Wann kommt endlich das Rot zurück? Rechtsstreit ums Jahnstadion Regensburg geht weiter

Von Rainer Wendl · 11. August 2026 um 05:00

Die immer stärker ausbleichenden Dach- und Fassadenflächen des Regensburger Jahnstadions sind längst juristisch als Baumangel definiert. Warum wird die Farbe dennoch nicht korrigiert?

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In Spitzenzeiten passieren auf der A3 bis zu 100.000 Fahrzeuge am Tag das Jahnstadion, am kommenden Sonntag werden um die 10.000 Zuschauer in die Arena strömen. Beim Vorbeifahren und erst recht beim Blick aus nächster Nähe fällt auf: Das einst kräftige Rot des vor elf Jahren fertiggestellten Bauwerks bleicht immer mehr aus. Obwohl dieses optische Phänomen längst als handfester Baumangel klassifiziert wurde, lässt die Farbkorrektur noch unbestimmte Zeit auf sich warten.

„In dieser Sache hat sich nichts bewegt“, informiert Martin Gottschalk, Sprecher des Stadionbetreibers Stadtwerk, über den Stand der Dinge.

10.000 Quadratmeter Dach- und Fassadenfläche

Das bedeutet, dass auch 15 Monate nach einem eindeutigen Richterspruch im Rechtsstreit um das Dach- und Fassadenrot keine Klarheit herrscht. Bereits 2018 und damit noch innerhalb der Gewährleistungsfrist hatte die Stadt als Bauherr die damals schon beginnende Ausbleichung als Mangel moniert. Da keine außergerichtliche Einigung erzielt werden konnte, kam es Jahre später zum Prozess. An dessen Ende stellte das Landgericht Regensburg im Mai 2025 fest: „Die Farbunterschiede stellen einen Mangel dar im Rechtssinn.“

Die Zech Sports GmbH, Generalunternehmer beim Stadionbau, wurde in erster Instanz dazu verurteilt, der Stadt eine Vorschusssumme von 440.895 Euro zuzüglich Zinsen an Schadenersatz zu zahlen. Dagegen wurde Berufung eingelegt, seither herrscht Funkstille. „Der Einspruch gegen das erste Urteil liegt weiterhin beim OLG. Wir kennen auch noch keinen Termin für eine nächste Verhandlung“, teilt Gottschalk mit.

Die rote Dachfarbe prägt die architektonische Wahrnehmung und Wirkung des Jahnstadions entscheidend.Philipp Hausner, Jahn-Geschäftsführer

Jahn-Geschäftsführer Philipp Hausner hat in der Angelegenheit denselben spärlichen Wissensstand. Bis zur juristischen Klärung durch das Oberlandesgericht Nürnberg bleibe Warten die einzige Option, meint er. „Konkrete Detailplanungen und ein verlässlicher Zeitplan für eine Erneuerung können erst nach Vorliegen des rechtskräftigen Urteils erstellt werden.“

An der grundsätzlichen Wiederherstellung des kräftigen Rots besteht indes kein Zweifel. „Die rote Dachfarbe prägt die architektonische Wahrnehmung und Wirkung des Jahnstadions entscheidend“, betont Hausner, dass der Anstrich weit mehr ist als ein verzichtbarer gestalterischer Gag. „Der ursprünglich ausgewählte Rotton steht gleichermaßen für die Farben der Stadt Regensburg und des SSV Jahn. Dementsprechend ist es für alle Beteiligten unbefriedigend, dass sich diese Farbgebung im Zeitverlauf signifikant verändert hat.“

Auch ein Vorzeigeprojekt in Sachen Energiewende

Der einzige Vorteil der Verzögerung besteht darin, dass die Sanierung der insgesamt 10.000 Quadratmeter Dach- und Fassadenfläche ausgiebig geplant werden kann. Mit bloßem „Anmalen“ wird es bei Weitem nicht getan sein, wie man beim Stadtwerk bereits seit dem Vorjahr weiß. Um aus dem aktuellen Korallenrot wieder ein klassisches Verkehrsrot – laut Farbtabelle ist der Wert RAL 3020 das Ziel – zu machen, muss der neue Anstrich nach der Grundierung in mehreren Arbeitsschritten aufgetragen werden. Für ein langfristig zufriedenstellendes Ergebnis ist zudem die Wahl des richtigen Lacks entscheidend – dieser muss witterungsfest und UV-beständig sein.

Solange die Korrektur nicht erfolgt ist, kann auch ein anderes Vorhaben nicht umgesetzt werden. Bereits Ende 2024 hatte der Stadtrat beschlossen, das Stadiondach mit einer Photovoltaikanlage nachzurüsten. Etwas mehr als eine Million Euro soll diese Neuerung kosten, die pro Jahr 630.000 Kilowattstunden Strom erzeugen könnte und deren Errichtung bereits für 2025 geplant war.

Für Ludwig Friedl, den Leiter der Energieagentur Regensburg, spielen solche Vorzeigeprojekte in Sachen Energiewende eine große Rolle. Mit dem Jahnstadion wäre nach der Donau-Arena auch die zweite große Sportstätte der Stadt ein Ort der nachhaltigen Stromgewinnung. „Ich hoffe, dass wir die Anlage nächstes Jahr in Betrieb nehmen können“, formuliert daher auch er sein Interesse an einer baldigen Farbsanierung.

Deren Tempo bestimmen alleine die Richter in Nürnberg. Und das Stadion zum Strahlen bringen kann bis dahin nur die Jahnelf.