Nach Tod von Pfarrer Schießl: Alter Bekannter kehrt in Pfarrei Bernhardswald zurück

Die Trauer ist nicht überwunden, die gemeinsame Zeit mit Pfarrer Josef Schießl – vor vier Wochen mit nur 46 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben – nicht vergessen und doch geht der Blick in der Pfarreiengemeinschaft Wenzenbach-Bernhardswald (Landkreis Regensburg) nach vorne. Vergangenes Wochenende verkündete Barbings Pfarrer Stefan Wissel, dass er Schießls Nachfolge in der großen Pfarreiengemeinschaft antritt. Dort ist er – zumindest teilweise – ein alter Bekannter.
Von 2012 bis 2017 wirkte Wissel als Pfarrvikar in Pettenreuth, unterstützte Pfarrer Alois Schmidt auch in Bernhardswald und Lambertsneukirchen. „Wunderbar“ sei die Rückkehr von Wissel, sagt Bernhardswalds Bürgermeister Florian Obermeier, „die Ideallösung“, auch weil die Vakanz bereits zum 1. Oktober geschlossen wird.
Es ist traumatisch, wenn ein Pfarrer stirbt. Die Not in der Pfarrei war der Hauptbeweggrund.Pfarrer Stefan Wissel zu seiner Rückkehr nach Bernhardswald
Wissel selbst teilte in seinem Abschiedsbrief an die Barbinger Gläubigen zur Erklärung seiner Rückkehr in die Gemeinde Bernhardswald mit: „Ich mag die Menschen dort sehr, ich mag die Gegend.“ Für ihn sei es vor allem aber wichtig gewesen, dass dort schnell ein Seelsorger übernimmt: „Es ist traumatisch, wenn ein Pfarrer stirbt. Die Not in der Pfarrei war der Hauptbeweggrund.“ Wo Not herrsche, dort müsse Kirche aktiv werden.
Wissel sei gleicher Schlag Mensch wie sein Vorgänger
Das beruht auf Gegenseitigkeit. Bei aller Freude auf Stefan Wissel fehlt bei Obermeier jedoch nicht der Nachsatz: „Die Arbeit von Josef Schießl bleibt aber unvergessen.“ Obermeier bezeichnet Wissel als „ungefähr den gleichen Menschenschlag wie Pfarrer Schießl“. Heißt: nahbar, leger, auf Augenhöhe mit den Mitbürgern. In Barbing hat Wissel Hardrock-Gottesdienste mit der lokalen Band AC/BC gefeiert, war beim Fasching als blauer Schlumpf unterwegs und segnete zuletzt ein restauriertes Wegkreuz in Turnschuhen, Jeans und T-Shirt, die Stola lässig übergeworfen. In Bernhardswald sorgte Pfarrer Schießl mit einem Auftritt in Schlappen und kurzen Hosen beim Johannifeuer für einen – bei vielen willkommenen – Stilbruch. Pfarrer kannte man dort zuvor nur in Kollar.

Noch keine direkten Überschneidungspunkte hatte Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch mit Pfarrer Wissel. Erst im vergangenen September wurden die Pfarreien Wenzenbach und Bernhardswald zusammengelegt. Nichtsdestotrotz blickt Koch mit Vorfreude auf die Ankunft Wissels: „Ich höre nur das Beste aus Barbing. Die sind alle sehr traurig, dass er geht. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.“
Offenbar wurde der Handlungsbedarf gesehen.Sebastian Koch, Wenzenbachs Bürgermeister
Mit Verweis auf ausfallende Gottesdienste und kommunalpolitische Themen, die mit der Kirche zu besprechen seien, etwa wenn es um den Kindergarten geht, lobt Koch, dass außertourlich zum 1. Oktober ein Nachfolger für Josef Schießl gefunden wurde: „Offenbar wurde der Handlungsbedarf gesehen.“
Das bestätigt Dr. Dr. Stefan Groß, Pressesprecher der Diözese Regensburg, auf MZ-Anfrage. Zunächst habe auch im Bischöflichen Ordinariat der Schock über Schießls Herzinfarkt und einige Tage später seinen Tod geherrscht. „Die Nachricht hat tiefe Betroffenheit ausgelöst“, sagt Groß. „Die Gedanken waren sofort auch bei den Angehörigen und den Mitarbeitern im Pfarrteam, sowie bei den Gläubigen der Pfarreien.“ Nun galt es für das Ordinariat, rasch eine völlig unvorhergesehen offen gewordene Stelle zu besetzen. Eine Nachfolgersuche gehe grundsätzlich mit „intensiven internen Beratungen und Gesprächen“ einher, sagt Groß.
Zu lange Übergangszeit wäre unzumutbar gewesen
„Hinzu kam in dieser Situation der Druck, dass die Personalplanung für 2026 bereits abgeschlossen war, Versetzungen normalerweise zum 1. September eines Jahres greifen und der Pfarreiengemeinschaft keine zu lange Übergangszeit zugemutet werden sollte.“ Man sei entsprechend mit außergewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert gewesen. „Ich war überrascht, dass so schnell eine Lösung gefunden wurde“, sagt Obermeier. Seine Befürchtung ging dahin, dass die dauerhafte Nachfolge von Schießl erst Anfang September 2027 geregelt werden könnte.
Es wartet eine große Aufgabe auf Wissel
Die Nachfolger-Wahl ist bekanntlich auf Pfarrer Wissel gefallen. Der 55-Jährige habe selbst seine Bereitschaft erklärt, teilt Groß mit. „Er bringt menschliche Reife und langjährige Seelsorgeerfahrung aus verschiedenen Bereichen als Pfarrer und Diözesanpräses des Kolpingwerkes mit, hat Leitungserfahrung und Teamfähigkeit“, beschreibt der Sprecher den Pfarrer. Wissel zeige zudem hohe seelsorgerliche, menschenzugewandte Kompetenz.
Wenzenbachs Bürgermeister Koch hofft, dass sich Wissel rasch in die gewaltige Aufgabe einarbeiten kann. Obermeier ist zuversichtlich: „Für ihn ist es natürlich auch einfacher, wenn er schon so eine große Pfarreiengemeinschaft übernimmt, dass er zumindst die Hälfte davon schon kennt.“
Zusammenhalt seiner Schäfchen hätte Pfarrer Schießl gefallen
Bis zu Wissels Antritt am 1. Oktober bleibt Pfarrvikar Amuthavalan Michael Antony als Pfarradministrator eingesetzt und wird „mit dem pastoralen Team den seelsorgerlichen Dienst ausgezeichnet tun“, wie Groß sagt. Obermeier bestätigt, dass die Übergangszeit gut überbrückt wird. „Es sind ja auch Aushilfspfarrer da, das passt schon.“ Die Unterstützung und das Verständnis der Gläubigen und Mitarbeiter in dieser schwierigen Übergangszeit, sagt Groß, sei ein Vermächtnis davon, wie Pfarrer Schießl Gemeindearbeit geprägt habe: als Zusammenwirken aller.