Ehemalige Landwirtschaftsschule in Burglengenfeld wird saniert, JUZ darf aber vorerst bleiben

Eine spannende Frage, die viele Bürger im Kreis Schwandorf seit Monaten bewegt, ist nun so gut wie geklärt: Ein Unternehmer aus der Region hat beste Karten, neuer Eigentümer der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Burglengenfeld zu werden. Die Zukunft des autonomen Jugendzentrums, das sich in der Immobilie befindet, bleibt aber trotzdem gesichert – und zwar für fünf Jahre.
Ein 46-jähriger Wahl-Burglengenfelder hatte für die Liegenschaft nach MZ-Informationen deutlich mehr geboten, als die vom Landkreis geforderten 570 000 Euro – nämlich 820 000 Euro. Dafür bekam er bereits vor rund zwei Wochen den Zuschlag.
Die „Perle an der Naab“, wie er das Objekt bezeichnet, möchte er denkmalschutzgerecht sanieren. Allerdings machte er den Gang zum Notar von einem wesentlichen Punkt abhängig: einer friedlichen Lösung mit den Betreibern des Jugendzentrums und den Bluesfriends, die ebenfalls Mieter sind.
Um den Konsens zu erzielen, wurden zwei Treffen anberaumt. Einem ersten Gespräch, das „freundlich und kooperativ“ verlaufen sei, sollte diese Woche ein Ortstermin folgen. Das Landratsamt Schwandorf fungierte als Vermittler.
Unternehmer suchte friedliche Lösung
Die Haltung des Unternehmers, der in der Dentallaborbranche tätig ist, war von vornherein klar: „Ich will keinen Streit und niemanden von heute auf morgen vor die Türe setzen“, sagte er. Andererseits sei es ausgeschlossen, dass eine Einrichtung wie das JUZ auf ewige Zeiten in dem jetzigen Gebäude bleibe. So eine Nutzung sei mit einer hochwertigen denkmalgerechten Sanierung unvereinbar. Schon jetzt, so betont der Kauf-Kandidat, weise das Haus in diversen Bereichen einen Instandhaltungs-Rückstau auf. Irgendwann müssten die Handwerker ran, um irreparablen Schäden vorzubeugen.
Als bekannt wurde, welchen Preis der Landkreis für die Immobilie verlangt, schüttelten viele zunächst erstaunt den Kopf. So ein Schnäppchen habe es lange nicht gegeben, hieß es. Doch ein Gutachten zeigte die Mängel der Liegenschaft schonungslos auf. Mehr dazu lesen Sie hier.
Seitens der Initiative Jugendzentrum im Städtedreieck musste man die Nachricht vom bevorstehenden Verkauf erst einmal verdauen, denn man fürchtet nicht zu Unrecht, dass ein neuer Eigentümer den Mietvertrag sehr bald kündigen könnte.
JUZ-Verantwortliche hatten ganz andere Ziele
Über viele Monate hinweg hatte der Vorstand des Trägervereins bei Aktionen und in öffentlichen Stellungnahmen betont, dass man sich keine andere Heimat als die in der Schwandorfer Straße vorstellen könne. Man werde sich niemals vertreiben lassen – und daher berge der Kauf für jeden Investor ein Risiko. Heuer soll am Standort der ehemaligen Landwirtschaftsschule das 50-jährige Bestehen der autonomen Einrichtung gefeiert werden, „und eigentlich möchten wir auch die nächsten 50 Jahre hier sein“, so Vorsitzende Jule Richter auf Anfrage der MZ.
Letztlich kam es zu der vom Käufer erhofften Verständigung. Am Donnerstag, 16.17Uhr, wurde eine gemeinsam verfasste Erklärung versandt. Darin wird deutlich, wie sehr die JUZ-Verantwortlichen mit sich gerungen haben. Einerseits freue man sich, dass sich ein Käufer gefunden habe, „mit dem wir auf Augenhöhe, transparent und respektvoll kommunizieren können“. Andererseits sei man enttäuscht, dass das Vereinsheim und das der Bluesfriends nicht in öffentlicher Hand bleibe.
Die beteiligten Parteien haben laut Pressemitteilung beschlossen, dass das Jugendzentrum und die Bluesfriends weitere fünf Jahre bleiben dürfen. Sie erhalten einen Fünf-Jahres-Mietvertrag. Im Anschluss ziehen das JUZ und die Bluesfriends aus. Erst danach wird die Sanierung in Angriff genommen.