Von eCall alarmiert: Horror-Crash an der A3 bei Nittendorf bringt Retter an ihre Grenzen

Drei Männer sterben bei tragischem Unfall nahe Regensburg. Das Autowrack ortet erst ein Helikopter. Die Autobahn ist wieder frei, die Bahn arbeitet mit Hochdruck daran, die Schäden an der Strecke zu beheben. So lief der stundenlange Einsatz, der Ehrenamtliche und Spezialisten massiv forderte.
Es ist ein äußerst tragischer Tod an der Autobahn: Drei Männer verlieren am Donnerstag ihr Leben bei einem fatalen Crash auf der A3 bei Nittendorf im Landkreis Regensburg. Gut 200 Meter rast ihr VW Golf Kombi im Grünstreifen neben der Fahrbahn, ehe er gegen den Pfeiler der Überführung zu den darunterliegenden Gleise katapultiert wird. Trotz „eCall“ aus dem völlig zerstörten Wrack kommt gibt es keine Rettung – erst mit Hilfe aus der Luft finden die Einsatzkräfte zur Unfallstelle neben der Autobahn. Es wird für sie ein Tag voller Herausforderungen.
Um 6.53 Uhr geht der Notruf vom silberfarbenen Kombi bei der Leitstelle in Regensburg ein. Sensoren lösen den seit 2018 in allen Neuwagen vorgeschriebenen „eCall“ ganz automatisch aus. Kontakt zu den Insassen kann keiner hergestellt werden. Und der Ort, an dem das Wrack liegt, ist nicht leicht zu finden: Die Besatzung von Christoph Regensburg, dem am Uniklinikum stationierte Rettungshelikopter, lotst Feuerwehr und Rettungsdienst hin. Von der A3 aus ist rein gar nichts zu sehen.
Erst seit fünf Tagen lief der Bahnbetrieb wieder
Als die ersten Helfer eintreffen, liegt der silberne Wagen seitlich in einer steilen Böschung an der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg, gut vier Meter unterhalb der Autobahn. Die Gleise selbst hat der VW gar nicht berührt, aber die Oberleitung der Strecke zerstört, die über Monate hinweg nur über Schienenersatzverkehr mit Bussen am Laufen gehalten wurde. Erst vor wenigen Tagen, am vergangenen Samstag, ist der reguläre Betrieb auf den Schienen wieder aufgenommenen worden. Nun müssen wieder Bautrupps ran.

Die Bahn bestätigt, dass „ein Teil der Oberleitungsanlage auf rund 500 Metern beschädigt worden“ ist. Auch ein Kabeltrog sei bei dem Unfall in Mitleidenschaft gezogen worden – zwischen Regensburg-Prüfening und Undorf bleibt die Strecke den ganzen Tag gesperrt. Ziel sei, am Abend eines der Gleise befahrbar zu machen, das zweite Freitagfrüh. „Unsere Technikteams arbeiten mit Hochdruck an der Reparatur“, so eine Bahn-Sprecherin. Es sei vorerst ein Busnotverkehr eingerichtet.
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Ein Notfallmanager der Bahn koordiniert den Einsatz vor Ort. Denn: Zwei Züge bleiben liegen oder kommen wegen der Sperre der Strecke nicht mehr weiter. Betroffen ist Agilis. Im stromlosen Zug harren rund 80 Fahrgäste aus, bis sie am Vormittag evakuiert werden, sagt Pressesprecher Thomas Tomaschek. Der zweite Zug sei dafür auf das Gegengleis umgesetzt worden. So hätten die Menschen umsteigen können. Bahn und Feuerwehr hätten das in Abstimmung „gemeinsam organisiert“.
Der wegen des Oberleitungsschadens liegengebliebene Agilis-Zug, der auf dem Weg nach Regensburg war, muss am frühen Nachmittag von einer Diesellok an sein Ziel geschleppt werden. „Dass wir ganz ohne Strom dastehen, ist schon richtig außergewöhnlich“, sagt Tomaschek. Die Bergung des Zuges sei auch „gar nicht so einfach“. Ohne Spezialkupplung und Techniker, der die wegen des Stromausfalls aktivierte Notfallbremse wieder löst, gehe da gar nichts.

Doch auch für die Retter ist es ein anspruchsvoller Einsatz – in vielerlei Hinsicht. In Summe rücken rund 45 Ehrenamtliche der Feuerwehren an. Dazu drei Rettungswagen, zwei Notärzte und auch ein Rettungshubschrauber samt Notarzt. Hauptproblem: Die Unfallstelle ist von der A3 aus gar nicht zu sehen. Als sie dank der Luftrettung endlich doch ausgemacht ist, muss der VW Golf zunächst gesichert werden. Dicke Seile aus Stahl schützen das Wrack gegen einen Absturz. Befestigt sind die an einem der Einsatzfahrzeuge und an einem Baum.
Arbeiten in einem steilen Hang gestalten sich alles andere als einfach, sagt Einsatzleiter und Kreisbrandinspektor Michael Seebauer. Erst als der völlig zerstörte Wagen auf die Räder gestellt ist, kann der Notarzt zu den Opfern. Doch für sie kommt jede Hilfe zu spät. Die Männer stammen aus dem Rhein-Main-Gebiet in Hessen und könnten auf der Heimfahrt aus dem Urlaub gewesen sei. Darauf deuten Koffer und andere Utensilien, die später an der Unfallstelle eingesammelt werden.
Viele von uns sind Väter und Mütter – das steckt keiner einfach so weg.Michael Seebauer, Einsatzleiter der Feuerwehr
Was genau die Ursache des tragischen Unfalls ist, versuchen Polizei und Staatsanwaltschaft mit Hilfe eines Sachverständigen nun aufzuklären. Reifenspuren im Bankett neben der A3 zeugen davon, dass der VW offenbar gut 200 Meter vor der Überführung von der Fahrbahn abgekommen ist. Weder teils dichtes Gestrüpp, noch ein Wildschutzzaun vermögen die Fahrt zu stoppen. Bremsversuche sind nicht erkennbar.
Der silberne Kombi hebt dann offenbar sogar ab – wird gut 30 Meter durch die Luft katapultiert – und prallt augenscheinlich mit dem Dach voraus gegen einen der massiven Betonpfeiler der Überführung über die Gleisanlagen. Die Schienen berüht das Fahrzeug gar nicht. Seitlich bleibt das Wrack schließlich dort liegen. Alle drei Insassen in dem VW dürften wohl auf der Stelle tot gewesen sein.

Die Bergung des Fahrzeugs gestaltet sich ebenso schwierig. Um Einsatzkräfte nicht zu gefährden, entscheidet man sich dafür, das Wrack samt der Opfer aus dem Gleisbereich zu heben. Zunächst aber muss sichergestellt sein, dass die Bahnstrecke vollständig stromlos ist. Kurz vor 11 Uhr wird die Leitung geerdet. Gesichert mit Seilen haken Mitarbeiter des Abschleppdienstes dann die Gurte fest. Wenig später ist der durch den Aufprall fast bis zur Unkenntlichkeit verformte Kombi verzurrt zum Abtransport bereit.
Retter müssen Unfallopfer aus dem Wrack schneiden
Die größte Herausforderung steht da aber noch bevor. Die Opfer müssen aus dem Wrack geschnitten werden – aus Pietätsgründen passiert das nicht direkt auf der A3, sondern in einer Halle. Sowas sei sehr belastend. „Viele von uns sind Väter und Mütter“, sagt Einsatzleiter Seebauer, „das steckt keiner einfach weg.“ Dafür sei ein Feuerwehrseelsorger vor Ort. An einen vergleichbar schlimmen Unfall erinnert sich keiner der Retter. „Gott sei Dank.“
