Auto in Menschen vor Dönerbude in Schwandorf gesteuert: Dicke Überraschung im Zeugenstand

Es war ein Vorfall, der weit über die Grenzen des Landkreises für Schlagzeilen sorgte: Am 31. August vergangenen Jahres fuhr ein Auto in einen Freisitz vor einer Dönerbude in der Schwandorfer Innenstadt und verletzte drei Menschen. Nun startete der Prozess.
Der mutmaßliche Fahrer, ein 28 Jahre alter Marokkaner, muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Amberg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem versuchten Mord vor. Während der Angeklagte schwieg, sorgten die drei Geschädigten im Zeugenstand für eine dicke Überraschung.
In Begleitung mehrerer Polizisten und mit Fußfesseln betrat der Angeklagte um kurz vor 9 Uhr den Sitzungssaal. Er machte einen verhältnismäßig ruhigen Eindruck. Während Oberstaatsanwalt Holger Bluhm mehrere Minuten brauchte, um die Anklageschrift zu verlesen, stützte der junge Mann sein Kinn mit der Hand. Teilweise machte er sich Notizen und besprach sich mit seinen Anwälten Prof. Dr. Jan Bockemühl und Jörg Jendricke.
Angeklagter sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft
Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wiegen schwer: Versuchter Mord in drei Fällen, gefährliche Körperverletzung, Bedrohung, verbotenes Kraftfahrzeugrennen, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr zur Herbeiführung eines Unglücksfalles sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis. All das soll sich der Marokkaner zu Schulden kommen haben lassen. Seit mehreren Monaten sitzt er dafür in der JVA Augsburg-Gablingen in Untersuchungshaft.

Der Prozess ist auf mehrere Tage angesetzt. Beim Auftakt stand ausschließlich der Vorfall vor der Dönerbude im Fokus. Wie berichtet, wurden am 31. August vergangenen Jahres drei Männer in der Schwandorfer Innenstadt verletzt. Sie saßen vor einem Imbiss und aßen, als sie gegen 19.30 Uhr von einem Auto erfasst wurden. Der Wagen setzte zurück, beschleunigte, und rammte einen der Männer nochmals. Am Steuer soll ein heute 28-jähriger Marokkaner gesessen sein, der seit mehreren Jahren in Schwandorf lebte. Er soll sich den Wagen kurz vor der Tat bei einem Autoverleih aus der Region ausgeliehen haben. Nach kurzer Flucht stellte sich der Mann der Polizei und wurde festgenommen.
Was nach der Tat schnell klar war: Ein politisches Motiv lag nicht vor. Dafür sah die Polizei bei ihren Ermittlungen keinerlei Hinweise. Doch die genauen Gründe, was den damals 27-Jährigen zu seiner mutmaßlichen Tat getrieben haben soll, blieben rätselhaft. In den Tagen nach der Tat hatte er bei der Polizei keine Angaben gemacht.
Dabei blieb es auch beim Prozessauftakt am Mittwoch. Auf Anraten seiner beiden Verteidiger wollte sich der Angeklagte nicht zur Sache äußern. Mehr Licht ins Dunkel sollte dann das Video einer Überwachungskamera bringen, die in der Dönerbude installiert war und auch einen Teil des Außenbereichs filmte. Auf dem wenige Sekunden langen Clip war eindeutig zu sehen, wie das Auto zunächst mit geringer Geschwindigkeit in die Sitzgruppe fuhr und die drei Männer sowie Tische und Stühle auf die Seite schob. Nur Sekunden später erfasste der Wagen einen der Männer nochmals. Dieser wurde über die Motorhaube geschleudert. Anschließend fuhr das Auto davon.
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Die Männer, allesamt ebenfalls Marokkaner, hatten Glück im Unglück. Zwei erlitten lediglich leichte Prellungen. Der dritte, der nochmals von dem Auto erfasst wurde, brach sich das Handgelenk.
Die Opfer und der mutmaßliche Täter waren befreundet
War es pure Absicht oder ein Unfall? Das sollten zunächst die drei Geschädigten klären, die nach und nach als Zeugen aussagten. Ihre Schilderungen waren durchaus bemerkenswert. Unterm Strich gehen nämlich alle drei davon aus, dass der Angeklagte sie nicht mutwillig verletzen wollte, sondern alles nur eine „Blödelei“ war, die aus dem Ruder gelaufen ist. Eine andere Erklärung hatten sie nicht. Denn einen Streit oder sonstige Probleme habe es im Vorfeld der Tat nie gegeben – im Gegenteil. Die Opfer und der Angeklagte waren befreundet, teilten sich sogar zeitweise eine Wohnung oder gingen miteinander Feiern.
Einer der Männer will bemerkt haben, dass das Auto langsamer wurde, bevor es an jenem Abend in den Freisitz fuhr. „Vielleicht wollte er Blödsinn machen und hat nicht rechtzeitig abgebremst. Dann stand er unter Schock, wollte fliehen und hat mich aus Versehen nochmal erwischt“, sagte der Zeuge in Richtung des Angeklagten. Dieser ließ es sich anschließend nicht nehmen, sich zu entschuldigen. „Ich wollte niemanden verletzen, es war ein blöder Unfall“, ließ er über Verteidiger Bockemühl ausrichten. Die Entschuldigung wurde angenommen.
Weitere Zeugen werden am Donnerstag befragt
Am Nachmittag sagten weitere Zeugen zur Sache aus. Ein Nachbar und die Vermieterin des Tatautos bezeichneten den Angeklagten als nett und höflich. Sie hätten im Vorfeld der Tat keine Anzeichen wahrgenommen, dass sich der Gemütszustand des Mannes wesentlich verändert hätte. Mehrere Passanten, vor deren Augen sich der Vorfall vor der Dönerbude abspielte, bestätigten im Grunde die Szenen, die bereits auf der Überwachungskamera zu sehen waren.
Bemerkenswert war die Aussage einer Frau, die den Vorfall über den Rückspiegel ihres Autos beobachtet haben will. Der Fahrer des Tatwagens sei „voller Wut“ gewesen. Er sei „mit einem Affenzahn“ durch die Innenstadt gefahren. „Ich hatte Angst, dass die Person in mein Auto fährt“, sagte sie. Dann hätte sie nur noch einen dumpfen Schlag gehört, sei rechts rangefahren und habe in den Rückspiegel geblickt. Dort habe sie gesehen, wie ein Auto zurücksetzt und nochmals einen Mann erfasst. Für die Zeugin hatte es den Anschein, als sei der Wagen absichtlich in die Personengruppe gefahren.
Es hat so ausgesehen, als wäre er voller Wut gewesen.Eine Zeugin in Richtung des Angeklagten
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Ganze 16 Zeugen sind geladen. Dann könnten auch die anderen Vorwürfe näher zur Sprache kommen. Denn laut Anklage sei der Mann bereits kurz vor seiner mutmaßlichen Tat vor der Dönerbude negativ aufgefallen. Es geht um rücksichtloses Verhalten im Straßenverkehr und Bedrohung.