Nahwärme für Kreith wird geplant – Bürger informieren sich über klimaneutrales Heizen

Kürzlich hatte Patrick Göth als Privatperson die Anwohner von Kreith in das Gasthaus Späth eingeladen, um das Projekt „Nahwärme für Kreith“ vorzustellen. Er begrüßte dabei auch Baudirektor Reinhard Schade, den Werksleiter der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung Schwandorf, Stefan Trettenbach, den Betreiber des Nahwärmenetzes in Fensterbach, Carl Graf zu Eltz, sowie die Stadträte Stephan Mändl (CSU) und Florian Spiegler (FW).
Göth erklärte, er habe zu der Informationsveranstaltung eingeladen, weil die kommunale Wärmeplanung die Umstellung auf klimaneutrale Heizungen bis zum Jahr 2045 vorsehe. Auch Kreith werde davon betroffen sein, denn nach seinen Worten seien hier noch zu 96 bis 98 Prozent ältere Heizsysteme im Einsatz. Viele Bürger wünschten sich deshalb vor allem Planungssicherheit und bezahlbare Lösungen für die Zukunft.
Jeden Ortsteil erfasst und individuell untersucht
Reinhard Schade erläuterte, dass das Bundesgebäudemodernisierungsgesetz derzeit noch parlamentarisch diskutiert werde. Die Stadt Schwandorf müsse letztlich mit den Vorgaben umgehen, die in Berlin beschlossen würden. Die Stadt Schwandorf müsse letztlich mit den Vorgaben umgehen, die in Berlin beschlossen würden. Bis 2028 seien Kommunen wie Schwandorf grundsätzlich verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen, wegen der Bundesförderung werde aber ein Konzept bis Mitte des Jahres angestrebt. Die Öffentlichkeitsbeteiligung sei am 22. Mai abgeschlossen worden. Am 20. Juli werde der Planungsausschuss den endgültigen Wärmeplan vorberaten und anschließend beschließen. Das Gesetz verlange zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme, anschließend eine Analyse und schließlich die Entwicklung konkreter Perspektiven.
Jeder Ortsteil Schwandorfs sei dabei erfasst, untersucht und mit individuellen Vorschlägen versehen worden. Nach der Sommerpause beginne dann die eigentliche Umsetzung. Geplant sei unter anderem, die bestehende Fernwärme weiter auszubauen und zu verdichten. Dort, wo keine Fernwärme verfügbar sei, würden alternative Möglichkeiten geprüft – darunter auch Nahwärmenetze. Entscheidend seien dabei sowohl die technische Machbarkeit als auch die Wirtschaftlichkeit zu einem vertretbaren Preis, so Schade.
Patrick Göth betonte, dass die jüngsten Diskussionen um das Heizungsgesetz viele Bürger erneut verunsichert hätten. Für Kreith könne er sich deshalb ein Nahwärmenetz auf Basis von Hackschnitzeln als Biomasse vorstellen. Die Heizzentrale würde im Außenbereich beim Fußballplatz errichtet. Von dort aus könnten die Haushalte über unterirdische Leitungen mit Wärme versorgt werden.
Nahwärme ist lokal begrenzt
Der Unterschied zwischen Fern- und Nahwärme liege darin, dass die Fernwärme in Schwandorf die unvermeidbare Abwärme des Müllkraftwerks nutze und inzwischen über ein Netz von mehr als 70 Kilometern verfüge. Nahwärme hingegen sei lokal begrenzt.
Biomasse biete den Vorteil, dass die Energie aus der Region stamme und durch die Einbindung der heimischen Forstwirtschaft die Wertschöpfung vor Ort bleibe. Zudem mache man sich weitgehend unabhängig von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas und könne somit nahezu CO2-neutral heizen. Nach Ansicht von Göth wären die Heizkosten langfristig günstiger und besser kalkulierbar.
Weitere Vorteile seien der Wegfall des Wartungsaufwands für eigene Heizungen sowie der Schornsteinfegerkosten. Zwei große Pufferspeicher sollten die Versorgungssicherheit gewährleisten. Zusätzlich könne über eine Photovoltaikanlage Strom erzeugt werden. Auch die steigende CO2-Bepreisung, die jährlich um fünf Euro steige, würde entfallen.
Zum Vergleich nannte Göth folgende Werte: Ein Liter Heizöl verursache insgesamt 2,66 Kilogramm CO2, ein Kubikmeter Erdgas zwei Kilogramm CO2. Die Kosten für Nahwärme lägen im Vergleich zu Heizöl bei rund 72,4 Prozent. Die Anschlusskosten für ein Einfamilienhaus würden sich laut Göth – inklusive Demontage der alten Heizung und Neuanschluss – zwischen 8000 und 15.000 Euro bewegen. Die jährliche Grundgebühr liege zwischen 250 und 500 Euro. Die Energiekosten bezifferte er bei einem Einfamilienhaus mit acht bis 15 Kilowatt Leistung auf etwa zehn bis 15 Cent pro Kilowattstunde.
Der Einbau der Übergabestation könne vom Eigentümer frei vergeben werden. Auch mögliche Förderungen stellte Göth vor. Der Basiszuschuss für den Anschluss an ein Gebäude- oder Wärmenetz betrage derzeit 30 Prozent. Zusätzlich könne ein sogenannter Klimageschwindigkeitsbonus von weiteren 20 Prozent gewährt werden, wenn eine alte Öl-, Gas-, Kohle- oder Nachtspeicherheizung beziehungsweise eine über 20 Jahre alte Biomasse- oder Gasheizung ersetzt werde. Auch einen Förderung von 2500 Euro durch den Emissionsminderungszuschlag für Biomasseheizungen ist möglich, wenn die Anlage die strengen Emissionsgrenzwerte einhält.
Projekt vor 24 Jahren in Fensterbach gestartet
Zum Abschluss berichtete Carl Graf zu Eltz aus seinen praktischen Erfahrungen in Fensterbach. Vor 24 Jahren habe er zunächst begonnen, mit Biomasse aus Kleegras Wärme für eine Lackiererei und ein Gewächshaus zu erzeugen. Mittlerweile befinde sich das Projekt in der dritten Ausbaustufe, und inzwischen würden 25 Haushalte versorgt.
16 Bürger, die sich in eine Liste eintrugen, bekundeten ihr Interesse. Machbar wäre es den ganzen Ort mit Nahwärme zu versorgen, sagte Göth zum Schluss.