger auf ihre Stadtverwaltung verlassen können.“ Pauschale Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Verwaltung würden dieser Arbeit nicht gerecht, konstatiert das Stadtoberhaupt.
Hintergrund: So beugt die Stadt Schwandorf Risiken vor
Fokus: Laut der stellvertretenden Pressesprecherin Lara Schmaus zielt das betriebliche Gesundheitsmanagement der Stadt Schwandorf nicht nur auf die Senkung der Ausfallzeiten ab. Es umfasst auch Maßnahmen zur Reduzierung der Fluktuation, zur präventiven Gesundheitsförderung sowie zur Unterstützung der Mitarbeiter in ihrer Arbeits- und Lebensqualität.
Angebote: In enger Zusammenarbeit mit dem Personalrat der Stadt Schwandorf biete man gezielte Präventionsangebote an, darunter Workshops zu Stressmanagement, Bewegung und gesunder Ernährung. Die Angebote würden laut Schmaus kontinuierlich weiter ausgebaut. Man arbeite in der Verwaltung auch eng mit Krankenkassen zusammen. „Durch diese Kooperation profitieren wir von bewährten Programmen und fachlicher Beratung, um die Gesundheit unserer Beschäftigten nachhaltig zu stärken und die Leistungsfähigkeit der Verwaltung langfristig zu sichern“, so Schmaus.