Die Vituskirche: Ein Fass ohne Boden? – Experten ermitteln die Sanierungskosten

Als Dekan Michael Hirmer 2023 sein Amt als neuer Pfarrer von Burglengenfeld angetreten hat, sah er sich einer Mammutaufgabe gegenüber. Nicht nur, dass er die bis dahin selbstständigen Pfarreien St. Vitus und St. Josef vorzeitig zusammenführen sollte, auch die Zukunft des Pfarrheims St. Michael (VAZ) galt es zu klären. Diese Probleme hat Hirmer längst gelöst, doch die spannendste Baustelle hat er noch vor sich: die Sanierung der Pfarrkirche in der Altstadt.
St. Vitus weist seit längerem schwere Schäden auf. Schon Hirmers Vorgänger, Franz Baumgartner, bereiteten sie arges Kopfzerbrechen. Faustdicke Risse taten sich in der Turmanlage auf, weshalb seit 2021 die Glocken nicht mehr läuten durften.
Im Herbst 2023, kurz nachdem Hirmer offiziell sein Amt als Chef der neuen katholischen Stadtkirche angetreten hatte, musste auch noch das Langhaus für Besucher und Gottesdienste gesperrt werden, da ein Absturz der barocken Decke zu befürchten war. Mit Hilfe einer Notmaßnahme vor dem Weihnachtsfest desselben Jahres wurde sie provisorisch stabilisiert.
2023 stand bereits eine Teilprofanierung zur Debatte
Spätestens seit diesem Zeitpunkt stellten sich Beobachter immer öfter die Frage, was aus dem Gotteshaus insgesamt wohl werden würde. Die Rücklagen der Kirchenstiftung sind überschaubar. Sollte der Pfarrer am Ende gezwungen sein, die Kirche aufzugeben?
Fast schien es schon soweit: Im Februar 2023 wurde bekannt, dass Hirmer den neueren Teil der Vituskirche gern an die Stadt abgetreten hätte. Sie sollte ihn künftig als Raum für Empfänge und kulturelle Veranstaltungen nutzen. Die Idee wurde mit einem „Nein“ zu einer Machbarkeitsstudie im Keim erstickt.
Nun aber tut sich Neues: Ein Expertenteam hat den Auftrag, das Gotteshaus genau unter die Lupe zu nehmen, um das komplette Schadensausmaß zu dokumentieren. Der Fokus richtet sich nicht nur auf die Statik des Hauptdachs und des Turms, die gesamte Raumschale wird gründlich untersucht. Besonderes Augenmerk gilt den wertvollen Fresken.
Ein großes Thema ist auch der Schädlingsbefall. Schon länger ist bekannt, dass der Holzwurm und der Hausbock der Substanz zusetzen. Betroffen sind das Dachstuhlgebälk, aber auch Teile der Innenausstattung. Ein historischer Beichtstuhl war so stark befallen, dass kürzlich eine umgehende Beseitigung angeordnet wurde. Dabei leistete ein Helferteam aus der Pfarrei wertvolle Dienste.




Ein weiteres Thema: aufsteigende Feuchtigkeit. Vor allem an den Außenwänden sind die Folgen sichtbar. Experten haben an diversen Stellen Bohrungen durchgeführt, um zu eruieren, in welchem Umfang der Putz abgeklopft werden muss. Mit der Koordination der Arbeiten hat die Kirchenverwaltung den Regensburger Architekten Michael Feil beauftragt. Hirmer hat mit ihm schon bei anderen Projekten, zum Beispiel bei der Turnsanierung in Saltendorf, gute Erfahrungen gemacht und vertraut daher auch jetzt wieder gern auf seine Fähigkeiten.
Unterm Strich erwartet sich Hirmer bis zum Herbst nicht nur eine Gesamtübersicht der Schäden, sondern vor allem auch eine seriöse Berechnung der Kosten, die für eine Sanierung anfallen würden. Das sei erforderlich, „denn nur dann können wir weiter planen und nur dann wissen wir, was wir vielleicht schon sehr bald in Ordnung bringen müssen“, sagt der Pfarrer. Schon heute sei absehbar, dass das Dach der Kirche ganz oben auf der To-do-Liste stehen dürfte.
Rücklagen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein
Doch auch hier ist Geduld gefragt. Hirmer sagt, er wäre froh wenn diese Maßnahme 2029 erledigt wäre. Wie bei allem anderen auch, gilt es vorab die Finanzierung zu regeln. Zwar darf die Kirchenverwaltung mit einem 50-prozentigen Zuschuss des Bistums rechnen und vermutlich auch mit Geld vom Landesamt für Denkmalpflege. Aber auch die restliche Summe stelle für die Stadtkirche eine enorme Herausforderung dar.
Laut Hirmer belaufen sich die Rücklagen aktuell auf rund 250.000 Euro. Das sei angesichts der Fixkosten und dessen, was auf die Pfarrei zukommen werde, „eigentlich gar nichts“. Daher will der Geistliche für die Sanierung die Werbetrommel rühren. Nötig seien öffentliche Gelder und Großspender. Sonst sei das Gotteshaus nicht zu halten. Von der Stadt Burglengenfeld erwartet sich Hirmer nach eigener Aussage derzeit nichts. Die Weigerung, sich an der Studie zu beteiligen, welche die Basis für eine Teilübergabe des Gebäudes an die Stadt hätte sein können, hat Spuren hinterlassen.
Andererseits räumt Hirmer ein, dass die ersten Gespräche mit dem neuen Bürgermeister, Martin Antretter, sehr gut verlaufen seien. Man habe die eine oder andere Gemeinsamkeit festgestellt, zum Beispiel die knappen Finanzen. Trotzdem versuchten beide Seiten so viel wie möglich zu bewegen.
Das Gotteshaus war immer wieder eine Baustelle
• St. Vitus: Die Geschichte der Burglengenfelder Kirche beginnt, so ist auf der Homepage der Pfarrei nachzulesen, um 1315 mit der Errichtung des Bauwerks.
• Erhalt: Im Laufe der Jahrhunderte war es mehrfach erforderlich, Teile des Gebäudes zu erneuern. Stark gelitten hat die Kirche unter den Wirren des 30-jährigen Kriegs. Nach Friedensschluss besserten sich die Verhältnisse allmählich, zwischen 1661 und 1665 wurden Schäden beseitigt.
• Parallele: Für 1882 ist ein Ereignis dokumentiert, das stark an die jüngere Vergangenheit erinnert. Das Glockenhaus war so baufällig geworden, dass das Einstellen des Geläuts anordnet wurde.
• Ausbau: Auf Initiative des Geistlichen Rats Josef Graf konnte 1937 der Grundstein für einen Anbau gelegt werden. Bischof Michael Buchberger weihte ihn 1938 ein.
• 1963/65: Unter Stadtpfarrer Josef Bock erfolgten umfangreiche Renovierungen und Veränderungen.
• 1985: Auf Initiative von Pfarrer Willibald Baumgartner wurden die Deckengemälde restauriert.