Nach fast 30 Jahren kommt der Staubinger Donau-Deich – So soll der Bau ablaufen

Von Beate Weigert · 21. Juli 2026 um 17:00

Nach langem Ringen steht der Baubeginn eines Hochwasserdamms im Kelheimer Ortsteil Staubing bevor. Das Wasserwirtschaftsamt in Landshut lud die Bürger zu einer Info-Veranstaltung. Dabei hörten diese, was auf sie zukommt. Vor allem eine Frage brannte den Anrainern bei dem Termin unter den Nägeln.

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„Ich bin sehr erleichtert“, sagt Inge Buchner am Montag im Staubinger Feuerwehrhaus. Dorthin hatte das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Landshut die Bürger zu einer Info-Veranstaltung zum Bau des neuen Donaudamms geladen. Buchner und ihre Familie sitzen bei jedem Hochwasser-Fall „in der ersten Reihe“. Sie kämpfen, wie die Nachbarn ringsum, seit knapp 30 Jahren gegen immer neue Fluten und für einen schützenden Deich.

Der soll nun entstehen, leitete WWA-Leiter Patrik Giebel ein. Der Planfeststellungsbeschluss stehe, Baurecht liege vor.

Diermeier: „Sehr intensive Leidenszeit“ endet

Bürgermeister Dennis Diermeier (FW) blickte zurück, nicht nur zurück auf die „sehr intensive Leidenszeit“ der Betroffenen seit dem Jahrhundert-Hochwasser 1999, sondern auch auf die jüngere Vergangenheit. Vor fast genau einem Jahr hatte ein Urteil des VGH in München das juristische Tauziehen beendet. Naturschutzverbände hatten den Deichbau mit Klagen verhindern wollen. Sie sahen dadurch das FFH-Gebiet samt in ihren Augen wichtiger Kinderstube der Donaufische bedroht.

Zur Erläuterung der Details, wie der Bau ablaufen soll und was auf die Staubinger zukommt, waren Antje Rowden, die Leiterin der Planungs-Abteilung, und Projekt-Ingenieur Wolfgang Wagner dabei. Knapp 60 Interessierte verfolgten die Ausführungen.

Aktuell bietet sich an der Donau in Staubing ein völlig anderes Bild. Der Pegel ist seit Wochen sehr niedrig. - Foto: Beate Weigert

Die Finanzierung des 5,7 Millionen Euro-Projekts stehe, so Giebel. Die gute Nachricht für die Stadt sei, dass sie (zumindest was die Kosten ab 1.1.2026 betrifft) nicht mehr 50 sondern nur mehr 20 Prozent zahlen muss. Die Firma KSK aus Painten habe den Auftrag erhalten. Das Baufeld sei freigeräumt. Ab Herbst soll auf 640 Metern Länge der neue Damm gebaut werden. Bis Herbst 2027 soll alles fertig sein.

Bäume der Streuobstwiese wurden bereits versetzt. Links davon zur Donau hin wird bis Herbst 2027 der neue Deich entstehen. - Foto: Beate Weigert

Vom Wirtschaftsweg davor bis zu dem dahinter wird der Deich etwa 25 Meter breit, so Rowden. Auch Querungen und eine Zufahrtsrampe entstehen. Ersteres vor allem, um den Damm später mähen und pflegen zu können, Zweiteres für die Deichverteidigung im Ernstfall. Die Querung werde für Fußgänger und Radfahrer ausgelegt, nicht für Bulldogs, so Giebel.

Wir bauen HQ100-Standard plus einen Meter Sicherheitszuschlag oben drauf.Patrik Giebel, WWA-Leiter

Die Fragen der Staubinger zeigten, dass sich vor allem der Ausnahmezustand beim Hochwasser 1999 bei ihnen eingebrannt hat. „Wie hoch wird der Damm“, wollte ein Mann wissen. Gebaut werde – wie in ganz Bayern – HQ100-Standard plus einen Meter als „Sicherheitszuschlag“ oben darauf, so Giebel. HQ100 steht in der Wasserwirtschaft für ein Hochwasser das statistisch einmal in 100 Jahren auftritt. Auf Nachfragen sagte Giebel, dass der Deich auf maximalen Hochwasserabfluss von 2200 Kubikmeter pro Sekunde ausgelegt sei.

Im Staubinger Fall werde der Deich im Schnitt 4,50 Meter ab jetziger Geländehöhe hoch. Gebaut werde noch an die zehn Zentimeter höher, damit der Damm nach üblichen Setzungen so hoch wie gewünscht dastehe, so Wolfgang Wagner. Und „wenn das nicht reicht, kann dann noch erhöht werden?“, setzte der Staubinger hinterher.

Bei jedem Hochwasser mussten die Betroffenen ihr Hab und Gut aus ihren Häusern räumen. Hinterher liefen stets die Trocknungsgeräte. - Foto: Beate Weigert

„Ein Restrisiko bleibt bestehen“, machte Giebel deutlich. Wenn die Fluten so hoch stiegen, dann sei das „der Katastrophenfall, dann wird evakuiert“. Aber dann habe nicht nur das Dorf ein Problem, sondern alle Anrainer entlang der Donau, so Rowden.

Schutz vor Donaufluten, nicht vor hohem Grundwasser

Zudem müsse man wissen, dass der neue Deich vor künftigen Donaufluten schützen werde, nicht aber vor hohem Grundwasser. Hohen Grundwasserspiegel werde es weiter geben, entsprechend wichtig sei es, dass die Eigentümer Rückstau-Klappen in ihren Gebäuden installierten.

Zum neuen Damm werde Staubing Dammbalken für den mobilen Verschluss der Durchfahrten und Pumpen erhalten. Sie werden, wenn der Damm fertiggestellt sei, im Feuerwehrhaus vorhanden sein, versprachen Giebel und Diermeier. Das Geld dafür sei in den Dammbau-Kosten enthalten.

Anwohner Eduard Buchner zeigt, wie hoch das Wasser an seinem Anwesen 1999 stand. - Foto: Beate Weigert

Neben dem Deichbau gibt es noch eine weitere Baustelle. Der Druckwasserkanal für das Regenwasser aus dem Ortsteil muss noch vollendet werden. Die Arbeiten werden sich auf das bestehende Fernwärmenetz auswirken. Denn dafür müsse die Versorgung unterbrochen werden. Damit sich Staubinger wie Netzbetreiber darauf vorbereiten können, sollen die Arbeiten ab Frühjahr über die Bühne gehen.

Ab Herbst 2026 kommen zunächst Kanalarbeiten am Ortsring. Auch (Entwässerungs-) Gräben müssen verlegt und ein Mahlbusen, ein Zwischenspeicher für das Binnenwasser, gebaut werden, dann könne die Deichaufschüttung anlaufen. Zur Überraschung der Anwesenden hieß es, dass noch eine Grundstücksfrage (auf Seiten der Stadt) zu klären sei.

Die Anwohner freuen sich derweil, dass der Damm endlich kommt. Dass er nicht für jeden Katastrophenfall ausgelegt ist, „ist halt so“, sagt Inge Buchner und hofft, „dass ich das nicht mehr erlebe“.