Landwirt liebäugelt mit Nahwärmenetz in Fronberg – Studie soll Erkenntnisse liefern

Wie kann die kommunale Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral werden? Darüber macht sich auch die Stadt Schwandorf schon lange Gedanken. Der Wärmeplan als wichtiger strategischer Anker biegt allmählich auf die Zielgerade ein. Als Fokusgebiet spielt auch der Ortsteil Fronberg eine wichtige Rolle. Dort liebäugelt ein Landwirt mit einem Nahwärmenetz.
In Sachen kommunale Wärmeplanung ist die Stadt Schwandorf schon einen guten Schritt weitergekommen. Zusammen mit dem Ingenieurbüro Zeitgeist wurde ein Wärmeplan für das gesamte Stadtgebiet entwickelt. Ziel ist es, die aktuelle Versorgung zu analysieren, künftige Lösungen zu entwickeln und geplante Maßnahmen bis zum Jahr 2045 umzusetzen.
Schwandorf verfügt bereits über ein vergleichsweise großes Fernwärmenetz. Es wird von der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung (SWFS) betrieben, besitzt eine Netzlänge von gut 71 Kilometern und speist seine Energie aus der regionalen Müllverwertung durch das Müllkraftwerk. Mehr als 1150 Kunden sind bereits an das Fernwärmenetz angeschlossen.
Viele Gebäude werden in Schwandorf noch mit fossilen Energieträgern beheizt
Doch es ist noch Luft nach oben. Denn immer noch werden rund zwei Drittel der Gebäude in Schwandorf mit fossilen Energieträgern beheizt. Genau da setzt die Wärmeplanung an. Der Entwurf konnte von 20. April bis 22. Mai auf der Internetseite der Stadt Schwandorf eingesehen werden und lag auch im Rathaus öffentlich aus. Die Behörden und Träger öffentlicher Belange wurden elektronisch beteiligt. Darüber hinaus gab es am 28. April eine öffentliche Infoveranstaltung in der Oberpfalzhalle, an der etwa 100 interessierte Bürger teilnahmen.
Wie in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses bekannt wurde, gingen keine weiteren Stellungnahmen ein. Die ursprünglich im Wärmeplan aufgelisteten 34 Einzelmaßnahmen wurden auf 18 reduziert. So seien die umzusetzenden Maßnahmen an die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt Schwandorf und die personellen Kapazitäten in der Verwaltung angepasst worden, wie es in der Beschlussvorlage hieß.
Die Stadträte begrüßten den Abschlussbericht des Wärmeplans fast durch die Bank. Gegen zwei Stimmen der AfD stellte der Planungs- und Umweltausschuss die Empfehlung an den Stadtrat aus, den Wärmeplan zu beschließen und die Verwaltung zu beauftragen, die Maßnahmen schrittweise im Rahmen der jährlichen Haushaltsplanung umzusetzen.
Fokus auf Fronberg, Büchelkühn und das Rothlindenviertel
In Schwandorf werden bei der Wärmeplanung vor allem drei Gebiete in den Fokus genommen: Die Stadtteile Fronberg und Büchelkühn sowie das Rothlindenviertel im Südosten. Für Büchelkühn wird eine Versorgung über Abwärme aus der Kläranlage diskutiert, mit einer Absicherung durch Biomethan. Im Rothlindenviertel wiederum könnte das bestehende Fernwärmenetz weiter ausgebaut werden.
In Fronberg könnte ein sogenanntes Inselnetz entstehen, das auf Luft-Wärmepumpen basiert und durch ein Hackschnitzelkraftwerk zur Spitzenlastabdeckung ergänzt wird. Als möglicher Betreiber eines solchen Kraftwerks stellte sich in der jüngsten Sitzung des Planungs-und Umweltausschusses Josua Neufeld vor, der einen Agrarservice in Schwandorf betreibt. Der Landwirt wird bei Planung und Umsetzung von der Firma Enerpipe Solutions GmbH unterstützt.
Ausschuss begrüßte die Machbarkeitsstudie
Wie deren Geschäftsführer Markus Euring erklärte, würde man gerne eine Machbarkeitsstudie in die Wege leiten, um die technische Umsetzbarkeit, die Wirtschaftlichkeit und den zeitlichen Rahmen des angestrebten Projekts bewerten zu können. „Es muss ein Anschlusswille da sein, das ist das A und O“, erklärte Euring. Nur wenn viele Hauseigentümer Interesse an einem Nahwärmeanschluss bekunden, könne überhaupt erst ein Netz aufgebaut werden. In Fronberg nehme man einen hohen Bedarf an alternativen Heizmöglichkeiten wahr, wie Neufeld betonte. Er sei bereits von einigen Bürgern auf sein Vorhaben angesprochen worden.
Es muss ein Anschlusswille da sein, das ist das A und O.Markus Euring, Geschäftsführer der Enerpipe Solutions GmbH
Nach dem kurzen Vortrag setzten Schwandorfs Stadträte den Zug aufs Gleis. Der Ausschuss stellte dem Stadtrat die Empfehlung aus, der Machbarkeitsstudie zuzustimmen.