Ex-Landwirtschaftsschule könnte Burglengenfelds neues Kulturzentrum werden

Gut zwei Jahre ist es nun her, dass mit der ehemaligen Forstmeisterei und Landwirtschaftsschule in Burglengenfeld eine hochinteressante Immobilie den Eigentümer wechselte. Bemerkenswert ist das Objekt nicht nur wegen seiner Geschichte und Architektur, sondern auch aus Sicht der Denkmalpflege. Kürzlich hatte die Redaktion Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Zweiflügelanlage zu werfen. Der neue Eigentümer skizzierte dabei, was er sich nach der Sanierung als Nutzung vorstellen könnte.
Wie berichtet, war vor rund vier Jahren die Entscheidung gereift, dass sich der Landkreis von den Gebäuden an der Schwandorfer Straße 5 trennen sollte. Der Kreis-Bauausschuss ebnete 2022 den Weg dafür. Als Hauptursache wurden die Kosten für eine unausweichliche Sanierung genannt. Außerdem bot der Verkauf die Chance, einen ungeliebten Mieter loszuwerden: die Initiative Jugendzentrum im Städtezentrum e.V., besser bekannt als JUZ.
Auch das könnte Sie interessieren: Nachfrage nach Krippenplätzen bricht ein – Stadt Burglengenfeld speckt Projekt ab
Bei der Ausschreibung machte ein Unternehmer das Rennen, ein Wahl-Burglengenfelder, der im Nachbarlandkreis Regensburg eine Firma besitzt. Nach Informationen der Redaktion bekam der heute 48-Jährige für rund 820 000 Euro den Zuschlag. Das Mindestgebot war bei nur 570 000 Euro gelegen, worüber sich nicht wenige Beobachter gewundert hatten. Denn die Gebäude bieten eine Nutzfläche von 735 Quadratmetern, und das Grundstück erstreckt sich, inklusive nicht nutzbares sogenanntes „Unland“, über rund 13 000 Quadratmeter.
JUZ und Bands dürfen noch drei Jahre bleiben
Bevor der Vertrag notariell beurkundet wurde, suchte der Geschäftsmann das Gespräch mit Vertretern des JUZ. „Durch Reden kommt man zusammen“, lautet eines seiner Leitmotive. Und tatsächlich gelang es ihm, mit der vermeintlich schwierigen Klientel einen Kompromiss auszuhandeln.
Der brachte dem Verein, der schon um seine Existenz gefürchtet hatte, ein Bleiberecht bis Mitte 2029. Allerdings reduzierte er seine Räume auf das Erdgeschoss im älteren Teil des Gebäudekomplexes. Auch einige Bands, darunter die Bluesfriends, dürfen bis zur gesetzten Frist bleiben.

Nach wie vor vermietet sind ferner die Wohnungen im neueren Trakt. Der Landkreis nutzt sie teilweise für die Unterbringung unbegleiteter Flüchtlinge. Der Unternehmer konzentriert sich jedoch aktuell auf den Ostflügel, der laut Denkmalliste im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammen soll. Möglicherweise muss die Chronik umgeschrieben werden, denn bei einer Begehung will ein Experte im Dachstuhl Merkmale erkannt haben, die auf die Renaissance hindeuten. Demnach wäre der Ostflügel mindestens 100 Jahre älter als bisher gedacht.

Der 48-jährige Besitzer hat, wie er erzählte, schon vor Jahren Erfahrungen mit der Denkmalpflege gesammelt, als er ein historisches Objekt im Markt Bruck sanierte. Die Zeit sei in jeder Hinsicht lehrreich gewesen. So habe er daraus mitgenommen, dass sich Probleme so gut wie immer lösen ließen – vorausgesetzt, man suche rechtzeitig das Gespräch und bleibe kooperativ. Er jedenfalls sei durch sein Premierenprojekt nicht entmutigt worden, sondern habe Feuer gefangen, versicherte der Investor. Die Leidenschaft für Denkmalpflege wolle er jetzt auch bei der ehemaligen Forstmeisterei einfließen lassen. Die „graue Maus“ an der Schwandorfer Straße 5 solle die Aufwertung erfahren, die sie verdiene.

Als Nutzung kann sich der Unternehmer Verschiedenes vorstellen: zum Beispiel Wohnungen, aber auch ein Kulturzentrum nach den Wünschen der Stadt. Gerne wolle er der Kommune Vorrang einräumen, sagte er. Schon mit dem mittlerweile aus dem Amt ausgeschiedenen CSU-Bürgermeister Thomas Gesche habe er darüber gesprochen. Doch der habe mit Verweis auf fehlende Parkplätze abgewunken. Gesches Nachfolger Martin Antretter (SPD) sei ebenfalls eingeweiht, sei aber noch unentschlossen. Langsam dränge allerdings die Zeit, berichtete der Investor. Für die Vorplanungen, die bald beginnen sollten, brauche man konkretes Interesse respektive eine verbindliche Zusage.
Bürgermeister will erst Bedarf analysieren
Damit konfrontiert, bestätigte Antretter, im Mai mit dem Unternehmer einen Termin vor Ort gehabt zu haben. Über das Thema Kultur sei dabei aber nur am Rande gesprochen worden. Seitdem habe es keinen Kontakt mehr gegeben. Zeitnah solle sich das ändern, versprach der Rathauschef. Dann werde sich zeigen, ob die Pläne „stadtratstauglich“ seien.
Die Realisierbarkeit eines Kulturzentrums hängt laut Antretter von vielen Faktoren ab, nicht nur von der planungs- und baurechtlichen Situation, sondern auch von der finanziellen Tragweite. Außerdem gelte es zu bedenken, dass Kultur in Burglengenfeld an unterschiedlichen Stellen stattfinde, teils privat organisiert, teils städtisch angeregt und häufig von Vereinen getragen. Insoweit müsse die Kommune zuerst die Bedarfe analysieren und einordnen. Erst dann lasse sich beurteilen, inwieweit eine neue zentrale Kulturstätte im Gebäude der alten Landwirtschaftsschule Sinn mache.