Vom Schulacker zur Garten-Akademie: Regenstaufer Schüler lernen, ein Feld zu bestellen

Von Sieglinde Geipel · 6. August 2026 um 09:00

Was zunächst als kleine Garten-AG gedacht war, hat sich innerhalb weniger Monate zu einem beeindruckenden Schulprojekt entwickelt. Mit der offiziellen Einweihung der Gemüseakademie an der Mittelschule am Schlossberg wurde nun sichtbar, wie aus einer Idee ein lebendiger Lernort entstanden ist. „Am schönsten ist es, wenn man sieht, wie aus einem kleinen Samenkorn nach und nach eine Pflanze wächst und man am Ende das Gemüse selbst ernten kann“, erzählte einer der Schüler und brachte damit die Begeisterung vieler Beteiligter auf den Punkt.

Den entscheidenden Anstoß gab der stellvertretende Schulleiter Christian Meßner. Während einer Fortbildung entdeckte er einen Flyer der Gemüseakademie des Vereins. Er brachte die Idee mit nach Regenstauf. Beim betreuenden Lehrer Florian Schreder rannte er damit offene Türen ein.

Garten-AG schuf den neuen Schulacker

Schnell fanden sich auch Schüler, die sich für die neue Garten-AG begeisterten. Gemeinsam machten sie sich daran, aus einer freien Fläche einen Schulgarten entstehen zu lassen – mit voller Unterstützung der Schulleitung.

Von der ersten Kontaktaufnahme an entwickelte sich das Vorhaben erstaunlich schnell. Gemeinsam mit Fachleuten der Gemüse-Akademie wurde ein geeigneter Standort gesucht, Bodenproben wurden entnommen und die Beetflächen geplant. Der Markt Regenstauf stellte das Grundstück zur Verfügung, der gemeindliche Bauhof bereitete die Fläche vor und unterstützte die Schule bei den ersten Erdarbeiten.

Die Gemüseakademie an der Mittelschule am Schlossberg ist offiziell eröffnet. Gemeinsam freuen sich Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Unterstützer über den neuen Lernort. - Foto: Sieglinde Geipel

Seitdem hat sich das Gelände sichtbar verändert. In den Beeten wachsen inzwischen unter anderem Kartoffeln, Radieschen, Chinakohl, Feldsalat, Spinat und Palmkohl. Woche für Woche säen, pflanzen, pflegen und ernten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrem Lehrer. Dabei lernen sie nicht nur verschiedene Gemüsearten kennen, sondern erleben unmittelbar, wie viel Arbeit, Geduld und Sorgfalt hinter der Erzeugung von Lebensmitteln steckt.

Für Florian Schreder macht gerade das eigene Erleben den besonderen Wert der Gemüse-Akademie aus. Die Schüler säen, pflanzen, pflegen und ernten selbst. Dadurch entstehe ein ganz anderes Verständnis für Lebensmittel als im Klassenzimmer allein. Wer eine Pflanze über Wochen wachsen sehe und schließlich selbst ernten könne, entwickle ganz nebenbei Wertschätzung für Natur und Ernährung.

Dass die Gartenarbeit den Schülern Freude bereitet, war bei der Einweihung deutlich zu spüren. Viele erzählten, dass sie auch zu Hause gerne im Garten helfen und sich jedes Mal freuen, wenn aus kleinen Pflänzchen kräftige Gemüsepflanzen heranwachsen und schließlich geerntet werden können. Einig waren sich allerdings alle: Das Unkrautjäten gehöre zwar zu den anstrengendsten Aufgaben, müsse aber eben sein. Manche kommen dafür sogar schon vor Unterrichtsbeginn in den Schulgarten.

Bürgermeister Josef Schindler zeigte sich beeindruckt, was in der kurzen Zeit bereits entstanden ist. Besonders hob er hervor, welchen Wert die Gemüseakademie für die Schülerinnen und Schüler habe. Hier könnten sie unmittelbar erleben, wie Lebensmittel erzeugt werden und welchen Aufwand es braucht, bis frisches Gemüse geerntet werden kann – Erfahrungen, die heute längst nicht mehr selbstverständlich seien.

Eine besondere Herausforderung ist die Versorgung des Gartens während der Sommerferien. Damit die Pflanzen in dieser Zeit nicht vertrocknen, wurde ein modernes, appgesteuertes Bewässerungssystem installiert, das zuverlässig für den nötigen „Regen“ sorgt und den Garten auch während der schulfreien Zeit mit Wasser versorgt.

Schulküche soll das Gemüse verarbeiten

Im kommenden Schuljahr wird das Projekt einen weiteren Schritt machen. Nach Abschluss der Generalsanierung der Schulküche sollen die selbst angebauten Früchte und das Gemüse dort gemeinsam verarbeitet werden. Erste Erfahrungen mit der Vermarktung der Ernte gibt es bereits: Ein Verkaufsnachmittag mit den Erzeugnissen aus dem Schulgarten fand großen Anklang.

Für Florian Schreder und die Schulleitung ist die Gemüse-Akademie deshalb weit mehr als ein Schulgarten. Sie verbindet Natur, Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung mit praktischem Lernen – und zeigt den Schülern Tag für Tag, wie aus einem kleinen Samenkorn mit Geduld, Pflege und gemeinsamer Arbeit eine reiche Ernte entstehen kann.