Sparkasse sucht Käufer: Heimat des JUZ in Burglengenfeld ist für 570.000 Euro zu haben

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Wer die Schwandorfer Straße5 erwerben möchte, muss dem Landkreis dafür 570.000 Euro überweisen – mindestens. Unabhängig davon sucht die Burglengenfelder Wählergemeinschaft (BWG) nach weiteren Wegen, wie der Verkauf an einen Baulöwen verhindert werden könnte – zum Nutzen des Städtedreiecks und des autonomen Jugendzentrums (JUZ).
Wie berichtet, will sich der Landkreis von den Gebäuden, die eine Nutzfläche von 735Quadratmetern aufweisen, und dem über 6000 Quadratmeter großen Grundstück trennen. Der Sanierungsaufwand, so hieß es, sei einfach zu groß.
Die Pläne sorgten wiederholt für Protest auf unterschiedlichen Ebenen und auf verschiedene Weise. Landrat Thomas Ebeling (CSU) handelte sich bei den Sympathisanten des JUZ den Beinamen „Kulturmord“ ein, traf sich dennoch mit diesen zum Gespräch. Letztlich sind alle Initiativen bisher aber gescheitert.
Ein Ersatz fürs Pfarrheim an der Kallmünzer Straße?
Trotzdem gibt es im Städtedreieck noch immer mindestens eine politische Kraft, die dem JUZ nicht nur moralisch den Rücken stärkt, sondern weiter nach Ideen sucht, wie die komplette Liegenschaft vor dem Zugriff eines Immobilienhais bewahrt werden könnte: die BWG um Gregor Glötzl und Albin Schreiner.
Die erst kürzlich neu gewählte Doppelsitze des Jugendzentrums nahm erst kürzlich in einem MZ-Interview ausführlich Stellung zur Situation. Damals war der Kaufpreis für die Immobilie allerdings noch nicht bekannt. Hier lesen Sie den Text in voller Länge.
Ähnlich wie die Fraktionsgemeinschaft von SPD, Grünen und Die Linke hatte die Wählergemeinschaft schon vor einem Jahr angeregt, die Stadt Burglengenfeld solle die Immobilie selbst erwerben. Sie biete nämlich riesiges Potenzial – zum Beispiel für die Volkshochschule, als Ort für ein neues Gründerzentrum oder als Stätte für kulturelle Veranstaltungen aller Art. Besonders für Letzteres zeichne sich dringender Bedarf ab, denn das Pfarrheim St. Michael (VAZ) an der Kallmünzer Straße dürfte in absehbarer Zeit für Konzerte und Ähnliches ausscheiden.
Es geht nicht nur um das umstrittene Jugendzentrum
Auch wenn sich für diesen Vorschlag am Ende keine Mehrheit begeistern ließ – die BWG lässt nicht locker. Glötzl deutete dieser Tage an, dass die Wählergemeinschaft einen weiteren Anlauf wagen möchte. Diesmal sollen nicht speziell dem Burglengenfelder Stadtrat die Augen geöffnet werden, sondern den Räten im Zweckverband Städtedreieck. Dessen Geschäftsführer, Sebastian Hauser, sei bereits in groben Zügen eingeweiht. Nun gelte es, ein Konzept zu entwickeln, mit dem man bei den Bürgermeistern aus dem Städtedreieck vielleicht doch noch punkten könnte.
Damals wie heute geht es der BWG, wie Glötzl betont, bei weitem nicht nur um die Bewahrung der Immobilie für die aktuellen Nutzer, zu denen neben dem JUZ, auch verschiedene Bands und „normale“ Mieter mit kleinem Geldbeutel gehören. Sie möchte den Beweis führen, dass für das Städtedreieck eine große Chance vertan würde, wenn die Potenziale der Liegenschaften ignoriert – und durch einen Verkauf an einen Investor womöglich für immer zerstört würden.
Dem Argument, die Pläne überschritten vermutlich rasch die finanziellen Möglichkeiten des Zweckverbands respektive der Kommunen, hält Glötzl entgegen, man dürfe mit einer Bezuschussung von rund 60 Prozent aus der Städtebauförderung rechnen, und die erforderlichen Umbaumaßnahmen müssten ja nicht auf einen Schlag erledigt werden.
Bürgermeister Gesche bleibt gelassen
Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) reagierte am Rande einer Veranstaltung auf die neuen Überlegungen gelassen. Er sei sich relativ sicher, dass Glötzls Vorstoß, sollte er je auf die Agenda des Zweckverbandes kommen, verpuffen werde, sagte der Rathauschef. Er wisse, wie die Oberhäupter der Nachbarkommunen zu dem Objekt Schwandorfer Straße stünden.
Kritisch äußerte sich auch ein Mann, der zwar nicht die politische Bühne beherrscht, umso mehr aber die kulturelle: Arthur Theisinger. Der Geschäftsführer von Power Concerts und Hauptnutzer des VAZ, hält die Vision der BWG für naiv. Der Aufwand für ein zeitgemäßes Veranstaltungszentrum sei größer, als sich Glötzl vermutlich vorstellen könne. Wenn er sich über die Erfordernisse informieren möchte, dürfe er gern einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen. Dass sich die Schwandorfer Straße entsprechend umrüsten ließe, hält Theisinger für ausgeschlossen.
Trägerverein des JUZ prüft, wie große seine Chancen sind
Trotz der vielen Rückschläge bleibt man beim Trägerverein des Jugendzentrums demonstrativ kämpferisch. Von „Resignation“ könne keine Rede sein, meinten die neu gewählten Vorsitzenden, Emanuel Nees und Jule Richter, kürzlich im MZ-Interview. Als sie nun davon erfuhren, dass die Schwandorfer Straße 5 „mit unserem geliebten JUZ“ ausgeschrieben ist, formulierten sie sofort eine geharnischte Stellungnahme.
Zum einen räumen die Verantwortlichen ein, dass die Angst vor einer Kündigung „immer präsenter wird“, zum anderen bringen sie einmal mehr ihre Wut zum Ausdruck. „Wir empfinden es als Frechheit, einen wichtigen Teil der Geschichte und Kultur der Gegend aus politischen Prestigegründen einfach auszuradieren“, wettert das Führungsteam. Gleichzeitig wird angekündigt, in den kommenden Wochen erneut zu prüfen, ob man sich nicht doch mit Hilfe des Mietshäuser Syndikats selbst als Kaufinteressent ins Spiel bringen sollte.
