Regensburger Fußball Arena bleicht aus: Blasses Jahnstadion ist ein Fall fürs Gericht

Das einst strahlende Rot bleicht immer mehr zu einem billig wirkenden Orange aus. So gesehen passt der optische Eindruck des Jahnstadions zur aktuellen sportlichen Situation des SSV: Der Lack ist ab, der Glanz dahin. Weil derartige Metaphern aber kein juristisches Kriterium sind, war der Schönheitsfehler am Donnerstag Inhalt einer Verhandlung am Landgericht.
Die Stadt Regensburg machte als Klägerin gegenüber der Zech Sports GmbH, dem Generalunternehmer beim Stadionbau, Ansprüche auf Vorschuss für Mängelbeseitigungskosten geltend, der Streitwert betrug 440.000 Euro.
Die zusehends verblassenden Trapezbleche stechen tagtäglich tausenden Nutzern der A3 ins Auge, für viele Einheimische sind sie ein Ärgernis.
Schon seit 2018 ein Thema
„Der ursprünglich ausgewählte Rotton steht gleichermaßen für die Farben der Stadt Regensburg und des SSV Jahn. Dementsprechend ist es für alle Seiten unbefriedigend, dass sich diese Farbgebung im Zeitverlauf signifikant verändert hat und mittlerweile stark aufgehellt ist“, bringt beispielsweise Jahn-Sprecher Hannes Liedl zum Ausdruck, dass es sich um mehr handelt als nur ein kosmetisches Problem.
Wie Martin Gottschalk von der Betreibergesellschaft Stadtwerk durchblicken lässt, wurde der Mangel an der im Juli 2015 eröffneten Arena bereits vor etlichen Jahren und damit vor Ablauf der Gewährleistung angezeigt. „Da keine außergerichtliche Einigung hinsichtlich des Schadens erzielt werden konnte, ist das Gericht mit dieser Sache befasst.“
Tatsächlich wurde im Verlauf der Verhandlung deutlich: Schon 2018 waren die Verfärbungen ein Thema – sieben Jahre später ist aber immer noch nicht klar, wann sie beseitigt werden, was es kostet und wer dafür aufkommen muss. Lediglich eine grobe Schätzung, wonach allein für die Reinigung der Bleche fünf bis 20 Euro pro Quadratmeter anfallen könnten, gibt es – bei insgesamt 10 000 Quadratmetern Fläche, aufgeteilt auf 6000 Quadratmeter Dach und 4000 Quadratmeter Fassade, kann die Sanierung also teuer werden.
Ein promovierter Chemiker aus Hessen führte als Sachverständiger aus, dass für die Wiederherstellung eines einheitlichen Erscheinungsbilds neben der Reinigung auch eine UV-beständige Beschichtung und neue Farbe nötig sei. Doch auch auf dem Dach?
PV-Anlage kommt aufs Dach
Der Regensburger Rechtsanwalt Gerhard Lippl warf als Vertreter des seinerzeit mit den Trapezflächen beauftragten Subunternehmers ein, dass hier eine Photovoltaikanlage geplant sei. Stadion-Betriebsleiter Sebastian Graf bestritt dies nicht – das Hauptaugenmerk liege aber auf der wulstartigen Fassade: „Die Rundungen sind sehr präsent und markant und bringen das Gebäude architektonisch zur Wirkung.“
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Das Gericht stellte nach 90 Minuten klar, dass „dem Grunde nach“ ein Anspruch auf Vorschuss bestehe. Am 3. April verkündet es seine Entscheidung.