Menschen vor Dönerbude in Schwandorf verletzt: Vor Gericht kochten die Emotionen hoch

Von Philipp Breu · 30. Juli 2026 um 16:31

Hat ein 28 Jahre alter Marokkaner absichtlich drei Landsmänner vor einem Dönerladen in Schwandorf verletzt oder war es ein Unfall? Diese Frage beschäftigt derzeit das Landgericht Amberg. Am zweiten Verhandlungstag wurde der Ton im Sitzungssaal deutlich rauer. Auslöser waren schwere Vorwürfe, die ein langjähriger Kumpel gegen den Angeklagten erhob.

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Die erschreckenden Szenen, die sich am 31. August 2025 in der Schwandorfer Innenstadt abspielten, haben viele Passanten mitbekommen. Es war ein lauer Sommerabend, der für eine Kugel Eis, zum Flanieren oder zum Essen gehen geradezu einlud. Gegen 19.30 Uhr war es mit der Idylle schlagartig vorbei. Ein schwarzes Auto fuhr in den Freisitz einer Dönerbude an der Friedrich-Ebert-Straße und erfasste dort drei Menschen, die gerade aßen. Sekunden später setzte der Wagen zurück, beschleunigte und rammte einen der Männer nochmals. Ein gebrochenes Handgelenk, kleinere Schürfwunden und Prellungen waren das Resultat. Schwer verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Der mutmaßliche Fahrer, ein 28 Jahre alter Marokkaner, stellte sich nach kurzer Flucht der Polizei und wurde festgenommen. Seit mehreren Monaten sitzt der Mann in Untersuchungshaft – und hüllt sich derzeit in Schweigen.

Die drei Opfer gehen von einem Unglück aus

Das war auch am Mittwoch so, als der Prozess am Landgericht Amberg startete. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten untere anderem versuchten Mord in drei Fällen sowie gefährliche Körperverletzung vor. Über seine Verteidiger Prof. Dr. Jan Bockemühl und Jörg Jendricke ließ der Mann am Mittwoch ausrichten, dass er keine Angaben machen möchte. Mehrere Augenzeugen und auch die drei Opfer wurden daraufhin befragt. Außerdem wurde das Video einer Überwachungskamera, die in der Dönerbude installiert war, mehrfach in Augenschein genommen.

Immer wieder tauchte beim Prozessauftakt die Frage nach dem Motiv auf. Schließlich kannten sich Täter und Opfer bestens, waren gar miteinander befreundet. Ein Streit, so schilderten es die drei betroffenen Männer, habe es mit dem Angeklagten zuvor eigentlich nicht gegeben. Vielmehr gingen die Geschädigten, alle ebenfalls Marokkaner, von einem Unglück aus. Einige Augenzeugen hatten eine andere Wahrnehmung. „Für mich hat das so ausgesehen, als wäre es Absicht gewesen“, sagte beispielsweise eine Frau, die am besagten Abend vor der benachbarten Eisdiele stand.

Mit diesem Auto soll der Angeklagte in die Personengruppe gefahren sein. - Foto: km, Archiv

Auch am Donnerstag sagten weitere Zeugen zur Sache aus. Die Schilderungen ähnelten sich. Beim ersten Aufprall in den Freisitz sei man noch davon ausgegangen, dass das Auto eigentlich am Straßenrand parken wollte und der Fahrer womöglich zu spät gebremst hatte. Doch als der Wagen zurücksetzte, anschließend beschleunigte und einen der drei Männer nochmals erfasste, stellte sich die Situation plötzlich ganz anders dar. „Es sah so aus, als wäre er direkt nochmal auf die Gruppe gefahren“, sagte ein Mann in Richtung des Angeklagten. Der Zeuge will auch beobachtet haben, dass der Fahrer „Vollgas“ gegeben habe und nach dem Aufprall mit versteinerter Miene hinter dem Steuer davongerast sei.

Bemerkenswert war auch die Aussage eines Kriminalpolizisten, der den Tatverdächtigen direkt nach dem Vorfall befragt hatte. Zu einem möglichen Motiv hätte sich dieser zwar nicht äußern wollen, dennoch hätte er einen Satz immer wieder wiederholt: „Ich bin provoziert worden, ich hatte keine andere Wahl.“ Gegenüber einer weiteren Polizistin soll der Angeklagte zudem geäußert haben, dass er „niemanden töten, nur verletzen“ wollte.

Langjährigen Kumpel mit Messer bedroht?

Unterdessen wurden am Donnerstag noch weitere Vorwürfe laut. So soll der Angeklagte einen langjährigen Kumpel bedroht haben. Wie dieser im Zeugenstand sagte, sollen ein Streit um ein Mädchen und eine aus dem Ruder gelaufene Partynacht in Regensburg die Auslöser gewesen sein. Bei einer gemeinsamen Aussprache in Schwandorf soll der Angeklagte den Zeugen dann von der Hauptstraße auf einen Feldweg gelockt und ein Messer gezückt haben. „Ich bin dann weggerannt“, sagte der junge Mann, dem es sichtlich schwer fiel, über die Sache zu sprechen – auch, weil der Bruder des Beschuldigten im Zuschauerbereich saß.

Während diesen Schilderungen schien der Angeklagte innerlich vor Wut zu kochen. Immer wieder rief er dazwischen, schüttelte den Kopf und musste des Öfteren vom Landgerichtspräsidenten Dr. Stefan Täschner ermahnt werden. „Das ist alles gelogen“, sagte der Angeklagte zu Verteidiger Jendricke. Der ließ die Sitzung für zehn Minuten unterbrechen, um sich mit seinem Mandanten unter vier Augen zu besprechen.

Zurück im Sitzungssaal kochten die Emotionen erneut hoch. Jendricke forderte vom Zeugen Namen von Personen, die bei der Partynacht in Regensburg dabei gewesen sind. Denn auch die kämen als Zeugen in Betracht. Das wiederum brachte Oberstaatsanwalt Holger Bluhm auf die Palme. Und auch Landgerichtspräsident Täschner fragte in Richtung des Verteidigers: „Wie viele Zeugen sollen wir denn noch vernehmen? Wollen Sie nicht auch am Montag fertig werden?“

Jendricke entschied sich schließlich dazu, zunächst Rücksprache mit seinem Kollegen Prof. Dr. Jan Bockemühl zu halten, der am Donnerstag wegen einer Terminüberschneidung nicht an der Sitzung teilnehmen konnte.

Mit 160 km/h durch Regensburg gebrettert

Nachdem sich die Gemüter wieder etwas beruhigt hatten, kam noch ein weiterer Vorfall zur Sprache, in den der Angeklagte ebenfalls verwickelt gewesen sein soll. Konkret ging es um die Nacht vor der Tat vor der Dönerbude. Hier soll der Mann nach einem Clubbesuch in Regensburg mit seinem Auto durch die Stadt gerast sein. Zwei Kumpels, die mit im Fahrzeug saßen, sprachen von einer „sportlichen“ Fahrweise. Die Polizei hatte dazu konkrete Zahlen: Teilweise bis zu 160 km/h standen auf dem Tacho – bei erlaubten Tempo 60 wohlgemerkt.

Eine Streife der Regensburger Polizei hielt den Wagen auf Höhe einer McDonald’s Filiale in der Dr. Gessler-Straße auf und kassierte den Führerschein ein. Bei einer späteren Blutentnahme im Krankenhaus stellten Mediziner einen Promillewert von 0,42 fest.

Am Montag wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen Prof. Dr. Hans Bäumler, Sachverständiger für Straßenverkehrsunfälle, sowie die psychiatrische Sachverständige Dr. Anna-Christina Wunder-Lippert ihre jeweiligen Gutachten vortragen. Ob am Montag tatsächlich ein Urteil fällt, bleibt offen.