Leonet ändert Pläne für Glasfaser: Kunden in Schwandorf und Nabburg schauen in die Röhre

Nein, diese Schreiben sind kein Aprilscherz: Die Firma Leonet hat einige Bürger im Schwandorfer Stadtteil Büchelkühn und in Nabburg kontaktiert. In seinen Mitteilungen schildert der Telekommunikationsanbieter aus Niederbayern, dass der geplante Glasfaseranschluss urplötzlich nicht mehr realisiert werden könne. Was ist da los?
Mehrere Betroffene haben sich an die MZ-Redaktion gewandt und auch in den Sozialen Netzwerken sind die Schreiben längst Thema. Der Telekommunikationsanbieter Leonet mit Sitz in Deggendorf hat seine Ausbaupläne für Glasfaser geändert. Teile Büchelkühns und Nabburgs werden nun doch nicht, wie zunächst zugesichert, mit schnellem Internet versorgt.
Ein verärgerter Kunde hat ein entsprechendes Schreiben des Unternehmens auf Facebook öffentlich gemacht. Darin heißt es wörtlich: „Entgegen unserer bisherigen Planung werden wir Teile Ihrer Kommune nicht mit Glasfaser erschließen können. Ihre Adresse ist leider davon betroffen. Der Vertrag über den Glasfaserhausanschluss und/oder den Glasfaser-Internet- und Telefonanschluss kommt leider nicht zustande.“
Rahmenbedingungen am Glasfasermarkt haben sich geändert
Man sei sich bewusst, dass viele Kunden große Hoffnungen in den Ausbau gesetzt hätten. „Deshalb tut es und sehr leid, dass wir diese Erwartungen nicht erfüllen können“, heißt es im Schreiben weiter. Der Vertrag werde hiermit storniert. Garniert wird das ganze mit einem Dank für das entgegengebrachte Vertrauen. Diese Zeilen sorgen wenig überraschend für Frust. „Soll das ein schlechter Witz sein?“, fragt ein Mann im Kommentarbereich. Und nicht wenige wundern sich: Warum weicht Leonet plötzlich von seinen Ausbauplänen ab?
Licht ins Dunkel bringt auf Nachfrage der MZ Elisabeth Gries, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Firma Leonet. Sie spricht von „veränderten Rahmenbedingungen im deutschen Glasfasermarkt“, an die sich auch die Leonet-Muttergesellschaft Unsere Grüne Glasfaser (UGG) hätte anpassen müssen. Die UGG würde sich deshalb in den Jahren 2026?und?2027 auf die am schnellsten zu realisierenden Glasfaserprojekte konzentrieren. Ziel sei es, in den nächsten beiden Jahren ?möglichst viele Haushalte mit Glasfaser bis ins Gebäude auszubauen und aktive Kunden an das Netz der UGG bzw. von Leonet anzuschließen.
Die seit dem Abschluss einiger Absichtserklärungen (Kooperationsvereinbarungen) stark veränderte Lage am deutschen Glasfasermarkt, lässt in einigen Kommunen aktuell keinen eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau mehr zu“.Elisabeth Gries, Pressesprecherin der Firma Leonet
Wie Gries weiter erklärt, berücksichtige die Planung für den rein eigenwirtschaftlich finanzierten Glasfasernetzausbau der UGG – ohne Fördermittel des Bundes oder Steuergelder – zahlreiche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. So etwa die Kapazitäten und Kosten der Baupartner, steigende Materialkosten und Inflation, den Grad der Unterstützung der Gemeinde/Kommune und die Aktivitäten des Wettbewerbs vor Ort. „Die seit dem Abschluss einiger Absichtserklärungen (Kooperationsvereinbarungen) stark veränderte Lage am deutschen Glasfasermarkt, lässt in einigen Kommunen aktuell keinen eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau mehr zu“, erklärt die Leonet-Sprecherin.
Glasfaserprojekte wurden neu priorisiert
Die UGG habe aus diesem Grund in den vergangenen Wochen und Monaten alle Projekte gemeinsam mit Leonet neu priorisiert. Beide Unternehmen hätten einige Ausbaugebiete angepasst und seien auch von einigen Absichtserklärungen zurückgetreten. „Leonet wird in Schwandorf nur einen Teil von Büchelkühn eigenwirtschaftlich ausbauen, aber nicht mehr wie ursprünglich geplant den Ortsteil flächendeckend - das heißt, dort sind sogenannte Teilabsagen nach Straßenzügen an die Kundinnen und Kunden erfolgt“, so Gries. Das sei in Nabburg ebenso der Fall wie in Bad Kötzting im Nachbarlandkreis Cham. In Falkenstein (ebenfalls Landkreis Cham) sei der geplante Glasfaserausbau sogar komplett gestoppt worden.
Die betroffenen Privatpersonen und Gewerbetreibenden, die die Vorverträge unterzeichnet hatten, seien von Leonet jeweils in einem Schreiben informiert worden. „Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger müssen nichts tun, es bedarf keiner eigenständigen Kündigung“, sagt die Unternehmenssprecherin weiter. Man bedauere die Situation und bitte um Entschuldigung.
Für die nun nicht mehr im Ausbaugebiet liegenden Abschnitte möchte UGG perspektivisch, frühestens 2028, die „bestmögliche Lösung finden und zu einem späteren Zeitpunkt individuelle Gespräche mit der Kommune suchen“. Die Tochter Leonet wird ab 2027 indes nicht mehr am Ausbau beteiligt sein, sondern fortan sich rein auf die Internetservices konzentrieren. Abschließend versichert die Leonet-Sprecherin: „Dort, wo wir bereits fertige Netze haben, werden wir als Internetdienstanbieter auch unsere Internetservices weiterhin vollumfänglich anbieten.“