Vorstand des JUZ Burglengenfeld: „Von Resignation kann keine Rede sein“

Von Thomas Rieke · 7. Januar 2024 um 19:00

Bisher sind alle Initiativen, den Verkauf des JUZ Burglengenfeld zu verhindern, gescheitert. Doch die neue Führungsriege gibt sich noch immer nicht geschlagen. Bei den Neuwahlen wurde Jule Richter (24) aus Regensburg als zweite Vorsitzende bestätigt. Neuer erster Vorsitzender ist Emanuel Nees (23). Sie äußerten sich nun im Interview.

Die große Mehrheit der politisch Verantwortlichen ist unverändert für den Verkauf der Schwandorfer Straße 5, die auch die Heimat des selbstverwalteten JUZ ist. Sollte sich ein Käufer finden, dürften seine Tage gezählt sein.

Emanuel Nees: Ja, es sieht nicht rosig aus, aber auch aus dieser Erfahrung werden wir lernen und wachsen. Ein Verein hat immer Höhen und Tiefen. Wir wollen nicht aufgeben, was seit fast 50 Jahren Leben und Geschichte ist, nur weil uns Steine in den Weg gelegt worden sind.

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich an führender Stelle für das JUZ einzusetzen?

Nees: Ich habe mit 15/16 angefangen, das selbstverwaltete Jugendzentrum in München zu besuchen. Es war für mich Rückzugsort, Wohnzimmer, Familie, und ich bin mir sicher, dass das JUZ das auch für viele andere in der Umgebung war. Nun habe ich das Gefühl, mit meinem Engagement im JUZ Burglengenfeld etwas zurückzugeben.

Jule Richter: Neben den sozialen Aspekten, die alternative Freiräume wie das JUZ erschaffen, bieten die Mitgliedschaft, ein Beisitz oder ein Vorstandsposten auch jede Menge Lernraum. Man lernt von und mit anderen Menschen, zum Beispiel das Führen von Kassenbüchern oder das Organisieren von Festivals. Vor allem aber habe ich gelernt, im Team zu arbeiten. Warum sollte mir ein konservativer Landrat die Freude am Gestalten meiner persönlichen Zukunft und der Zukunft dieser kulturhistorischen Jugendeinrichtung nehmen können?

Um zu veranschaulichen, wie bedeutsam das JUZ Ihrer Überzeugung nach ist, wurde im April 2022 eine Online-Petition gestartet. Wie war das Ergebnis?

Richter: Durchweg positiv. Exakt 3496 Menschen haben sich für uns stark gemacht, 870 von ihnen sind im Landkreis Schwandorf zuhause. In der Summe stehen also Tausende geschlossen hinter dem JUZ. Uns war allerdings auch klar, dass wir mit dieser Petition allein Landrat Thomas Ebeling nicht zum Umdenken bewegen würden.

Wie haben sich die Rückschläge des vergangenen Jahres insgesamt auf die Moral der JUZ-Freunde ausgewirkt? Macht sich nicht langsam Resignation breit?

Richter: Auch unser breiter Kreis an Unterstützern und Freunden ist keineswegs erfreut über die endlosen Versuche der CSU, alternative Kultur einzustampfen. Resignation ist aber ganz und gar nicht die Folge, eher das Gegenteil.

Können Sie das belegen?

Nees: Unsere letzten Veranstaltungen waren alle mit 50 bis 100 Gästen sehr gut besucht. Unsere Mitgliederanzahl bewegt sich in Richtung 200, steigt also wie die letzten Jahre auch an. Die Situation scheint also eher mehr Menschen zu motivieren, ins JUZ zu kommen.

Wann hat der JUZ-Vorstand zum letzten Mal was aus dem Landratsamt gehört?

Richter: Das letzte Mal in diesem Kontext Mitte September 2023. Nachdem wir erst über einen Monat auf eine Antwort auf eine ausführliche E-Mail mit verschiedensten Fragen warten mussten, lautete diese schließlich nur, dass es keinen neuen Sachstand gebe und der Verkauf des Hauses weiter vorbereitet werde.

Nees: Außerdem wurde uns vor kurzem mitgeteilt, dass sich die Hausverwaltung geändert hat und dass junge Geflüchtete in dem bewohnbaren Teil der Liegenschaft einquartiert worden sind. Wir wurden um eine integrative Nachbarschaftskultur gebeten.

Und funktioniert das?

Richter: Mit Freude konnten wir an unserem Jahresabschlusskonzert feststellen, dass einige dieser jungen Menschen mit unserem regulären Publikum getanzt haben. Unsere Nachbarn laden wir grundsätzlich gern bei freiem Eintritt auf ein kostenloses Getränk zu uns ein.

Nach unserem Kenntnisstand wurde mittlerweile für das Gebäude ein Wertgutachten erstellt. Und im ersten Quartal 2024 soll es über die Sparkasse vermarktet werden. Was sagen Sie dazu?

Nees: Aus unserer Sicht ist es wahrscheinlich, dass sich kein Käufer finden wird, zumal auch jedem Interessenten klar sein dürfte, was es für einen enormen Aufwand bedeuten würde zu versuchen, unseren Verein rauszuwerfen. Das JUZ Burglengenfeld ist Risiko-Investment.

Im Frühjahr 2023 wurde bekannt, dass die JUZ-Initiative nach dem Vorbild in anderen Städten über das sogenannte Mietshäuser-Syndikat selbst Eigentümer werden wollte oder könnte. Wurde das mittlerweile konkret geprüft?

Richter: Nein. Wir sind da realistisch. Der Landkreis beziehungsweise das Landratsamt müssten einwilligen, das Haus an uns zu verkaufen, was nicht geschehen wird. Allen Beteiligten ist lange klar, dass es dem Landrat und Konsorten einzig und allein darum geht, das JUZ dicht zu machen.

Bliebe noch die Möglichkeit eines Umzugs. Wurde nach alternativen Standorten für ein „Vereinsheim“ gesucht?

Richter: Nein. Wir sind überzeugt, dass wir unser JUZ, in dem wir seit 1974 unser Zuhause haben, halten werden und auch weitere 50 Jahre von hier aus wertvolle Jugend- und Kulturarbeit leisten werden.

Wie sieht der Plan für 2024 aus?

Nees: Wir planen Veranstaltungen und Angebote wie gehabt. Nur weil ein paar alte Herren in Schwandorf von Verkauf und Schließung fabulieren, gibt es nicht weniger Bedarf an Kultur, und den wollen wir auch in Zukunft decken. An „langsam ausklingen lassen“ denkt bei uns jedenfalls niemand. Das JUZ Burglengenfeld bleibt!

Der neue Vorsitzende Emanuel Nees Foto: Thomas Rieke
Jule Richter wurde als 2. Vorsitzende bestätigt. Foto: Thomas Rieke