Schüler in Regenstauf bauen ihr eigenes Zukunftshaus – und das in nur drei Stunden

Von Sieglinde Geipel · 11. August 2026 um 11:00

In nur drei Stunden errichteten 20 Schülerinnen und Schüler der Umwelt-AG der Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule Regenstauf ihr eigenes kleines ZukunftsBauHaus. Gearbeitet wurde nach einem vorgegebenen Bausatz des Freilandmuseums Oberpfalz. Wie sie die einzelnen Arbeitsschritte organisierten, die Aufgaben verteilten und gemeinsam zum Ziel kamen, entschieden die Jugendlichen jedoch selbst.

Fachlich begleitet wurden sie dabei von Bettina Kraus, André Ries, Leiter der Abteilung Historisches Bauen, sowie dem Team des Freilandmuseums Oberpfalz, das dort unterstützte, wo zusätzliche Hände oder fachliche Hinweise erforderlich waren.

Erst wenige Tage zuvor hatte die Schulfamilie erfahren, dass das bestehende Schulgebäude in den kommenden Jahren einem schadstofffreien Neubau weichen soll. Während darauf voraussichtlich noch einige Jahre gewartet werden muss, legten die Schülerinnen und Schüler kurzerhand selbst los und setzten sich ganz praktisch mit der Frage auseinander, wie nachhaltiges Bauen heute funktionieren kann.

Wie bei echtem Hausbau darf der Richtkranz nicht fehlen

Besonders beeindruckend war dabei die Zusammenarbeit. Jeder brachte seine eigenen Fähigkeiten ein, Aufgaben wurden selbstständig verteilt und Probleme gemeinsam gelöst. Das Museumsteam griff nur dort ein, wo fachliche Unterstützung erforderlich war. So erfuhren die Jugendlichen unmittelbar, wie wichtig Kommunikation, gegenseitige Unterstützung und Verantwortungsbewusstsein für das Gelingen eines Bauprojekts sind. Gleichzeitig wurden selbstständiges Planen, Eigeninitiative und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ganz selbstverständlich gefördert.

Die Schüler organisierten sich gut untereinander. - Foto: Sieglinde Geipel

Als das Bauwerk seine endgültige Höhe erreicht hatte, konnten sich nicht mehr alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig am Aufbau beteiligen. Untätig blieb deshalb aber niemand. Wie bei einem echten Hausbau durfte auch hier der selbst gebundene Richtkranz nicht fehlen. Eine Schülerin verfasste eigens einen Richtspruch. Darin heißt es unter anderem: „Es zeige jedem, groß und klein: Nachhaltig bauen lohnt sich fein.“ Spontan sorgten drei Mitglieder der Bläsergruppe der Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule für die musikalische Umrahmung des kleinen Richtfestes.

Nachhaltiges Bauen nicht nur theoretisch vermitteln

Für Lehrer Vinzenz Lehner war das Projekt ein voller Erfolg. „Ich war zwar dabei, wurde aber kaum gebraucht“, sagte er mit einem Schmunzeln. Besonders beeindruckt habe ihn, wie selbstverständlich sich die Schülerinnen und Schüler organisiert hätten. Jeder habe seine eigenen Fähigkeiten eingebracht, Verantwortung übernommen und aufmerksam die fachlichen Hinweise des Museumsteams umgesetzt. Auch am zweiten Projekttag zeigten alle Beteiligten viel Kreativität beim Bau von Modellen für nachhaltiges Wohnen. Auf diese Leistung könne die gesamte Umwelt-AG stolz sein.

Sonja Then, Lehrerin an der Realschule und im Netzwerk „Schule und Museum Bayern“ aktiv, hatte die Umsetzung des Projekts vor Ort initiiert. Ihr sei es wichtig gewesen, den Schülerinnen und Schülern nachhaltiges Bauen nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern sie dies auch ganz praktisch erleben zu lassen.

Bei dem Aufbau war Teamwork gefragt. - Foto: Sieglinde Geipel

Das Museumsangebot feierte an der Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule Regenstauf seine Premiere. Nach Angaben von Sonja Then startet das ZukunftsBauHaus von Regenstauf aus seiner Reise durch Bayern. Nach seinem Aufenthalt an der Realschule wird es an weitere interessierte Schulen weitergegeben und auch bei Lehrerfortbildungen vorgestellt. Noch ein bis zwei Wochen bleibt das Bauwerk auf dem Pausenhof stehen und kann dort besichtigt werden, bevor es an seinem nächsten Einsatzort erneut aufgebaut wird.

Nach seinem Start tourt das Projekt durch Bayern

Wie werden die Häuser der Zukunft aussehen? Mit welchen Materialien wird gebaut? Und wie können Gebäude entstehen, die Ressourcen schonen und frei von Schadstoffen sind? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Projekt „ZukunftsBauHaus“. Hinter der Initiative stehen das Freilandmuseum Oberpfalz und das Qualitätsnetzwerk Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) Bayern, vertreten von Vinzenz Lehner.

Untätig blieb niemand. - Foto: Sieglinde Geipel

Das Konzept wurde unter der Leitung von Dr. Tobias Hammerl entwickelt und von der Bayerischen Sparkassenstiftung sowie der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern als innovativstes und beispielgebendes museumspädagogisches Projekt des Jahres 2023 mit dem Förderpreis „Vermittlung im Museum“ ausgezeichnet. Mit seiner Premiere in Regenstauf hat das ZukunftsBauHaus nun gezeigt, wie nachhaltiges Bauen durch eigenes Tun erlebbar wird.