Er lebte seine Berufung: Abschied von Bernhardswalds Pfarrer Josef Schießl (46)

Pfarrer Josef Schießl, zuletzt in der Pfarreiengemeinschaft Wenzenbach-Bernhardswald (Landkreis Regensburg) tätig, lebte seine Berufung. Vor einer Woche, am 9. Juli, ist der beliebte Seelsorger im Alter von nur 46 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben – ein Blick auf sein Leben und Wirken.
„Martina“, weist der 14-jährige Josef Schießl seine ältere Schwester zurecht, als die den hübschen Burschen mit einer Freundin verkuppeln will, „ich sage es dir jetzt ein einziges Mal: Ich habe eine Berufung und der folge ich“. Diese Mission ist der Glaube, die Seelsorge, die Hilfe für Menschen in Not. Was der 14-jährige Josef Schießl einst seiner Schwester ankündigte, setzt er in die Tat um: Er wird Pfarrer, mit Leib und Seele.
Bevölkerung trauert um beliebten Pfarrer
Mit 46 Jahren ist Schießl vor einer Woche – auf den Tag genau 20 Jahre nach seiner Primiz – an einem Herzinfarkt gestorben. In den Gemeinden in denen er zuletzt wirkte, 14 Jahre lang in Zeitlarn, seit September in Bernhardswald und Wenzenbach, herrscht tiefe Betroffenheit über den Verlust des bescheidenen, liebenswerten Menschen und Seelsorgers.
Die ersten Schritte des „Stiefelbauer-Josef“
Geboren ist Josef Schießl am 23. Januar 1980 in Straubing. Er wächst auf dem elternlichen Bauernhof in Paitzkofen bei Straßkirchen auf, berichtet Martina Murrer aus dem Leben ihres jüngeren Bruders. Schon in der Grundschule erzählt er – wegen seiner Markenzeichen Stiefel und Strohhut als „Stiefelbauer-Josef“ bekannt – den Lehrern, dass er nicht versprechen können, sich jeden Tag Zeit für den Unterricht freizuschaufeln. Schließlich habe er daheim eine Landwirtschaft.
Der Weg ins Priesteramt ist vorgezeichnet
Neben der Liebe zu Feldarbeit und Tieren steht schon immer der Glaube. Eine alte Wickelkommode baut er als Kind zum Altar samt Kerzen um, stundenlang spielt er mit einer Freundin mit rotem Saft und Oblaten Wandlung. Als Ministrant fachsimpelt er mit dem Heimatpfarrer und Mesner über Glaubensfragen. Als Josef Schießl mitten im Abitur steckt, stirbt der Vater – mit 54 Jahren an einem Herzinfarkt. Schießl kümmert sich um die Landwirtschaft, dauerhaft übernehmen wird er sie nicht. Die Berufung steht im Weg.
Er war ein Mensch unter Menschen.Martina Murrer, Schwester von Josef Schießl
2000 tritt Schießl ins Priesterseminar ein, studiert in Regensburg und München Theologie. Im Juni 2006 wird er von Bischof Müller zum Diakon geweiht, am 9. Juli folgt seine Primiz. Als Kaplan wirkt er bis 2010 in der Regensburger Gemeinde St. Konrad, 2011 übernimmt er als Pfarrer die Zeitlarner Pfarrei St. Bartholomäus. Im September 2025 wurde er in der neu geschaffenen Gemeinschaftspfarrei Wenzenbach-Bernhardswald installiert. „Er war ein Mensch unter Menschen“, beschreibt Murrer ihren Bruder als Pfarrer.
Als er in Bernhardswald im Pfarrhaus einzieht, richtet er zuerst den Garten nach seinen Vorstellungen her und baut einen Stall für seine geliebten Hühner. Man bekommt Schießl aus der Landwirtschaft, den Landwirt bekommt man nicht aus Schießl. Passanten kommen vorbei, erzählt Schwester Martina Murrer, und halten Schießl wohl für einen Gärtner. „Machen Sies nur schön für den neuen Pfarrer“, geben sie ihm mit. „Ja freilich“, entgegnet Schießl ohne sich zu erkennen zu geben, „der soll sich schon wohlfühlen“.
Zum Johannifeuer in Schlappen und Shorts
Das habe ihren Bruder gekennzeichnet, sagt Schießl, er habe sich nie in den Vordergrund gedrängt. Zum Johannifeuer sei er in kurzer Hose und Schlappen gekommen, die Stola hing fast bis zur Erde. Seine Botschaft an die Gemeinde: Mir ist genauso heiß wie euch, ich schwitze auch, wir sitzen alle im selben Boot. In Bernhardswald, wo man Pfarrer gewohnt war, die auch für den Einkauf beim Metzger das Kollar anlegen, ist das eine kleine Revolution – für viele aber ein willkommener Wandel. Bürgermeister Florian Obermeier berichtet ebenso wie seine Zeitlarner Kollegin Andrea Dobsch und Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch von tiefer Betroffenheit in der Bevölkerung ob des frühen Todes des Seelsorgers.
Die Gemeinde sei für ihn immer an erster Stelle gekommen, sagt Murrer. Völlig erkältet und entkräftet habe er drei Beerdigungen an einem Tag gehalten. Am Weihnachtstag habe er keinen Anruf am Handy ignoriert. „Schon' dich doch mal“, redeten ihm Schwester und Mutter ins Gewissen – ohne Erfolg. „Die Menschen brauchen mich doch“, habe Schießl stets gesagt. Seine Berufung lässt ihn nicht ruhen.
Ein Mann mit vielen Talenten
Murrer beschreibt ihren Bruder als fröhliches, geselliges Multi-Talent. Gerne habe er gekocht und gegärtnert, in der Musik sei er aufgegangen. Klavier, Orgel und Akkordeon, alles habe er sich selbst beigebracht. Am Samstag, 4. Juli, wird es still in Schießls Leben. Am Nachmittag fährt er zurück von einem Freund nach Bernhardswald. Um 17 Uhr ist ein Gottesdienst angesetzt, um Schießls 20-jähriges Priesterjubiläum zu feiern.
Gerettet von einem Bauern: Es hätte so gut gepasst
Die Messe muss abgesagt werden, denn „die gleiche Geschichte wiederholt sich“, sagt Murrer im Gedenken an den Tod des Vaters, „ein Herzinfarkt“. Schießl merkt es hinterm Steuer, fährt mit Warnblinkanlage rechts ran. Ein Landwirt im Traktor kommt vorbei und alarmiert den Notruf. „Wie passend“, sagt Schießls Schwester, „ein Bauer rettet ihn“. Nur: Er rettet ihn nicht mehr. Fünf Tage später, am 9. Juli um 20.37 Uhr, stirbt Josef Schießl im Alter von nur 46 Jahren im Kreis seiner Familie und eines befreundeten geistlichen Beistands an den Folgen des Hinterwandinfarkts.
„Er wollte, dass sich die Menschen verstehen, er wollte eine bessere Welt“, beschreibt Martina Murrer die Berufung ihres Bruders. In seinem Umfeld sei ihm das gelungen. „Er hat tiefe Spuren hinterlassen. Er hat seine Mission erfüllt.“
Abschied nehmen von Josef Schießl
• Gedenkgottesdienst: Am Samstag wird in der Pfarrkirche St. Stefan in Straßkirchen um 19 Uhr ein Gedenkgottesdienst für Pfarrer Josef Schießl gefeiert.
• Vesper und Requiem: In Bernhardswald, wo Schießl seit September lebte und in der Pfarreiengemeinschaft mit Wenzenbach als Seelsorger wirkte, findet am Sonntag um 18 Uhr die Totenvesper in der Pfarrkirche St. Bernhard statt. Am Montag um 10 Uhr wird ebenfalls in Bernhardswald ein Requiem abgehalten.
• Beerdigung: Beigesetzt wird Josef Schießl am Montag um 15 Uhr auf dem Friedhof in Paitzkofen in der Gemeinde Straßkirchen.
• Trauergottesdienst: Am Donnerstag, 23. Juli, wird um 18.30 Uhr in Zeitlarn in der Pfarrkirche St. Bartholomäus ein Trauergottesdienst gefeiert.
• Spende: Anstelle von Blumen zur Beisetzung bittet die Familie um eine Spende zugunsten des Vereins Hoffnung für Menschen, dem Schießl sehr verbunden war. Der Verein hat sich der Unterstützung von Witwen und Waisen in Indien verschrieben.