Die Odyssee mit dem Ersatzbus: Fahrer verirrt sich in Kumpfmühl, fährt Straßenschild um und Auto an

Ein umgefahrenes Straßenschild, ein touchierter Pkw und ein Ersatzbusfahrer, der sich seinen Weg durch die viel zu enge Nicolaus-Gallus-Straße im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl bahnt. Koste es, was es wolle. Die Irrfahrt des SEV-Busses am späten Montagabend ist kaum zu glauben. Wären da nicht die Schilderungen einer Anwohnerin, ein Polizeibericht und ein Straßenschild, das noch immer im Gebüsch liegt.
Aber der Reihe nach. Am Dienstag landete das Video einer Anwohnerin im Posteingang der Redaktion. Darin zu sehen: ein lila Gelenkbus, der in der engen Nicolaus-Gallus-Straße festhängt und obendrein beim Rangieren noch ein Straßenschild umfährt. Drinnen sitzen die Passagiere, die die Katastrophe kommen sehen und nicht so recht wissen, ob sie lachen oder weinen sollen.
Von dem Video weiß die Polizei zwar nichts, der Vorfall ist aber inzwischen bekannt. Markus Reitmeier, Pressesprecher der Polizeiinspektion Regensburg Süd, bestätigt die Irrfahrt des Busses. Am Montag war die Polizei gegen 21.30 Uhr von Anwohnern gerufen worden. „Der ist wohl von der Route abgekommen“, meint Reitmeier. Beim Versuch, zurück zur Hauptstraße zu kommen, blieb der Bus in der engen Nicolaus-Gallus-Straße hängen. Außer dem Straßenschild wurde laut dem Polizeisprecher auch noch ein Auto beim Wendemanöver touchiert.
Auch die Polizei kennt die verrückte Geschichte schon
So steht es zumindest im Polizeibericht. Die Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden will und Bilder und Videomaterial zur Verfügung stellt, schildert noch mehr Details zur Irrfahrt. Der Busfahrer ist seinem Navi gefolgt, erzählt sie. Und das Navi lotste den Bus dann in die Nicolaus-Gallus-Straße. Die ist aber nicht nur eine Spielstraße, sondern derzeit auch eine einzige große Baustelle. Laut der Anwohnerin werden dort unter anderem Abwasserrohre erneuert.
Die Straße ist selbst für die Pkws der Anwohner nur noch mit Mühe befahrbar. All das hinderte den Fahrer, der laut Anwohnerin kein Deutsch konnte und nur mit einer Übersetzungsapp kommunizierte, nicht daran, es trotzdem zu versuchen. Dabei war dem Fahrer kein Hindernis zu groß. Baustellenabtrennungen soll er einfach zur Seite geschoben haben. Auch Betonpfosten am Straßenrand soll der Bus mehrmals gestreift haben. „Anschließend wollte er in den Wartenbergweg einbiegen“, schildert die Zeugin. Das Problem: Die Kurve ist besonders eng und ein dort stehendes Straßenschild macht die Sache noch kniffliger.

Was dann folgt, hält die Anwohnerin in einem Video fest. Am Ende des Rangierversuchs steckt der Bus in der Kreuzung fest und das Straßenschild hängt halb umgefahren in der Luft. Verzweifelt soll der Fahrer noch versucht haben, das Schild wieder aufzustellen. Ohne Erfolg. Danach legt er es ins Gebüsch. So beschreibt es die Anwohnerin.
„Nachbarn haben dann die Polizei verständigt“, sagt sie. Dass es die Anwohner waren, die den Notruf wählten und nicht der Busfahrer selbst, bestätigt auch Polizeisprecher Reitmeier. „Wir haben vor Ort dann beim Rangieren geholfen“, erklärt der Sprecher. Danach sei der Unfall, wie jeder andere auch, normal aufgenommen worden. „Das ist jetzt eine Versicherungsgeschichte.“ Von Polizeiseite gebe es nichts Weiteres zu beanstanden.
Ein sturer Fahrer ohne böse Absichten
Den Anwohnern bleibt das Erlebte wohl noch lange im Gedächtnis. „Das war definitiv ein besonderes Erlebnis, das man so noch nicht gesehen hat, inklusive dem sturen Willen des Fahrers, einfach weiterzufahren“, meint die Anwohnerin. Trotz des Ärgers rund um die Irrfahrt will sie aber nicht, dass die ganze Schuld auf den Busfahrer abgewälzt wird. Denn der „hatte wirklich keine bösen Absichten“ und war „nervlich mehr als angeschlagen“.
Und obwohl Videos, Fotos und die Polizei die Fahrt des Ersatzbusses genaustens dokumentieren, ist ein Eindruck vor Ort noch immer am Besten . Und ja: Die Nicolaus-Gallus-Straße ist wirklich eng. Und eine einzige Baustelle. Am Dienstag steht am Straßenrand ein Bauarbeiter. Hat der schon mal einen Bus hier gesehen? „Busse? Hier fahren doch keine Busse“, meint er und ergänzt lachend: „Die kommen hier ja auch gar nicht durch.“ Dass der Bauarbeiter weiß, wovon er redet, beweist ein Blick ins Gebüsch ein paar Meter weiter. Dort liegt im Gras, hinter einem Baum, das Straßenschild des Wartenbergwegs. Es ist das letzte Überbleibsel der Odyssee des lila Ersatzbusses.
Die SEV-Irrfahrt am späten Montagabend ist nicht die erste ihrer Art. Erst am Sonntag steckte ein Ersatzbus in der Regensburger Altstadt fest. Unvergessen bleibt auch die Irrfahrt eines Busfahrers auf der Steinernen Brücke im April.