Fast versäumtes Jubiläum: 700 Jahre Vituskirche Burglengenfeld

Die katholische Stadtkirche Burglengenfeld ist ein komplexes Gebilde. Das gilt für die Organisationsform ebenso wie für den Bestand an Immobilien. Wer auf die Homepage der Pfarrei schaut, findet dort nicht weniger als zehn Gotteshäuser, für die mehrere Kirchenstiftungen zuständig sind. Von sonstigen Einrichtungen wie den Friedhöfen, dem Pfarrhof St. Vitus oder dem Pfarrzentrum St. Josef ganz zu schweigen. Da kann auch der umsichtigste Manager schon mal etwas übersehen.
Pfarrer Michael Hirmer macht kein Geheimnis daraus, dass ihm heuer genau so etwas passiert wäre – hätte ihm nicht die Mesnerin einen wertvollen Tipp gegeben. „Herr Pfarrer, Sie wissen schon, dass wir heuer noch ein größeres Jubiläum haben?“, soll sie sinngemäß gefragt haben. Auf der Homepage des Bistums hatte die treue Seele gelesen, dass die heutige St.-Vitus-Kirche vor genau 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnt worden sei, und zwar als Benefizium St. Veit, also unter der älteren deutschen Namensform des Heiligen.
Schon länger hatte sich die Mesnerin darüber gewundert, weshalb Hirmer für das Jubiläum keine Festvorbereitungen getroffen hatte; nun sprach sie ihn mutig darauf an – und Hirmer fiel, wie er einräumt, fast aus allen Wolken.
In kürzester Zeit doch noch ein Programm erstellt
Hirmer wäre nicht Hirmer, wenn es ihm zwischenzeitlich nicht doch gelungen wäre, zusammen mit einem Helferkreis ein dem Anlass angemessenes Programm auf die Beine zu stellen. Am Sonntag, 8. November, kommt Bischof Rudolf Voderholzer nach Burglengenfeld, um mit den Gläubigen ab 10 Uhr einen Pontifikalgottesdienst zu feiern. Außerdem soll es an dem Wochenende Führungen und eine Ausstellung geben. Die ohnehin vorgesehene und bereits zuvor für 17. Oktober terminierte Nacht der Chöre ist nun ebenfalls Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Dass der Chef der Stadtkirche ausgerechnet den bemerkenswerten Jahrestag jener Kirche fast übersehen hätte, die ihm seit Beginn seiner Burglengenfelder Amtszeit den meisten Kummer bereitet, ist ein Zufall, der einen schmunzeln lässt. Gerade bei der Vitus-Kirche unternimmt Hirmer große Anstrengungen, um sie zu erhalten. Ob Glockenturm, Dachstuhl oder Innenausstattung – überall sind deutliche Schäden zu sehen. Teils waren bereits Notmaßnahmen erforderlich. Eine Generalsanierung ist überfällig. Doch die zentrale Frage ist: Was kann sich die Pfarrei leisten?
Hirmer will das genau wissen. An ein Team von Experten ließ er heuer den Auftrag zu umfangreichen Untersuchungen erteilen. Der Großteil der Gutachten liege mittlerweile am Tisch, berichtetet der Pfarrer. Im Herbst soll der Regensburger Architekt Michael Feil, der die Arbeiten koordiniert, eine Gesamtübersicht seiner Erkenntnisse sowie eine seriöse Berechnung der Sanierungskosten präsentieren. Hirmer erwartet vier Varianten – für die bloße Sicherung der Substanz bis hin zur Komplettlösung.
Ein Bauwerk, das Höhen und Tiefen spiegelt
Bei aller Liebe zu den Gotteshäusern, Hirmer ist Realist und hat mehr als einmal angedeutet, dass im schlimmsten Fall auch über eine Aufgabe von St. Vitus nachgedacht werden muss. Soweit soll es natürlich nicht kommen. Und um zu verstehen, wie wertvoll die Kirche im Herzen der historischen Altstadt ist, lohnt es sich, einen Blick auf die Homepage der Diözese zu werfen. Dort hat Pressesprecher Stefan Groß unter der Rubrik „Kirchen aus unserem Bistum“ auch einen längeren Aufsatz über St. Vitus geschrieben.
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Darin erinnert Groß, dass es Kirchen gibt, die wie aus einem Guss wirken, als habe sie ein einziger Gedanke hervorgebracht. Andere hätten ihre Gestalt erst mit der Zeit gewonnen, seien über Jahrhunderte hinweg gewachsen, und verändert worden.

Die Kirche des heiligen Veit in Burglengenfeld, die, wie eingangs erwähnt, erstmals 1326 urkundlich in Erscheinung getreten, sei nachgerade ein Paradebeispiel dafür. Sie trage die „Spuren der Zeitläufe“ in sich und sei zu einem Raum geworden, in dem das Schicksal der Stadt anschaulich werde.
Was Burglengenfeld geprägt habe, zum Beispiel Kriegsschaden und städtische Selbstbehauptung, Reformation und Rekatholisierung, barocke Erneuerung und historische Eingriffe – all das erscheine hier nicht als abgeschlossene Chronik, sondern fortwirkende Geschichte, die das Leben der Gemeinde bis heute präge.