Waldbrände: Kelheimer Feuerwehren rüsten sich mit Sondereinsatzplänen

Von Martin Rutrecht · 31. Juli 2026 um 19:00

Südwesteuropa erlebt gerade die dramatischen Ausmaße von Waldbränden. „Auch wir haben große Forstgebiete und es ist staubtrocken“, sagt Kelheims Kreisbrandrat Nikolaus Höfler zur Gefahrenlage im Landkreis. Die Feuerwehren bessern nun bei Ausrüstung und Alarmplanung nach.

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Immer wieder hören Feuerwehrkräfte in diesen Tagen eine Frage: „Ist das, was aktuell in Frankreich und Spanien geschieht, auch bei uns vorstellbar?“ Höfler will kein Schreckensszenario malen. „Aber man muss sich nur den Gefahrenindex zuletzt in Bayern ansehen: Er reichte von hoch bis sehr hoch.“ Hitze und Trockenheit haben die Vegetation ausgedörrt.

Bislang blieb der Landkreis Kelheim heuer von größeren Wald- oder Feldbränden verschont. „Hecken, kleinere Flächen und auch landwirtschaftliche Maschinen haben aber schon gebrannt“, weiß der Kreisbrandrat. Die Situation war auch schon anders: Vor drei Jahren kam es im Juli innerhalb von nur drei Wochen zu 14 Vegetationsbränden.

Kommandant schildert die Tücke von Glutnestern

Die Gefahr einer Ausbreitung steckt selbst in kleinen Feuern. Nach einem Blitzschlag brannte heuer am 14. Juli bei Herrnwahlthann ein Waldstreifen. „Der war überhaupt nicht groß, zehn auf eineinhalb Meter vielleicht“, schildert Harald Gruber, Kommandant der Feuerwehr des Ortes. Doch die Tücke liegt in den Glutnestern. „Wenn der Wind rein fährt, kann es das Feuer erneut entfachen.“

Mit Rechen wälzten die Einsatzkräfte die Erde um und spritzten gut 10.000 Liter Wasser drauf, so Gruber. Auch er blickt auf die Geschehnisse in Südwesteuropa. „Ich denke, der Vorteil bei uns ist, dass die Wälder mehr gepflegt und dürre Bäume rausgeräumt werden. So liegt weniger brennbares Material herum.“ Aber die zunehmenden Hitzeperioden würden auch hierzulande das Risiko von Flächenbränden erhöhen.

Vor drei Jahren brannten im Landkreis Kelheim binnen drei Wochen 14 Felder nieder. - Foto: Neumeyer/FFW Abensberg

Entsprechend mahnt Höfler vor Auslösern wie offenem Feuer. „Ein Funkenflug beim Grillen kann schon genügen. Das wird oft unterschätzt. Bei Wind breitet sich ein Feuer rasch aus.“ Die Regierung von Niederbayern appelliert dringend, in und nahe Wäldern äußerste Vorsicht walten zu lassen. Auch ein heißer Auspuff eines Fahrzeugs kann Wiesen entzünden. Zigaretten(-kippen) sind ohnehin ein Übel in der Natur. Bei landwirtschaftlichen Maschinen können Steinchen, Funkenflug oder ein technischer Defekt zu Bränden führen.

Aus den Dienstversammlungen der Kreisbrandinspektion im Landkreis heraus wurde vor einigen Jahren ein Arbeitskreis „Waldbrand“ initiiert. „Dabei befassen sich Kollegen ganz speziell mit dem Thema“, so Höfler. Eingerichtet wurde ein Lehrgang für Vegetationsbrände, der zweimal im Jahr mit rund 20 Teilnehmern abgehalten wird. Ausgerüstet wurden Feuerwehren mit Gerätesätzen „Waldbrand“ mit Rückenspritze, Harken und Schaufeln.

Aktuell werden Sondereinsatzpläne für größere Waldgebiete in der Region erstellt. „Momentan befassen wir uns mit dem ehemaligen Luft-Boden-Schießplatz im Dürnbucher Forst.“ Karten werden ausgearbeitet: Wo liegen Löschwasserentnahmestellen, wo könnte ein Hubschrauber landen, wo verlaufen Brandschneisen, wo Hauptwege? So können die Einsatzkräfte im Ernstfall zielgerichtet vorgehen. Weitere Forstgebiete sollen folgen.

Kreisregner funktioniert wie ein Gartensprenger

„Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse aus dem Einsatzgeschehen in anderen Regionen“, erklärt der Kreisbrandrat. So setzten Feuerwehren im Landkreis Erlangen-Höchstadt bei einem Brand im Tennenloher Forst sogenannte „Kreisregner“ ein. „Das kann man sich vorstellen wie große Gartensprenger, die ständig Wasser auf den gefährdeten Bereich spritzen.“ Damit eilten die Mittelfranken kürzlich bei einem Großbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern zu Hilfe. „Wir haben uns die Konzepte und Ausstattung in Herzogenaurach schon angesehen und lassen deren Erfahrungen in unsere Planung einfließen.“

An der Seite der Kelheimer Floriansjünger stehen auch viele Landwirte. Rund 200 Bauern halten mit Wasser gefüllte Güllefässer vor, weitere 80 springen mit Hopfenspritzen bei. „Extrem wichtig ist, dass sie uns auch mit Grubbern helfen können“, so der Kreisbrandrat. Damit wird die Erde um Brandherde aufgeworfen und so die Ausbreitung der Flammen verhindert. „Für uns sind die Landwirte ein wesentlicher Faktor: Zum einen können sie mit ihrem landwirtschaftlichen Gerät sehr schnell vor Ort sein, zum anderen sind viele von ihnen selbst bei der Feuerwehr.“ Alle zwei Jahre werden die in einer Liste geführten Bauern abtelefoniert, ob Güllefass bzw. Hopfenspritze noch vorhanden sind.

Angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit macht sich Kreisbrandrat Höfler für die Zukunft keine Illusionen. „Wir werden mit der Problematik Waldbrände zu kämpfen haben. Sie wird uns noch intensiver beschäftigen.“ Seine Hoffnung ist, „dass wir von solchen Ausmaßen wie in Frankreich und Spanien verschont bleiben“.

Zugriff von oben mit Beobachtungsflügen und Drohnen

Beobachtung: Die Regierung von Niederbayern hat im Einvernehmen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am Wochenende (1./2. August) und am Montag (3. August) Flüge über dem Bezirk angeordnet. An Bord sitzen ausgebildete Luftbeobachter.

Drohnen: Wichtige Aufklärungsarbeit leisten im Ernstfall Flugroboter. Über drei Einheiten verfügt der Landkreis bei den Feuerwehren Kelheim, Abensberg und Sandelzhausen. Brandherde und die Richtung des Feuers lassen sich gut erkennen.