Zwei Mütter aus dem Kreis Kelheim imkern zusammen - und machen schon mal blauen Honig

Vor vier Jahren taten sich Magret Feßlmeier und Corinna Schlamp in Eining zusammen, um die Tradition im Dorf zu erhalten. Inzwischen sind sie ein eingespieltes Team. Für ihren Blütenhonig heimsten sie 2025 bayernweit eine Medaille. Die Freundinnen gehen aber auch neue Wege, und die sind manchmal schlumpfblau.
Obwohl es in der Nacht zuvor geregnet hat, sitzen die „Chiemgauer“ morgens um halb neun schon wieder draußen. Die Chiemgauer sind eines von zwölf Bienenvölkern, das Margret Feßlmeier und Corinna Schlamp aus Eining ihr Eigen nennen. Erst vor vier Jahren sind die beiden in die Welt der Bienen eingetaucht.
Die Chiemgauer haben sie zur „genetischen Durchmischung“ aus Oberbayern geholt, erklärt Feßlmeier. Sie sind ein Beispiel, das zeige, wie unterschiedlich ihre Bienen sind. Jedes Volk sei anders, sagen die Imkerinnen. Entsprechend haben sie den Königinnen Namen gegeben. Die „aufbrausenden“ tragen Wikingernamen. Dafür sind ein sehr fleißiges Völkchen, tragen ordentlich Honig heim. Ruhiger sind andere Völker.







Außerhalb des Donau-Dorfs auf einer kleinen Anhöhe am Waldrand haben Corinna Schlamp und Margret Feßlmeier inzwischen zwei Bienenhäuser. Das größere hat der frühere Eininger Imker Anton („Done“) Stier gebaut und lange betrieben. Als er altersbedingt nicht mehr konnte, übernahmen Corinna Schlamp und Margret Feßlmeier. Sie wollten die Tradition nicht sterben lassen. Bis heute schleudern sie bei der Familie ihren Honig und wissen das sehr zu schätzen, sagen sie.

Ihr Mann „quatschte sie rein“ – Nun liebt sie es
Streng genommen sei sie von ihrem Mann Michael ins Imkern „reingequatscht“ worden, sagt Corinna Schlamp und schmunzelt. Sie selbst sei gar nicht so der „Honigbär“, im Gegensatz zur besseren Hälfte und anderen Verwandten. Doch dass die Tradition sonst wahrscheinlich geendet hätte, motivierte sie, so die 46-Jährige. „Anfangs freute es mich am meisten, wie der Done sich freute, dass es weitergeht“.
Unsere Königinnen haben Namen. Die Aufbrausenden tragen Wikingernamen. Wiki, Ylvie usw. Ihre Völker sind aber nicht nur aufbrausend, sondern auch sehr fleißig.Margret Feßlmeier, Imkerin
In Margret Feßlmeier, die sie zuvor nur flüchtig kannte, weil ihre Kinder gleich alt sind, habe sie ihre „perfekte Partnerin“ und eine gute Freundin gefunden.
Viele imkern alleine. Die gelernte Tierarzthelferin und die Tourismusfachfrau arbeiten zusammen. Für sie sei das perfekt, auch in Sachen Arbeitsteilung.

Corinna Schlamp kümmert sich gern um alles rund ums Bienenhaus, insbesondere die Jungvölker. Die 41-jährige Freundin investiert mehr Zeit in den Honig, das Abfüllen, sie sorgt für schöne Etiketten und Gläser, ist verantwortlich für Layout und Marketing. Zudem will sie sich künftig auch im Kelheimer Imkerverein dafür engagieren, neue Interessierte für den Einstieg ins Imkern zu begeistern, und will das Organisatorische im Hintergrund anpacken. Ja, es passt gut zwischen ihnen. „Wir ergänzen uns gut.“
Alles, was sie wissen, hat ihnen der Vorsitzende der Kelheimer Imker, Reimund Bachhuber aus Staubing, beigebracht. Der Imkerkurs war auch ganz schön viel Theorie. Da rauchten die Köpfe. Inzwischen ist vieles selbstverständlich. Dennoch lernen sie jedes Jahr Neues dazu.
2025 heimsten sie Silber ein – da war der ganze Imkerverein stolz
2025 wurden sie für ihren Blütenhonig mit der Silbermedaille des Bayerischen Imkerverbands ausgezeichnet. Da war der ganze Verein stolz. So früh habe noch kein Jungimker solch eine Auszeichnung abgeräumt, sagt Reimund Bachhuber.
Für mich ist die Arbeit im Bienenhaus wie Meer ohne Meeresrauschen.Corinna Schlamp, Imkerin
Aber die beiden Frauen gehen auch neue Wege, probieren etwas aus. So kam es, dass sie vor Kurzem „blauen“ Honig produzierten. Die tiefblaue Farbe des Blütenhonigs kommt von einer kleinen Menge einer Algenart. „Am Geschmack ändert das nichts“, sagt Corinna Schlamp. Aber ihre Kinder ließen sich so beim Frühstück deutlich besser fürs Honigbrot begeistern.
Nach den Bienen und ihren Bienenhäusern schauen die Frauen einmal die Woche gemeinsam. Hier können die beiden Mütter „total abschalten“. Beide managen zwei große Familien. Schlamp hat vier Kinder, Feßlmeier fünf. Für sie ist das nichts Außergewöhnliches, auch nicht, dass sie noch Zeit für so ein Hobby haben. „Andere sind da immer so erstaunt“, sagt Margret Feßlmeier.

Für Corinna Schlamp ist das Summen ihrer Bienen wie „Meeresrauschen ohne Meer“. Kein Wunder, ist der Chor der Bienen seit dem Frühjahr von etwa 5000 Individuen pro Volk jetzt auf bis das Zehnfache angewachsen. Margret Feßlmeier genießt den „Super-Ausgleich“, den ihr das Imkern bietet. Aber auch die Theorie, die dahinter steckt, findet sie sehr spannend.
„Und ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich der Honig schmeckt, obwohl er von denselben Bienen und vom selben Standort ist.“ Doch zu jeder Jahreszeit blühe etwas anderes und „das macht den Geschmack“.
Die Einigerinnen sind nach wie vor fasziniert von ihrem Hobby. Corinna Schlamp trägt ihre Bienen-Liebe heute auch auf dem T-Shirt: „Bee happy“ steht drauf. Und wenn sie den rechten Unterarm dreht, kommt dort als Tatoo eine Biene zum Vorschein, die eine kleine Weltkugel am Schnürchen hat. In Anlehnung an den Spruch, der Albert Einstein zugeschrieben wird: „Wenn die Bienen aussterben, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Der Spruch steht auch außen an ihrem Bienenhaus und ist für die Frauen mit ein Grund, sich für die Natur zu engagieren und die Eininger Tradition fortzuführen.
Infotag für zukünftige Imker in Kelheim
• Einblicke: Am Samstag, 8. August, 17 bis 19 Uhr, geben die Mitglieder des Bienenzuchtvereins Kelheim am Lehrbienenstand in Stausacker Einblicke in ihre Arbeit. Zudem können sich Interessierte über die nächste Grundausbildung informieren. Start ist im Januar 2027.
• Zielgruppe: Der Termin richtet sich an Interessierte aller Altersgruppen. Treffpunkt ist beim Gasthaus Steinbeck. Anmeldung ist erwünscht, damit genügend Imker-Schutzkleidung zur Verfügung steht. Mehr Infos: www.imkerei-kelheim.de, Mail: kurs@imkerei-kelheim.de